Dienstag, 5. Dezember 2017

Weinreisende unter sich / Praktikantenselektion (III)


Wie ja schon angekündigt, geht heute die kleine Reise weiter ins Remstal, das stellenweise ein landschaftlich reizvolles Kleinod ist. Durch die Nähe zu Stuttgart und den anderen Ballungsraumstädten ist das Tal seit langem ein beliebtes Ausflugsziel und mit einer selbstbewussten Gastronomie versorgt. 

Der Remstäler als solcher ist nicht bekannt dafür, sich in übermäßiger Diplomatie oder gar unterwürfiger Freundlichkeit zu üben. Ein besonderes Exemplar dieser Spezies war der weithin bekannte "Remstalrebell" Helmut Palmer, Politiker und Pomologe, der die Sperrigkeit bis zur Vollendung getrieben hatte. Als Bürgerrechtler war ihm kein Dorf zu klein um als Bürgermeisterkandidat Misstände anzuprangern und als Pomologe pflegte er einen ausgeprägten, ebenso fachlichen, wie (teilweise nicht nur) wortgewaltigen Zwist mit den Landesbaumwarten und den hier maßgeblichen Institutionen. Wodurch sich nicht vermeiden ließ, dass der gute Mann die Gerichtssäle des Landes recht gut kennen lernte. 


Liebes Tagebuch,
meine Weinprobe heute war sehr spannend. 
Ab ca. der Mitte der Probe wurden meine Wein-Erklärungen von kräftigem Gepolter begleitet.
Als ich die Erste Lage vorgestellt habe flog aus dem Haus gegenüber ein großer Fernseher eindrucksvoll durch das geschlossene Fenster und landete auf einem parkenden Auto. Ein sehr ungewöhnlicher Parkrempler.
Während wir das Große Gewächs verkostet haben kam auch schon die Polizei und kurz darauf der Rettungswagen.
Zum Schluss probierten wir die Auslese und das THW kam mit 4 Mann angefahren um im flutlichtbeleuchteten Anhänger eine passende Holzplatte für das gebrochene Fenster anzufertigen.
Nun geh ich ins Bett und freue mich auf morgen! 
Vielleicht wird es ja wieder so ein eindrucksvoller Tag!
Gute Nacht!

Diese versfußfeine, poetische Epistel aus der Feder des Mehrfachtalentes Moritz Haidle weist uns auch schon Weg zum ersten Ziel unserer heutigen virtuellen Reise. Zum Roten Riesen, anzutreffen auf dem Weingut Karl Haidle in Kernen- Stetten.

Ein solider Wert im besten Sinne. Häufig etwas unterschätzt; leider. Aber wer einmal den Orange vom Moritz probiert hat, wird eh das eine oder andere Vorurteil aufgeben müssen. Gilt übrigens auch beim Kerner.

Und um es sich nicht zu einfach zu machen, geht es gleich weiter zum Jochen Beurer. Die Information, dass der mal BMX-Europameister war, kann einerseits die sehr konsequente Hinwendung zum biodynamischen, "antiautoritären" Weinbau erklären und anderseits andeuten, mit welcher Urbanität, Originalität und Virtuosität seine Weine aufwarten. Die Rieslinge sind ein bemerkenswertes Zeugnis Ihrer Böden  und der Sauvignon blanc ist Pflicht für jedes Reverenzpaket dieser Sorte aus Württemberg. Aber so ganz privat schätze ich seine Rotweine, speziell den Spätburgunder, fast noch mehr. Und spätestens, wenn man ihn kennen lernt, wird ist man sicher, dass sein "Rettet die Reben"- Projekt kein Marketing-Gag ist. 

Auf jeden Fall jetzt den Standortvorteil nutzen und "beim Griechen" vorbei; Joanis Malathounis hat auch Mittags auf. Und den sollte man nicht nur nicht (!!!) ausgelassen, sondern hilfsweise gezielt besuchen.




Solchermaßen gestärkt setzen wir nun den kleinen Remstalritt fort,  wohl wissend, dabei auf manche Entdeckung verzichten zu müssen oder diese nur viel zu kurz zu würdigen.

