Freitag, 25. September 2015

Weinrallye #90 - Auxerrois oder was?



Letzter Freitag im Monat: S'ist Weinrallye.

Ja, ja, heuer ist auch Wiesn. Da wird sicher noch was kommen. Ich kenn doch unser Münchner Kindl.

Das Gute an unserem Standort am Niederrhein ist, dass wir in kürzester Zeit ein paar wirklich schöne Erholungsgebiete erreichen, die Eifel zum Beispiel, oder die Weinbaugebiete in Rheinland-Pfalz, als da wären Ahr, Rheinhessen, Mittelrhein, Rheingau, Mosel und Nahe. Oder eben Belgien. Und Holland. Da waren wir vor 14 Tagen zu einem kleinen Erholungsurlaub.

Aber susa, höre ich schon allenthalben murmeln, Du fährst doch eigentlich am liebsten in Weinbaugebiete, vor allem im Herbst.

Hier entsteht "Château Cordula" ´vins pied à l'eau  ;-))
Nun, wundert Euch nicht, Holland wird uns nicht nur im Dressurreiten sondern irgendwann bestimmt auch noch im Weinbau den Rang ablaufen. Stichwort: Klimawandel.

Also muss ich der aufstrebenden Weinbaunation auch hin und wieder einen Besuch abstatten. In ein paar Jahren wird meine Freundin Cordula übrigens ihre erste Ernte einfahren, zwischen Nordsee und Ijsselmeer.

Und an der Nordsee ist es sowieso wunderschön.

Die besten holländischen Weine habe ich allerdings bei uns im grenznahen Gebiet gefunden, in Brabant (das kragt auch schon nach Belgien rein) und Limburg. Wobei das mit den besten natürlich irgendwie relativ ist. Aber warten wir mal ab. Weißweine, insbesondere Grau- und Weißburgunder, Müller-Thurgau, und sogar – Rheingauer und Moselaner, ihr müsst jetzt ganz ganz stark sein – Riesling fühlen sich hier pudelwohl.

Der Weinbau in Limburg hat übrigens durchaus Tradition, bereits die Römer pflanzten die ersten Rebstöcke entlang der Maas. Napoleon erst hat diese Tradition unterbrochen. Der ließ nämlich fast den gesamten Rebbestand roden, damit die Franzosen ihren Wein dorthin verkaufen konnten. Und er hat den Limburgern eingeredet, ihr Wein sei sowieso nicht zu trinken. Das hat die ohnehin nicht sonderlich gejuckt, denn bei allem Weinbau, am liebsten trankentrinken die sowieso Bier.

Trotzdem: Das konnten die Limburger doch nicht auf sich sitzen lassen und auch wenn es gut 200 Jahre gedauert hat, nun wird dort wieder Wein angebaut. Ein ganz weinverrückter Ex-Geisenheim-Student, Stan Beurskens, versucht sich in seinem Bioweingut sogar an Rotweinen. Dem Vernehmen nach sollen die recht gut trinkbar sein; ich werde es demnächst einmal versuchen. Herr Beurskens ist darüber hinaus Vorsitzender des niederländischen Weinbauverbandes, der immerhin schon einige 100 Mitglieder umfasst. Wobei ich ja glaube, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Cordula auch hier mit ihrem sprichwörtlichen Elan eingreift.


Apostelhoeve (Bild: Weingut)
Das bekannteste Weingut in Limburg ist das seit den 1970er Jahren bestehende Gut Apostelhoeve bei Maastricht.

Das Gut, so erzählen die Besitzer, die Hulsts, gerne, war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. An einem lauschigen Sommerabend auf der Terrasse mit Freunden aus dem genussverliebten Belgien sinnierten sie, dass in dieser sonnigen und warmen Lage, wo die Maas des Nachts kühle Feuchte über die Felder schickt, doch Wein gedeihen müsse. Dazu soll dem Vernehmen nach mehr als eine Flasche Genever gekreist sein.

