Donnerstag, 5. November 2015

Rippenbratenritual


November. Er ist DER am wenigsten gemochte Monat. Das Wetter wird grau, neblig, nass und kalt und erinnert uns daran, dass wir frühestens in 5 Monaten auf ansteigende Temperaturen hoffen dürfen. Eine lange Durststrecke liegt vor uns und da nützt es auch nicht, dass jetzt die "gemütliche Kerzenzeit" beginnt und wir die freie Zeit mit "Kuscheldecke, Tee und Buch"  im wohlig warmen Wohnzimmer bei Kachelofenwärme verbringen. Meist rette ich mich noch über die lichterfüllte Weihnachtszeit, aber dann ist Essig.
Einziges Trostpflaster wäre vielleicht, dass die Arbeit im Garten weniger wird, denn außer dem Stutzen der trockenen Staudenreste und dem Zusammenharken von Laub steht die nächsten Monate nicht wirklich etwas an.

Nach dem Motto "Frau ist schlau" habe ich entsprechend vorgesorgt und mich mit leckersten Teesorten und einem Stapel Bücher eingedeckt. Ja, und was macht der November, der alte Scchwerenöter? Er schert sich einen Sch... um seine sonstigen Gewohnheiten, verbündet sich mit dem Klimawandel und holt den Indian Summer zum Monatsanfang direkt in die Lüneburger Heide (und vermutlich noch in weitere Teile der Republik).
Da hat der November aber Glück, dass ich so flexibel bin. Hat er wirklich, denn wäre ich das nicht, hätte er schon ne gehörige Standpauke mit Ohrensausen und allem was dazu gehört von mir bekommen. Flexibel und gutmütig bin ich. Und gegen Gewalt, auch verbale.
Ich nutze lieber das zugegebenermaßen traumhafte Wetter, schnappe meine Kamera und mache mich auf in ein örtliches Wäldchen, das "Klosterholz". Ich hätte auch die "Schwarze Heide", das Gebiet am "Bienenzaun" oder den "Süsing" wählen können, aber dort hätte mich nicht diese wundervolle Stimmung und Farbenpracht empfangen, denn im Gegensatz zu diesen besteht das "Klosterholz" zu einem erheblichen Teil aus Buchen. Aufgrund der milden Witterung haben die Bäume noch einen recht beachtlichen Teil ihres Blattkleides behalten und strahlen in der Sonne des frühen Nachmittages um die Wette. Hier und da segeln vereinzelte Blätter gemächlich zu Boden und bedecken selbigen allmählich mit einem bräunlich-roten Teppich.

Auch wenn ein Spaziergang in der Sonne meinen kälteempfindlichen Ohren und Fingern sicher besser zu pass käme, wiegt die Pracht, die meine Augen zu sehen bekommen das ganze wieder auf.



Allerdings, und jetzt kommt doch der Novemberhaken, kann das nicht mehr lange so andauern. Die Wettervorhersagen versprechen zwar noch herbstliche Temperaturen, aber allmählich  sollen Wolken und Regen im Norden Einzug halten. Sei's drum, ich bin schließlich präpariert. Und wenn ich meine Bücher ein paar Tage später zu lesen beginne, ist es auch Wurscht. Ich hab ja noch genung Zeit dazu.

Und wenn es kälter und ungemütlicher wird, dann wächst auch der Appetit auf wärmende Mahlzeiten mit Wohlfühlfaktor. Und ein bisschen was auf die Rippen darf es dann auch sein, möglicherweise profitieren meine Hände und Ohren ja auch davon. Apropos Rippen, das ist mal ein gutes Stichwort, denn ein passendes Gericht ist für mich ein saftiger, gefüllter Rippenbraten wie ihn meine Schwiegermutter gern machte, wenn sie uns alle zusammen zum Sonntagsbraten kommen ließ. Meine Schwiegermutter lebt leider nicht mehr, aber zu ihren Ehren und für unsere Erinnerung soll das "Rippenbratenritual" weiter geführt werden. Das Rezept meiner Schwiegermutter kenne ich leider nicht. Sie hat stets Schweinebauch verwendet und diesen mit Äpfeln und Rosinen gefüllt. Ich habe mich einmal daran versucht und war mit dem Ergebnis recht zufrieden. Wer also noch schmackhafte Rezepte für die kalte Jahreszeit sucht, dem kann ich mit gutem Gewissen das folgende empfehlen:

