Donnerstag, 20. Oktober 2016

Seelentröster



Wenn wir traurig sind und der Kummer sich tief in unsere Seele eingenistet hat, dann wird es höchste Zeit für einen oder mehrere Seelentröster. Und zwar solche, die unsere Seele nicht einfach nur baumeln lassen, sondern sie mit Streicheleinheiten, lieben Worten und Umarmungen vom Grund des Sees der Traurigkeit herausziehen und der hellen, bunten Oberfläche entgegen bringen.
Ob bei besagten Streicheleinheiten nun die beste Wirkung erzielt wird durch behutsame Bewegung mit der flachen Hand oder durch sanftes Kraulen mit den Fingerspitzen oder –nägeln auf Rücken, Innenarm oder Wade oder einfach nur durch unbewegtes Auflegen der ganzen Hand, so dass die Wärme der Handfläche die entsprechende Körperstelle durchströmen kann, bleibt dem individuellen Bedürfnis vorbehalten.
Und genauso individuell kann auch der Trostspender für die geplagte Seele aussehen: lange Spaziergänge, meditatives Yoga, erschöpfendes Laufen im Wald, am Meer sitzen und die Brandung hören und riechen, den Garten "umpflügen", alleine ganz für und bei sich sein oder lieber in Geselschaft von lieben Menschen aus Familie oder Freundeskreis, ein Buch lesen, ein Bild malen, Power-Shopping oder Motorradausflug durch die Berge oderoderoder. So unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Dinge, die uns aus dem tiefsten Tief herausholen mögen.

Einer der Seelentröster, die bei mir funktionieren, ist ein Spaziergang bei nicht zu heißem, jedoch sonnigem Wetter, bei dem ich mit meiner Kamera bewaffnet versuche, einige Eindrücke einzufangen und meiner Stimmung ein Bild zu geben. Manchmal passiert es mir dabei, dass die Bilder zunächst noch etwas trüb und nach und nach immer unbeschwerter scheinen.
Aus bekannten Gründen war der Einsatz von Seelentröstern in letzter Zeit bitter nötig und so habe ich mir kürzlich Herrn Suse UND die Nikon geschnappt und bin mit beiden ins Pietzmoor bei Schneverdingen gefahren, nur eine gute halbe Autostunde von uns entfernt. Das Wetter war hierfür nahezu perfekt. Kühle Herbstluft, die den Kopf frei macht sowie immer wieder sich zwischen den Wolken durchsetzende Sonne, deren Licht, Energie und Wärme Körper und Sinne wohlig durchström und aufhellt.

Wie schön es dort im Pietzmoor, dem größten zusammenhängenden Hochmoor Niedersachsens ist, können meine Bilder gar nicht zeigen, lassen es aber vielleicht ein wenig erahnen:



 Neben seelentröstenden Tätigkeiten gibt es natürlich noch das Seelentrösteressen, dessen sich wohl jeder schon mehr als einmal bedient hat. Ganz weit oben stehen da Lebensmittel wie Schokolade oder Eis. Aber auch viele andere, auch herzhafte Gerichte haben absolutes Trösterpotential, sie haben gute Chancen, wenn sie cremig, saftig, schmelzig, geschmacklich ausgewogen und niemalsnicht kalorienarm sind.


Für mich war das kürzlich eine herrliche Moussaka. Der besondere, sich nicht sofort erschließende Vorteil bei diesem etwas zeitaufwändigen Gericht ist tatsächlich die monotone Schnibbelei und Vorarbeit. Ja, genau, Vorteil, denn durch die meditative, entspannende und ablenkende Wirkung dieser Tätigkeiten, stehen die Chance sehr gut, dabei den Kopf von seinen im Kreis drehenden Gedanken zu erlösen und frei zu bekommen. Für eine gewisse Zeit kann ich dabei alles um mich herum vergessen und fokussier mich nur auf die Arbeit und das Gericht, ohne, dass der Anspruch an meine grauen Zellen zu hoch ist.
Wusstet Ihr, dass das Formen von Tortellini für 10 Personen oder Zerschnibbeln eines zweieinhalb Kilo schweren Kürbisses in halbzentimeter große Würfel mindestens dieselbe Wirkung wie autogenes Training haben kann? (Meistens zumindest und insbesondere dann, wenn jemand anderes danach die Küche aufräumt und säubert)

Nun, Moussaka-Rezepte gibt es zu Hauf. Welche nur mit Zucchini, nur mit Auberginen, ohne Béchamel, ohne Kartoffeln, ohne Käse und sogar ohne Fleisch. Für den oben erläuterten Effekt und weil ich auch noch einiges aus eigener Ernte und Vorrat verarbeiten wollte, habe ich versucht, so viel wie geschmacklich möglich war in der Moussaka unterzubringen ohne das Gericht zu überladen. Die Zubereitung verfehlte sowohl kulinarisch als auch therapeutisch nicht ihre Wirkung.

