Dienstag, 30. Januar 2018

Pfannkuchengeheimnis


Für jeden von uns gibt es mindestens ein Gericht aus der Kindheit, welches so unglaublich gut war, dass die Erinnerung daran uns ein Leben lang begleitet. Eine Reproduktion durch eine andere Person, als diejenige, die uns dieses Mahl bereitet hat, wird nur schwerlich möglich sein, denn oft sind es wohl auch die besonders heimelige Atmosphäre und das Gefühl der Geborgenheit und Umsorgtheit, die mit dem Genuss der Speise einhergegangen sind und ihren Beitrag an der Unvergesslichkeit leisten, vergleichbar mit dem Wein, der zu Hause nie so gut wie im Urlaub schmeckt.

Oft handelt es sich dabei um relativ profane Gerichte wie den Grießbrei, das Brathähnchengewürz, die Dampfnudeln oder Frikadellen und fast immer ist als Köchin die Oma oder die Mutter mit im Spiel.

Bei Herrn Suse sind es Pfannkuchen und die Oma, oder besser gesagt „Omi“, wie sie nicht nur von ihren Enkeln, sondern auch von den Töchtern, dem Sohn, den Schwiegerkindern und Schwiegerenkelkindern (wozu ich gehöre) und eigentlich dem ganzen Dorf genannt wurde. Omi war eine wirklich beeindruckende Frau, für deren Geschichte noch viele Beiträge erforderlich wären und so versuche ich mich in Beschränkung auf das Wesentliche.

Erst kürzlich sprach Herr Suse im Beisein von Freunden wieder einmal von Omis legendären Pfannkuchen, indem er betonte, wie sehr er meine Kochkünste schätze, aber meine Versuche zu den perfekten Pfannkuchen bislang kläglich gescheitert wären. Omis Pfannkuchen waren etwas dünner als herkömmliche Pfannkuchen, aber dicker als Crêpes, sehr saftig und nie brüchig oder gar trocken.
Und so ist es sicher nicht verwunderlich, dass diese flache Mehlspeise aus Eiern, Mehl und Milch nur selten bei uns auf den Tisch kommen. Dieses könnte sich in Zukunft jedoch ändern, aber dafür möchte ich noch ein bisschen weiter ausholen.

Herr Suse wuchs behütet unter einem Dach mit seiner Schwester, seinen Eltern und Omi auf. Omi hatte stets ihren eigenen Wohnbereich und versorgte sich noch bis ins hohe Alter selbst. Im Dezember 2007 starb Omi dann fast 95-jährig in diesem Haus. Ihr Nachlass wurde seinerzeit weitestgehend verteilt, die Räume blieben seither ungenutzt. Vor drei Jahren starb meine Schwiegermutter und vor ein paar Monaten mussten wir dann Abschied von meinem Schwiegervater nehmen. Nun kümmern sich Herr Suse und seine Schwester um die Auflösung des verbliebenen Haushaltes.
Vor wenigen Tagen brachte Herr Suse dann mit einem freudigen Grinsen diesen Fund aus dem Küchenschrank aus Omis alter Küche mit:

 
Es handelt sich hierbei um ein handgeschriebenes Kochbuch, vermutlich in den 1920 Jahren während Omis Schulzeit begonnen. Darin befinden sich gut 80, in druckreifem Sütterlin geschriebene Kochrezepte unterschiedlicher Rubriken. Und natürlich findet sich unter Mehlspeisen auch ein Rezept für Pfannkuchen, ich korrigiere „Gute Pfannkuchen“.

Im Gegensatz zu vielen anderen Pfannkuchenrezepten, verwendete Omi relativ viel Flüssigkeit, wobei sie auf halb Milch und halb (heißes) Wasser zurückgreift. Von ihren aufgeschriebenen zwei Varianten haben wir uns für die erste entschieden und gleich ein recht originalnahes Ergebnis erreicht. Zumindest soweit, dass ich es mit Genehmigung von Herrn Suse hier veröffentlichen darf:
 
Omis gute Pfannkuchen

5 Eier
1/2 l  Milch
350 g Mehl 405
1/2 l heißes Wasser (aus dem Wasserhahn)
Etwas Salz
(Zucker nach Belieben, aber nicht nicht nach Omi ;))

