Donnerstag, 29. Dezember 2016

Zeit für Gemütlichkeitsessen


Winter, Weihnachten, Silvester! Das saisonale Dreigestirn der kulinarischen Völlerei. 

Obwohl das möglicherweise etwas abfällig klingen mag, ist es wahrlich nicht so gemeint. Nein, wenn nach der Völlerei irgendwann mal eine Entlastung für Magen, Leber und alle anderen am Verdauungsprozess beteiligten Organe und Systeme in Aussicht gestellt wird, dann darf das ruhig auch mal für einen überschaubaren Zeitraum so sein, schließlich schmeckt es doch soooo gut.
Wer mir trotzdem nicht glaubt oder die Formulierung sogar übel nimmt- immerhin ist "Völlerei" die 5. der sieben Todsünden- für den versuche ich es mit einer hoffentlich versöhnenden Umbenennung und benenne um in "das saisonale Dreigestirn der opulenten Verspeisung kalorienhaltiger Nahrung weit über den Energieumsatz des Körpers hinaus" ;-)

Aber eigentlich wollte ich soweit gar nicht abschweifen, hab ich mich doch wieder mal zu sehr ablenken lassen.
Also, zurück zur Saison. Neben Gans, Ente und Kartoffelsalat mit Würstchen, stehen derzeit besonders auch solche Mahlzeiten auf dem Speiseplan, bei denen man so richtig schön gemütlich zusammen am Tisch sitzt, klönt, isst, Wein trinkt, isst, lacht, isst und zwischendurch noch ein bisschen isst, weil alles so schön vorbereitet und vorportioniert auf dem Tisch verteilt ist. 
Gemeint sind natürlich Fondue- und Raclettabende im Kreis der Familie, Freunden oder auch einfach mal nur zu zweit.
Jaja, ich seh es doch! Ein Drittel der Leserschaft verdreht grad massiv die Augen, dass nur noch das Weiße zu sehen ist, ein weiteres Drittel ist schon halb abgewandt während das letzte Drittel Beifall klatschend jubiliert. Och bitte bleibt doch, alle! Ist doch grad Weihnachten (gewesen)! Ich möchte hier und heute versuchen, ein bisschen zu vermitteln und habe mir dafür "Raclette" als eine Variante der Gemütlichkeitsessen herausgesucht.

Und schon wieder drehen die ersten Leser, die sonst so toleranten und ruhigen Schweizer, dem Bildschirm den Rücken zu. Ich weiß ja, dass unser (nord)deutsches Raclette ganz anders funktioniert als euer traditionelles, bei dem ein dicker Laib Käse eingespannt und analog einem Gyrosspieß, jedoch ohne Rotation so lange von einer Seite erwärmt wird, bis der Käse weich und abschabbar ist. Ich kann ja auch nichts dafür und hab auch keine Erklärung parat, warum nun gerade die Raclette-Grills mit Pfännchen und Grillplatte in den 1980er Jahren die deutschen Haushalte erobert haben. Hätten wir damals schon gewusst, WIE ein Raclette eigentlich richtig funktioniert, wir hätten den neuen Trend bestimmt… umbenannt. Vielleicht in Auflauf-Gerät oder Brat- und-Überback-Tischgrill, (=BÜT). Wäre das angenehmer?
Dann schreibe ich in diesem Artikel nur noch vom BÜT (=Raclette-Gerät, für alle anderen J).


Gut, denn ich habe so kurz vor Silvester für alle, die noch nach ein paar Anregungen für den Feiertagsklassiker suchen, eine kleine Auswahl zusammengestellt: 


1. klassisches Raclette im BÜT

Bei dieser Variante werden die Schweizer hoffentlich zustimmend und wohlwollend nicken, so dass auch ihnen schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft. Man nehme:

Schweizer Raclettekäse in Scheiben und mit Rinde(!)
kleine, heiße Pellkartoffeln
Silberzwiebelchen

eingelegte Gurken, ggf. in Stücke geschnitten
Die Käsescheiben werden übereinander in ein Pfännchen gelegt und unterm Grill so lange aufgeheizt, bis der Käse flüssig und von oben ganz leicht gebräunt ist Dazu gibt es Kartoffeln, Silberzwiebelchen und Gürkchen, sonst nichts.

An dieser Stelle möchte ich mich nun von den eingefleischten Original-Raclette-Essern verabschieden, danke, dass ihr so lange geblieben seid, aber was jetzt kommt, ist nichts für eure Nerven. Für alle anderen geht es im Hüttenflair weiter:

2. Rösti-Raclette im BÜT

Ich mag Rösti lieber aus rohen anstatt aus gekochten Kartoffeln (die Eidgenossen sind ja auch schon gegangen ;-)). Diese werden der Einfachheit halber im Vorwege zubereitet, erkaltete in die Pfännchen (oder vorher kurz auf die Grillplatte) gegeben, belegt und mit Käse überbacken.

