Mittwoch, 4. Mai 2016

Rhabarer-Rhabarber-Rhabarber

Heute erzähle ich Euch mal was ganz tiiiiief aus dem meinem Nähkästchen.

Als ich noch jung und unbelastet war und dachte, ich forder das Jahrhundert in die Schranken, wollte ich Schauspielerin werden. Ganz ernsthaft. Und bereitete mich intensiv auf die Aufnahmeprüfung an Deutschlands renommiertesten Schauspielschulen vor. Also auf alle, nach dem Motto: Eine wird mich schon nehmen. So denken alle. Man sieht dann beim Vorsprechen auch immer dieselben Gesichter.

Das ist bei allen dasselbe, man muss ein paar Rollen vorspielen. Bei mir kamen da eher die gestandenen, handfesten Charaktere infrage, beispielsweise die Johanna (kann ich heute noch im Tiefschlaf)

 ... Geh hin! Du sollst auf Erden für mich zeugen.
In raues Erz sollt du die Glieder schnüren,
Mit Stahl bedecken deine zarte Brust,
Nicht Männerliebe darf dein Herz berühren
Mit sünd’gen Flammen eitler Erdenlust ...

oder die Lady Macbeth. Und beim Lear hätte man mit mir wohl eher die Goneril oder die Regan besetzt und die nicht die liebreizende, edle Cordelia. Das Ätherische, jugendlich Naive war nicht so mein Fach. Julia, Ophelia, Gretchen - das war bin nicht ich.

To make a long story short. Mehr als ein müdes Abwinken der damaligen Prüfungskomissionen habe ich nicht erreicht (was ich den Herrschaften im Nachhinein noch nicht einmal übel nehmen kann).

Was das mit Rhabarber zu tun hat? Kennt doch jeder, wenn man als Statist am örtlichen Stadttheater im Hintergrund Gespräche zu murmeln hatte, was murmelte man da so vor sich hin? Rhabarberrhabarberrhabarber... Wenn man einen Texthänger hatte (natürlich nur in der Probe .....), womit überbrückte man schnell drohende Stille? Rhabarberrhabarberrhabarber...  Im Nachhinein will mir scheinen, mein halbes Leben bestand aus Rhabarberrhabarberrhabarber.., weil ich ständig irgendetwas auswendig zu lernen hatte und deswegen auch ständig irgendwo hängen blieb.

Letztendlich hab ich dann "was Ordentliches studiert." Sehr zur Freude meiner Eltern.

hängt auch
Zum Rhabarber: Die Gartenfrucht bzw. das Gemüse (jawohl, Rhabarber zählt zum Gemüse) war eigentlich nicht so sonderlich beliebt. So sauer und wenn man reinbiss, hinterließ er immer so ein seltsames Gefühl an den Zähnen.

Nun habe ich aber vor einigen Jahren in einem Anflug von Übermut Rhabarber in den Garten gesetzt. Sehr zur Freude meiner Nachbarin, die mag den sehr und ich kann ihn gegen Salat und Gurken tauschen.

Aber heute hat's mich überkommen. Wenn ich schon Rhabarber im Garten habe, dann soll der bitte auch zu etwas gut sein. Zum Beispiel für Rhabarbersirup! Mit dem kann man geschenkten Sekt zu einem kleinen Cocktail mischen! Noch'n Zitronenschnitz rein, fertig ist das sommerliche Getränk. Oder mit kaltem Sprudel als Schorle trinken.

Oder man gibt den Sirup pur auf Vanillepudding, so wie früher. Man kann den Sirup auch unter gefrorene Vanilleeismasse geben, dann bekommt man ein leckeres Rhabarbereis. In diesem Fall für die Eismasse nur die halbe Menge Zucker nehmen. Oder, oder ... es fallen Euch sicher noch viele andere Verwendungen ein.

So ein Sirup ist schnell gemacht. Man nehme für



Rhabarbersirup (1 Liter)



ca. 500 gr. Rhabarber
1 Liter Wasser (Faustregel, doppelt soviel Wasser wie Rhabarber)
1 kg. Zucker
1 Biozitrone
1 Prise Salz
50 ml Orangenblüten- oder Rosenwasser

Letzteres ist optional, gibt dem Sirup aber eine feine zusätzliche Note.

Den Rhabarber putzen und in kleine Stücke schneiden. Mit dem Wasser und dem Abrieb der Zitrone, sowie zwei Zitronenscheiben etwa 20 Minuten kochen. Abkühlen lassen und noch etwa eine Stunde ziehen lassen. Sodann den Rhabarber auf ein Sieb geben und die Flüssigkeit auffangen. Die Flüssigkeit wieder in den (inzwischen gespülten) Topf zurückgeben, den Zucker zugeben, die restliche Zitrone auspressen, den Saft, Salz sowie das Orangenblüten- oder Rosenwasser zur Flüssigkeit geben und alles gut 10 Minuten sprudelnd kochen lassen.

Da muss man daneben stehen bleiben und ggf. regulierend einzugreifen, denn das droht schnell überzukochen und das ergibt eine ordentlich klebrige Sauerei auf dem Herd. Ich weiß, wovon ich schreibe.

Flaschen ordentlich säubern und mit heißem Wasser ausspülen.

Sirup abkühlen lassen und dann mittels eines Trichters einfühlen. Auch hier sauber und sorgfältig arbeiten, damit nichts daneben läuft, sonst - siehe oben.

Achtung! Der Sirup ist ordentlich süß und eignet sich nicht zum pur trinken (obwohl, ich kenne Süßmäuler, die würden den auf ex leeren). Das optimale Mischungsverhältnis ist 1 Viertel Sirup 3 Viertel Wasser, Sprudel, Sekt ....

Nach diesem Grundrezept lässt sich auch aus anderen Früchten Sirup herstellen, es empfehlen sich: Erdbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Holunder, Pfirsich etc. (je saftiger, desto besser).

















Kommentare:

  1. wirklich süß

    Übrigens habe ich heute Vanillepudding gemacht und statt des Zuckers den Sirup dazu gegeben. Sehr leckerer Rhabarberpudding. Prima mit ein paar frischen Erdbeeren (leider war nur Treibhausware erhältlich).

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  2. Ich liiiebe Rhabarber:-) Der Sirup ist mal was neues!
    Beste Grüße aus dem Designhotel Südtirol.

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