Gefüllter Rippenbraten

Um ein Stück Fleisch zu füllen, sollte es schon eine entsprechende Größe besitzen. Deswegen würde ich den Braten mindestens für 4 Personen machen, auf die sich auch meine Mengenangaben beziehen. Ich gare den Braten im Kombidämpfer. Da dieses Gerät nicht in allen Haushalten vertreten ist, ist im Text eine alternative Methode beschrieben.

1,5-2 kg Schweinebauch am Stück mit Knochen und Schwarte (Taschen eingeschnitten und Schwarte eingeritzt)
3-4 Äpfel je nach Größe
1-2 Handvoll Rosinen
Butterschmalz
1/2 kleine Stange Lauch
1 Karotte
1 kleines Stück Sellerie
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1-2 Lorbeerblätter
100 ml Weißwein (nach Belieben)
0,33l Pils
2 Tomaten, gewürfelt
Salz

Fleisch von innen und außen salzen. Äpfel schälen, entkernen, vierteln und die Viertel quer in Scheiben schneiden, mit den Rosinen mischen und den Braten ordentlich stramm damit füllen. Wer gute handarbeitliche  Fähigkeiten besitzt, der näht die Öffnung mit Küchengarn zu, ich habe sie mit diversen Holzspießen verschlossen. Lauch, Karotte, Sellerie und Zwiebel putzen und mittelfein würfeln. Knoblauchzehe andrücken
Fleisch rundherum (außer auf der Schwartenseite) in heißem Butterschmalz anbraten, herausnehmen. Gemüse (ohne Tomaten) in demselben Topf anschwitten, mit dem Wein ablöschen, reduzieren lassen. Bier angießen, Lorbeerblätter und Knoblauchzehe zugeben und aufkochen. Fleisch mit der Schwarte nach oben auf das Gemüse setzten, Tomaten verteilen und insgesamt 2 Stunden im Kombidampf garen (1 Stunde bei 130°C und eine weitere Stunde bei 150°C). Anschließend Sud und Gemüse durch ein Sieb in einen Topf gießen. Der Fond ist recht kräftig und kann mit Brühe oder Wasser verlängert werden. Anschließend mit Mehlbutter oder Mehl-Wasser-Mischung abbinden.
In der Zwischenzeit den Braten zurück in den Ofen schieben, Temperatur auf 220-250°C hochdrehen und die Kruste aufpoppen lassen.

Beim Garen im herkömmlichen Backofen sollte das Fleisch mit der Schwarte ca. 2 Stunde in kaltem Wasser einweichen, es darf nur die Schwarte im Wasser liegen! Das sorgt dafür, dass sie später schön luftig aufpoppt.






Wir essen klassisch grüne Bohnen und Kartoffeln und manchmal Klöße dazu. Genauso passen als Gemüse auch Rosenkohl und Rotkohl.



Kommentare:

  1. oh -wie schön ist dein Herbst -die Lüneburger Heide sieht ja gar nicht so anders aus als unser bayrischer Herbst. Ich habe mich in deinen Lichtbildern richtig gesuhlt, wie ein Schweinebraten..

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    1. So langsam wird es ungemütlich hier "oben". Was bleibt ist der Rippenbraten.

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  2. Wenngleich ich auch den Frühling am meisten liebe, machst du mir mit deinen schönen Fotos doch den Herbst sehr schmackhaft. Zu letzterem trägt obendrein auch noch dein leckerer Braten bei.

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    1. Ja, des Herbstes Ende kündigt leider keine Besserung an, ganz im Gegensatz zum Frühling. Allerdings kann ich allen Jahreszeiten etwas abgewinnen und wenn es eben gemütliche Nachmittage auf dem Sofa sind.

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  3. Es ist so still hier?

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