Familie Hulst war eigentlich eine Obstbauerndynastie. Doch wo Obst gedeiht, da können ja die Bedingungen für Wein so schlecht nicht sein.

To make a long story short. Apostelhoeve wurde eine Erfolgsgeschichte, der Vorzeigewein des Königreiches. Selbst die honorige französische Weinzeitschrift Revue du Vin de France fand lobende Worte. Und bei einer Gutsführung erzählt Mijnheer Hulst immer wieder gerne die Geschichte, dass der damalige niederländische Premier Lubbers bei den Beratungen zu den Maastrichter Verträgen seinem Amtskollegen Mitterrand versprach: Wenn Du die Franzosen von den Verträgen überzeugen kannst, schenke ich Dir so viele Flaschen holländischen Riesling, wie Du Jahre alt bist. Wir wissen wie die Sache ausgegangen ist: Mitterrand bekam 76 Flaschen.

Auf Apostelhoeve, das sich in der Tradition burgundischer Weißweinwinzer sieht (Bourgondisch Genieten), werden allerdings noch andere Rebsorten auf inzwischen gut 6 ha Rebfläche angebaut, darunter auch Auxerrois. Die Rebsorte ist eine Kreuzung aus Pinot und Heunisch, weswegen er in einer älteren Bezeichnung auch Kleiner Heunisch genannt wird. Der Auxerrois zeichnet sich durch intensive Fruchtaromen und geringen Säureanteil aus. Wer also einen empfindlichen Magen hat, aber trotzdem nicht auf ein gutes Gläschen Wein verzichten will, hier wird er fündig. Auxerrois ist frühreifend, weswegen auch in kühleren Gegenden höhere Mostgewichte möglich sind.

Der Apostelhoevesche Auxerrois ist ein typischer Vertreter dieser Rebsorte und muss den Vergleich mit den vielleicht ein wenig kräftigeren Luxemburger Kollegen nicht scheuen. Von zartgelber Farbe eröffnet er in der Nase ein weiches, leicht florales, zartfruchtiges Bouquet. So wie Sommerwiese umrahmt von Stachelbeersträuchern. Am Gaumen zunächst noch ein zartes Mousseux, danach frische, saftige Frucht, Weinbergpfirsich, grüner Apfel, unreife Haselnuss, sanfte Säure und ein eher kurzer würziger Abgang.

Nun, wir haben es hier nicht mit einem tiefen, komplexen, dichten, mineralischen Wein zu tun. Das wäre entschieden zu viel der Ehre. Der Auxerrois ist ein leichter, frischer, angenehm trockener, fröhlicher Wein. Gut gekühlt zum Butterbrot, zu leichten Fisch- und Gemüsegerichten – perfekt. Und, wer einmal etwas abseits der üblichen Wein-zum-Spargel = Silvaner Empfehlungen sucht, probiert mal einen Auxerrois. Vor allem mit dem würzigen belgischen Spargel ein frühsommerlicher Genuss (insofern kommt das Thema vielleicht ein wenig spät im Jahr, also – legt es Euch auf Wiedervorlage).

Dieser Artikel nimmt an der Weinrallye (muss ich ja nicht mehr erklären, oder? ) teil, die in diesem Monat von Julia Richter von German Abendbrot ausgerichtet wird. Den wichtigsten Aspekt dieser Rebsorte hat sie ja schon im Einladungstext genannt: Nach drei Gläsern desselben ist er für unsereins schon schwer auszusprechen: Osssäwaa, Ossswwww.....

Hier können am Ende der Rallye die verschiedenen Beiträge nachgelesen werden. Viel Spaß dabei.

Prost!

1 Kommentar:

  1. Wow! Holland? Echt jetzt? Da bekommt der Rheingauer in mir tatsächlich Schnappatmung! Toll, wo man den Auxerrois überall aufstöbern kann, wenn man sucht! Danke für den tollen Beitrag. Ich freu mich, dass Ihr bei der Rallye mitmacht!

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