Hierzu geschälte Kartoffeln mittelgrob reiben, ausdrücken und die Flüssigkeit in einer Schüssel auffangen, ca, 10 Minuten stehen, bis sich die Stärke abgesetzt hat. Wasser vorsichtig abgießen und die Kartoffelraspel mit der Stärke vermengen, etwas salzen. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Kartoffelmasse mit einem Esslöffel portionsweise in die Pfanne geben, Häufchen flach drücken, von beiden Seiten goldbraun braten. Auf einem Küchenpapier abkühlen lassen und bis zum Raclette-Essen beiseite stellen.

Jeweils ein Rösti in eine Raclette-Pfanne legen und je nach gewählter Variante die Zutaten nicht zu dick auf den Rösti verteilen. Zum Schluss den Käse darauf geben und im Gerät überbacken.

Bezüglich des Belages sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, hier meine Favoriten:
Speck- und Ziebelwürfel angedünstet, Bergkäse
Champignons, Zwiebelwürfel angedünstet, Crème fraîche, Raclettkäse
Spinat, Tomaten, Zwiebeln, Schafskäse
Räucherlachs, Crème fraiche, Reibekäse
Birnenstücke, Preisselbeeren, Camembert

3. Lasagne-Raclette im BÜT

Diese Variante erhebt keinen Anspruch auf Ursprünglichkeit in Bezug auf den Namen, natürlich bereite ich eine klassische Lasagne anders zu, aber schließlich sollen bei diesem geselligen Essen auch die Fans des Italiens um die Ecke auf ihre Kosten kommen 

Hierfür werden Lasagneblätter in Salzwasser gekocht und auf Pfännchengröße geschnitten. Wichtig: Bis zur Verwendung am Tisch, die Nudeln mit Olivenöl bestrichen auf einen Teller geben, sonst gibt es einen dicken Pastaklumpen und man bekommt die Blätter nicht mehr auseinander.
Ein Nudelblatt wird nun in eine Pfännchen gelegt. Für die Füllung verwende ich gern nicht zu flüssige Hack-Tomaten-Sauce nach Bolognese-Art. Dazu kommen Tomatenwürfel, Spinat und Crème fraîche, werden mit einem Nudelblatt abgedeckt und mit Mozzarella und/oder geriebenem Käse belegt und überbacken.
Weitere leckere Füllungen sind in Anlehnung an Lasagne-Varianten geräucherter Lachs und Blattspinat oder Champignons, Crème fraîche und ein paar Speckwürfelchen.

4. Crostini-Raclette im BÜT


Warum das Brot immer nur mit Kräuterbutter dazu essen? Nicht zu dick geschnitten kann man es zunächst auf der Platte anrösten, anschließend in ein Pfännchen geben, belegen und backen. Mein Favoritenbelag besteht aus Tomaten-, Avocado- und Fetawürfeln.






5. Raclette "Hot-Dog"-Style im BÜT

Für Fans des dänischen Fast-Foods einfach ein paar klein geschnittene Würstchen, angeschwitzte Zwiebelwürfel, in Stücke geschnittene Gürkchen, Ketchup und Senf in ein Pfännchen geben und alles mit Raclettekäse überbacken. Gar nicht mal so übel :-)



Kommentare:

  1. Wieso hat hier denn noch keiner einen Kommentar abgegeben? Bin ich denn die Einzige, die bis zum Ende durchgehalten hat?
    Ich finde, Du hast Dir richtig Mühe gegeben - die Fromulierung "Opulente Verspeisung kalorienhaltiger Nahrung weit über den Energieumsatz des Körpers hinaus" werde ich auf jeden Fall auswendig lernen! Und dann noch so viel BÜT - ich kann mich gar nicht entscheiden.
    Aber zum Glück kommen unsere Freunde auch erst nächstes Jahr zum Raclette zu uns!

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    1. Schön zu wissen, dass zumindest eine Person bis zum Ende durchgehalten und sich nicht vorher erschüttert abgewendet hat ;-). Mein Dank sei dir gewiss. Ich wünsche viel Spaß und Genuss beim kommenden Raclette-Abend.

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  2. Nein, ich habe mich nicht abgewendet ;), denn ich mag das klassische Pfännchen-Raclette nicht besonders, weshalb ich mir oft aus den Kartoffeln auf dem heißen Stein erst mal Bratkartoffeln brate.
    Die Crostini-Variante werde ich unbedingt das nächste Mal aufgreifen, wie ich schon sage, die Kartoffeln...
    Raclette gab es bei uns schon, traditionell am heiligen Abend, die Töchter bestehen drauf. Sehr praktisch, da eine Vegi ist. Ich habe immer verschiedene blanchierte Gemüse dazu, die carnivoren Schwiegerfreunde können sich ein bisschen Huhn, Filet oder Garnelen braten. Ich mag´s gern so, weil es mit Gemüse etwas leichter ist.
    Einen guten Rutsch wünsche ich
    Ulrike

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