Butter für die Pfanne

Eier in eine Schüssel geben und mit der Milch mit dem Schneebesen gut verrühren. Das Mehl esslöffellöffelweise klümpchenfrei unterrühren und zum Schluss das heiße Wasser und Salz zugeben und verrühren. Wir haben den Teig ca. eine halbe Stunde quellen lassen.
Bei der Teigmenge lohnt sich das Backen parallel in zwei Pfannen. Pro Pfanne jeweils ein kleines Stückchen Butter schmelzen und eine Suppenkelle ca. zu 3/4 mit Teig füllen, in die Pfanne geben und diese dabei schwenken, damit sich der flüssige Teig schnell verteilt und sich keine Teiginseln bilden. Bei mittlerer Hitze hellbraun garen, umdrehen und zu Ende backen.
Fertige Pfannkuchen auf einem Teller im 90°C warmen Backofen warmhalten bis der Teig aufgebraucht ist. Wichtig ist, dass für jeden Pfannkuchen ein neues kleines Stück Butter in die Pfanne kommt, dieses nicht zu braun wird, der Teig nicht zu dick und nicht zu dünn eingefüllt und bei mittlerer Hitze gegart wird.



Bei Omi wurde dieser Pfannkuchenstapel dann wie ein Torte geschnitten und zu Apfelmus gegessen. Wir haben die Pfannkuchen dann doch einzeln gegessen, Reste können gerollt und geschnitten als Suppeneinlage  oder für Tonis Wochenendfutter verwendet werden.

Kommentare:

  1. Das Rezept ähnelt sehr dem Flädles Rezept meiner Oma aus Kochen und Backen nach Grundrezepten, das gibt es bei uns immer. Sehr lecker.
    Christine

    AntwortenLöschen
  2. Habe durch einen anderen Blog zu dir gefunden.
    Meine Oma-Erinnerung ist die von herzhaften Pfannkuchen mit Mettwurst und ich könnte schwören, sie wurden nach dem gleichen Rezept gemacht.
    Vielen Dank!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich :-) Früher wurde natürlich nicht so viel Tamtam um Rezepte und deren Varianten gemacht.
      Und wenn ich auch heutzutage viele Bratengericht nicht nach den alten Rezepten zubereiten würde (die Temperaturen lassen jedes Stück Fleisch zu etwas trockenem werden), so gehören diese Pfannkuchen definitv zu den Schätzen, die nicht verloren gehen dürfen.