Praktisch gleich um die Ecke, ist das Gut vom Andi Knauß. Wenn ich mich recht erinnere, wurde es vom Manfred Klimek erstmal überregional entdeckt. Aber so zu den ganz bekannten zählt es trotzdem noch nicht. Jedenfalls schätze ich zum Beispiel den Basisriesling sehr für seine kernige Geradlinigkeit. Für meinen persönlichen Geschmack eine Benchmark für Gutsriesling. Die Grau Weisse Reben sind ein Vergnügen. Und die roten Lagenweine sowieso. Quasi Pflichtbesuch, wenn man in der Ecke ist.

Unumgänglich in der Remstäler Weinwelt ist der Name Ellwanger; gleich drei relevante Betriebe sind da zu nennen:

Das Weingut Jürgen Ellwanger trägt den Traubenadler und ist das "E" der "Studiengruppe neues Eichenfass" (HADES). 

Beim Weingut Bernhard Ellwanger sind es eher die äh "Pilzköpfe" von "Junges Schwaben", die insbesondere das innovative Wirken von Sven Ellwanger charakterisieren. Auf das Projekt "Junges Schwaben" werde ich in einer späteren Etappe noch kurz zurückkommen. 

Bei Dorothee Wagner-Ellwanger und Andreas Ellwanger, kurz Doreas deutet  dann das ECOVIN- Label mehr PIWIs an, als tatsächlich auf der Weinliste stehen.


Leider sind mir die Sortimente dieser drei Erzeugern nicht umfassend geläufig; das was ich davon kenne, ist aber ein deutlicher Hinweis, dass diese Lücke geschlossen gehört.

Apropos Lücke, es ist mir ein Rätsel, warum das Weingut Medinger so sehr unterhalb der allgemeinen Wahrnehmung bleibt. Blitzsaubere, spannende, gut strukturierte und durchaus vielschichtige Weine, die erfreulich budgetschonend zu erhalten sind. 

Wenn ich von "ehrlichen Weinen" lese, frage ich mich gerne, ob die "ehrlich sauer" oder "ehrlich versteuert" oder ganz ehrlich echt Dings sind.

Aber auch wenn ehrlich im Zusammenhang mit Weinlyrik nicht so meine liebste Lieblingsformulierung ist, will sie mir, wenn ich den Achim Stilz, vom Bioland Weingut Im Habenbüchle sehe, nicht recht aus dem Kopf gehen. So ein angenehmer Mensch und aber auch gar kein Verkäufer. Dabei sind seine PIWIs richtig spannende, vorzugsweise Weine, die wirklich nicht zu jung getrunken werden sollten. 

Die Rotweine vom Albrecht Schwegler würde ich tendenziell auch eher zu den Langläufern rechnen. Selbst ""D´r Oifache" ist kein Wein, der schnell weg muss. Die Schweglers haben vermutlich das kleinste Sortiment, der heutigen Etappe, sehr vergnüglich ist es gleichwohl. Und ein schöner Schlusspunkt für heute.

Weil jetzt ist es an der Zeit, sich der rosa gebratenen Kalbslende mit Meerrettichschaum und roter Bete 😍zuzuwenden, für die ich sehr gerne etwas aus dem Keller hole. Die Chefin Süd hatte ja hier und hier etwas zu einem vorgestellten Wein gekocht; jetzt hat sie das Essen vorgeben und ich musste einen Wein dazu besorgen.

Fündig wurde ich da schon ganz am Anfang der heutigen Tour. Der Chardonnay "R" von den Haidles passt da schon sehr gut. Macht aber auch solo großen Spaß.

Gute Struktur und nicht wenig Volumen,, was mir hier wichtig erscheint. Ziemlich trocken, die Frucht drängt sich nicht in den Vordergrund, lässt sich aber auch von den kräftigen Aromen des Essens nicht nur nicht unterbuttern, sondern begleitet diese aufs angenehmste.

Der Wein wird wohl genauso zu schnell leer sein, wie das Essen eigentlich nur viel zu wenig sein kann.


An dieser Stelle wird die kleine Reise erst mal bis Januar unterbrochen. 

Dafür kann man sich auf feines FF (Fingerfood) für die Feiertage und vor allem die Silvesterparty freuen. 

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