Moussaka „mit alles“
(4-6 Personen)

Für die Béchamel:
500 ml Milch
30 g Mehl
30 g Butter
Salz, Pfeffer, Muskat

Je ein paar Zweige Thymian, Rosmarin und Salbei

500 g nicht zu kleine, festkochende Kartoffeln
500 g Zucchini, nicht zu dicke Exemplare
400g Auberginen
500 g Tomate
2 mittelgroße Zwiebeln
3 Knoblauchzehen
500 g Rinderhack
200 g sehr reife Kirschtomaten, alternativ Tomaten aus der Dose
Olivenöl
Salz, Pfeffer

Topping:
3 Eier
100 g Schafskäse
Hartkäse (bei mir war es mein geliebter Nordseekäse, Parmesan geht ebenfalls sehr gut)


Für die Béchamel die Butter in einem Topf schmelzen und aufschäumen, aber nicht braun werden lassen. Mehl mit dem Schneebesen einrühren und etwas anschwitzen lassen. Milch angießen, unter Rühren vorsichtig aufkochen und anschließend ca. 14 min sanft köcheln lassen, immer mal umrühren, damit nichts ansetzt. Würzen und bis zur weiteren Verarbeitung abkühlen lassen.

Die Kräuter abspülen, Blätter von den Stielen zupfen und getrennt fein hacken. Es sollte jeweils ein guter Teelöffel zusammenkommen.

Eine ausreichend große Auflaufform einfetten, Ofen auf 200°C vorheizen.
Kartoffeln schälen, in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden. Hilfreich, weil exakt und schnell, ist bei dieser Arbeit eine Aufschnittmaschine. Die Scheiben in kochendem Salzwasser knapp 10 Minuten vorgaren, abgießen und dachziegelartig auf dem Boden der Form verteilen. Vorsichtig salzen, pfeffern und mit etwas Rosmarin bestreuen.

Zwiebeln und Knoblauch pellen, Zwiebeln fein würfeln. Von den Kirschtomaten die Haut abziehen und die Tomaten vierteln (alternativ die Dosentomaten in Stücke schneiden). Öl in einer Pfanne erhitzen, Zwiebeln darin glasig dünsten, in eine Schüssel geben und in derselben Pfanne das Hack krümelig anbraten. Knoblauch dazu pressen, salzen. Die Tomaten und von allen drei Kräutern etwas zugeben, 10-15 Minuten schmoren lassen. Abschmecken und auf den Kartoffeln in der Auflaufform verteilen.

Von den Zucchini und Auberginen die Stielansätze abschneiden und das Gemüse in ca. 3 mm dicke Scheiben schneiden. Auberginen mit Salz bestreuen und ca. 20 Minuten stehen lassen, anschließen mit Küchenkrepp abtupfen.
Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, alle Gemüsescheiben nacheinander anbraten und auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen. Zuerst die Zucchini auf dem Hackfleisch verteilen, wenig salzen und mit dem restlichen Thymian bestreuen. Anschließen die abgetupften Auberginen darauf verteilen und mit dem restlichen Rosmarin bestreuen.

Tomaten mit einem scharfen Messer kreuzweise dünn einritzen, mit kochendem Wasser übergießen und wenige Minuten stehen lassen. Anschließend die Tomaten häuten, in Scheiben schneiden und auf den Auberginen verteilen. Leicht salzen und mit dem restlichen Salbei bestreuen.

Schafskäse fein würfeln, Eier mit dem Schneebesen unter die abgekühlte Béchamel rühren, Käse unterheben, Soße nochmal abschmecken und auf den Tomaten verteilen. Hartkäse direkt auf die Moussaka reiben und die Auflaufform in die mittlere Schiene des Ofens schieben und ca. 40 Minuten garen. Gegebenenfalls am Schluss die Grillfunktion anschalten, damit der Käse goldbraun wird.

Wer direkt vorm Essen nicht so viel Zeit hat, kann die Moussaka ein paar Stunden vorher komplett vorbereiten und später im Ofen garen.

Kommentare:

  1. Wunderschöne Hochmoorbilder und Moussaka haben auf den ersten Blick nicht unbedingt war gemeinsam, beim genaueren Hinsehen aber doch. Und die meditative Wirkung von akribischem Küchenhandwerk ist klinisch bewiesen ;-)

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    1. Steht nicht sogar alles im Leben irgendwie in einem Zusammenhang?

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  2. Ich habe heute eineinhalb Hokkaidos zu Suppe verarbeitet, inkl. des dazu notwendigen Kleinschneidens. Meditativ war eigentlich daran nur das Abschmecken und das Essen danach.

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    1. Aber wenn es doch klinisch erwiesen ist (siehe Elines Kommentar? ;-)
      Wobei ich zugeben muss, dass so ein Kürbis unverhältnismäßig viel Kraftaufwand zum Zerkleinern benötigt. Versuch es doch sonst nochmal mit 25 Zucchini und berichte uns von deinen Erfahrungen :-)

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    2. Ein grosses,scharfes Messer (chinesisch a la Chai Dao) und der Hokkaido zerfällt fast von alleine ;-)

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  3. Dieser Eintrag hat wirklich was Tröstliches, ich hoffe es hat dir geholfen! Wunderschönes Moor, ich liebe diese Landschaft.

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