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Dieses Blog durchsuchen

Follow by Email

Aus Küche und Keller

#kochtag (4) 180° Adventskalender (89) 180° der Film (2) 180° Fussballwette 14/15 (3) 180° Hauptversammlung (2) 180° Hauptversammlung 2012 (10) 180° reloaded (35) Aachen (3) Advent (4) Alemannia (3) alltagsküche (6) Alter (4) Amuse (7) Apfelsaft (1) Aquitaine (1) Aromen aus 1001 Nacht (16) ATK-Bloggeburtstag (5) auf die Schnelle (52) Aufstrich (1) aus der Hand (50) aus Fluss und Meer (66) Australien (2) Auxerrois (1) Backen (7) Backhaus (3) Backtag (33) Baden (2) Barbarazweig (1) Barbier (2) Barrique (2) Bauanleitung (3) Beiwerk (34) bellet (1) BiB (1) Bierzo (1) Bio (6) Bistroküche (8) Blaufränkisch (2) Blauzungenmarathon (3) Bordeaux (27) Bourgeuil (1) Brot (6) Bruno (2) Buch (3) Buchmesse (1) Bullshitbingo (1) Burgund (4) Butter (1) Cabernet (2) Champagner (6) Chardonnay (15) Châteauneuf (1) Châteauneuf-du-Pâpe (1) Chicorée (1) CocaCola (1) Cote d'Azur (3) Côte d'Azur (2) Cotes du Rhône (1) Crémant (1) Cru Bourgeois (1) Currywurst (1) Cuvée (2) Dessert (38) Dessous (8) Diät (4) Dornfelder (3) Edelzwicker (1) Ei ei (7) Elsass (4) Endlich Frühling (48) Erben Spätlese (1) Erbsensuppe (2) Erdbeeren (1) Erntedank (42) Etikettentheorie (4) Federvieh (31) Ferien (1) Fern(k)östlich (20) Figeac (3) Film (2) Fingerfood (6) Fisch und Krustentiere (4) Flüchtlinge (2) Fotoworkshop (2) Franken (2) Frankreich (13) Frankreich; Bistroküche (2) Freundschaft (2) Frühling (26) Frühstück (3) Fußball (8) Gargantua (1) Garmethode (1) Garnacha (1) Gebäck (8) Geflügel (4) Gemüse (7) Gemüsegarten (8) Geschenke (2) Gesellschaft (15) Getränk (4) Gewürzmischung (1) Gewürztraminer (9) Grapefruit (1) Grauburgunder (3) Graves (1) Grenache (2) Grundrezept (3) Grüner Veltliner (2) Heidschnucke (2) Herbst (44) herzhaft (22) Hipster (2) Hochbeet (1) Holland (3) Hörncheneisen (1) Hühnersuppe (2) Iris (1) Italien (10) Jahresrückblick (1) jetzt wird's Wild (19) JSDEDBDW (2) Jugend (1) Kamptal (1) Karneval (1) Käse (17) Keller (3) Kindheitserinnerung (11) Klimawandel (1) Kobler (3) Kofler (1) Köln (1) Kork (1) korrespondierende Weine (41) Kuchen (1) Küchenklassiker (55) Küchentechnik (14) Kunst (4) Lachs (1) Lafite (1) Lagrein (1) Lambrusco (1) Lamm (9) Landwirtschaft (1) Le Mirazur (1) Lebensmittelproduktion (4) Lemberger (4) Lichine (1) Limonade (1) Löffelweise (49) Loire (1) Loriot (1) Madiran (1) Mais (2) Mallorca (2) Märchen (6) Margaux (1) Marsanne (1) Mencia (1) Menu (17) Menü (107) Mercurey (1) Merlot (2) Milchkefir (1) mindestens haltbar bis... (22) Mittelrhein (1) Mosel (4) Mourvèdre (2) moussierend (5) Müller-Thurgau (2) Naturwein (1) Neujährchen (3) Neuseeland (2) nichtFischnichtFleisch (96) Niederlande (3) Niederrhein (1) Nikolaus (4) nizza (1) norddeutsch (1) nur so (29) nur so... (74) OBÜP (1) Oma (6) Oper (3) Orange (1) Orange Wine (1) Osterbrunch2012 (9) Ostern (11) Österreich (6) Parker (1) Passito (1) Pasta (46) Pavie (1) Perlhuhn (1) Pfalz (7) Picknick (13) Pinot Grigio (3) Pinot noir (2) Pinotage (2) Plätzchen (3) Playboy (1) Port (2) Portugal (4) Primeur (1) Primitivo (1) Priorat (2) Prosa (1) Prosecco (1) Provence (9) Punk (2) Raclette (1) Rebholz (1) regional (2) Restaurant (5) Reste (7) Retsina (1) Rhabarber (1) Rheingau (5) Rhône (3) Rieslaner (3) Riesling (29) Rind (9) Rindvieh (52) Risotto (2) RoeroArneis (1) rosa (2) Rosé (7) Rotwein (7) Roussanne (1) Roussillon (1) rückwärts garen (1) rund ums Mittelmeer (66) Saar (1) Saft (1) Saison (1) Salat (6) Saucisse de Morteau (1) Sauternes (2) Sauvignon blanc (8) Sauzet (1) scharf (4) Schatz (1) Schuhe (1) Schweinerei (24) Seelentröster (5) Sekt (6) Shiraz (3) Silvaner (2) Silvester (2) Sirup (1) Skrei (1) Sommelier (5) Sommer (59) Sommerküche (86) Sommerpicknick2012 (9) Sommerwein (8) Sonntagsbraten (20) Sorbet (3) Souldfood (1) Spanien (3) Spargel (1) sparkling (2) Spätburgunder (6) St. Emilion (3) St. Estèphe (1) St. Julien (1) St. Peter Ording (1) St.Estèphe (3) Stein (1) Steinlaus (1) Subskription (1) Südfrankreich (1) Südtirol (9) Suppe (8) Süßstoff (85) Süßwein (9) Syrah (5) take 5! (9) Terroir (1) Test (1) Theater (1) Tomate (11) Tomtenhaus (1) Torte (1) Toskana (1) trocken (1) Trollinger (1) Trüffel (3) Tulpen (1) Urlaub (15) vegetarisch (11) vendredisduvin (1) vermouth (1) Vinho Verde (1) Vinocamp (1) Vitamine (2) vom Grill (23) Vorspeise (90) Walch (1) Wanderhühner (1) Weihnachten (11) Weihnachtsmenü (35) Weihnachtsmenü2010 (4) Weihnachtsmenü2011 (7) Weihnachtsmenü2012 (5) Weihnachtsmenü2013 (4) Weihnachtsmenü2014 (5) Weihnachtsmenü2015 (4) Weihnachtsmenü2016 (6) Weihrauch (6) Wein (27) weinfreak (1) Weinmärchen (2) Weinrallye (56) Weißburgunder (2) Weißwein (6) wermut (1) Westerhever (1) Wichteln (3) Wien (2) Wiesn (4) winepunk (1) Winter (46) Winterküche (96) Winzer (2) Wuppertal (1) Würrtemberg (5) Württemberg (11) Zinfandel (2) Zitrone (5) Zukunft (1) zwischen Küste und Alpen (207)