Freitag, 27. Februar 2015

Weinrallye #83 - Wein in Film und Fernsehen





Lieber Regisseur, lieber Drehbuchautor, liebe Requisite ...

Du willst einen Film drehen, und es soll auch um Wein gehen. Prima! Ein ganz tolles Thema. Der Weintrinker ist doch quasi der Topos des bildungsbürgerlichen Snob. Da kann man voll in die Klischeekiste greifen.

Tja, und hier fängt es an.

Die Weinfreaks, Winzer oder sonstigen Weinfachleute fragen sich regelmäßig angesichts von Weinthemen im Film: Wer in aller Welt hat Dich denn beraten, als Du Deinen Film gedreht hast? Wahrscheinlich niemand, ein bisschen gegoogelt werdet ihr haben, wenn überhaupt; das sollte doch auch reichen. Und dann fragen wir uns immer noch, wenn es in einem Film statt um Wein um andere Fachgebiete z.B. Whisky oder Modellautos geht, ob das genauso schlampig inszeniert ist. Wahrscheinlich.

Als ob es darauf ankäme, wendest Du ein! Es geht doch um die Wirkung, schließlich ist das kein Dokumentarfilm.

Trotzdem gestatte mir, Dir für Deinen nächsten Film im Weinmilieu wenigstens ein paar Basics mitzugeben, dann können wir Wein-Nerds uns auf die Filmhandlung konzentrieren und müssen nicht zum Beruhigungsbier greifen und dabei den entscheidenden Hinweis auf den Mörder verpassen.

Aaaalso, hier ein paar Dinge, die mir so hin und wieder mal aufgefallen sind (Eigentlich wollte der Leo daraus noch ein Bullshitbingo basteln):

rechts: klassische Rieslingflasche
(Schlegelflasche)
1. Es ist eher unwahrscheinlich, dass ein Riesling aus einem Traditionsweingut in einer Bordeauxflasche abgefüllt wird.

2. Apropos Bordeauxflasche: Wenn schon ein Château Lafite in Deinem Film vorkommt, dann erkundige Dich, wie eine Flasche Lafite aussieht, so (Bild links) jedenfalls sieht weder ein Lafite, noch ein Margaux noch sonst ein Bordeaux aus. Und ein Lafite ist kein Grand Cru Classé sondern ein Premier Grand Cru. Und wird nicht mit 2 t geschrieben, jedenfalls nicht DER Lafite.

3. Es wird nicht "Monntraschett" ausgesprochen sondern "Mongraschee" und dabei handelt es sich immer um Weißwein.

4. Lobenswert, dass Du Deinen Protagonisten den Wein beschreiben lässt. Allerdings, sei versichert, nicht alle Weinliebhaber näseln dabei und dass ein Rotwein Pfirsich- und Stachelbeeraromen hat, ist eher unwahrscheinlich.

5. Alte, sehr alte Weine sind, so es sich um Rotwein handelt, nicht blickdicht und dunkelviolettrot und hinterlassen beileibe keine Kirchenfenster am Glas.

6. Ja, der Herr Parker bewertet die Weine in einem Punkteschema, aber es hört sich wirklich blöd an, wenn jemand sagt: Der Parker hat den Wein 95 Parkerpunkte gegeben! Übrigens heißt der Robert mit Vornamen, nicht Richard, so was kann man aber doch wirklich googeln.

7. 1976 ist beileibe kein grandioser Bordeauxjahrgang.

8. Weinliebhaber fassen das Glas niemals an der Tulpe an und ja, sie schwenken es wenig und riechen daran, bevor sie einen eher kleinen Schluck nehmen. Dabei spreizen sie keinesfalls den kleinen Finger ab. Und sie kommentieren auch nicht jeden Schluck.

reine Folklore
9. Und lass Dich lieber nicht zu Details der Weinerzeugung aus, es sei denn, Du bist selber Winzer oder kennst einen, der Dich berät. Glaube mir, heutzutage werden die Trauben nicht mehr mit den Füßen in Bottichen getreten.

Natürlich kommst Du ganz einfach aus der Nummer raus, indem Du einen Phantasiewein einbaust (und Dich über seine Herstellung freundlich ausschweigst), da musst Du auf keine Realität Rücksicht nehmen.

So etwas ist selten besser gelungen als in der wunderbaren kleinen Szene in "Otto, der Film", in der Johannes Heesters als Zitat seiner selbst in der Gosse liegend einen "Château Reibach" trinkt, mit viel Ehrfurcht aber dennoch aus dem Plastikbecher. Hier stimmt einfach alles, sieh selbst.



Natürlich gibt es Regisseure, denen macht man in punkto Wein nichts vor. Dem Francis Ford Coppola zum Beispiel. Der besitzt zwei Weingüter in Kalifornien. Allerdings, muss ich zugeben, dass mich sein Director's Cut beide Male als ich ihn probiert habe (beides Mal den Pinot Noir), nicht sonderlich vom Hocker gehauen hat. War mir zu fett und zu mainstreamig und für einen Pinot zu wenig elegant.

Der Francis Ford Coppola ist übrigens über seine Tochter mit dem südfranzösischen Gut Château Thuerry verbandelt. Der Sohn des Besitzers ist niemand geringerer als der Ehemann von Coppolas Tochter Sophia. Deswegen gab es auch einen eigenen Rosé zum Kinostart von Sophias Film "Marie Antoinette". Auf Thuerry hat man sich übrigens auf die Fahnen geschrieben, so etwas wie das Haut Brion des Südwestens zu werden. Schaut man sich das imposante Kellergebäude an, so erinnert das allerdings eher an Ducru-Beaucaillou.

Zurück zur Cuvée Marie Antoinette. Die Trauben stammten von 1800 Stöcken auf einer kleinen Rebfläche bei Versailles, Cabernet franc und Merlot. Sie wurden mit aller gebotenen Sorgfalt geerntet und niemand geringerer als Patrick Maroteaux (Château Branaire-Ducru) und Jean-Louis Croquet (Château Thuerry) haben bei der Weinbereitung beraten. Ausgebaut wurde der Wein auf Thuerry.

 
Leider wurde der Genuss nur den handverlesenen Premierengästen beim Festival in Cannes zuteil.

Dafür kann man die anderen Weine des Gutes überall in (Süd)Frankreich kaufen, was ich nur empfehlen kann. Hier findet man Weinqualitäten jenseits des beliebigen Einerleis. Mein Sommerfavorit ist

Les Abeillons
Château Thuerry, AOC Côteaux Varois

Eine Cuvée aus Rolle und Semillon, die man am besten in den ersten zwei bis drei Jahren nach Füllung genießt. Frisch, animierend, Zitrusfruchtaromen und ein feiner Schmelz, je nach Jahrgang dichter oder leichter. Aber immer ein fröhlicher, erfrischender Trinkspaß, der durchaus nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Genau das richtige, für einen Mädels-DVD-Abend. Schließlich sind wir aus dem Prosecco-Alter raus und Sophias Dosenblubber geht nun mal gar nicht.



Dieser Beitrag nimmt an der 83. Weinrallye teil, der in diesem Monat vom Blog Edelste Weine ausgerichtet wird. Die Weinrallye ist ein monatliches Blogevent; sie findet jeweils am letzten Freitag im Monat statt. Ein gastgebendes Blog ruft ein Wein-Thema aus und alle Blogs sind eingeladen, zu diesem Thema Artikel zu verfassen. Eine Zusammenfassung erscheint unter vorstehendem Link.


Kommentare:

  1. Toll, Dein Beitrag. Aus eigener langer Fernseherfahrung könnte ich noch viele Beispiele anfügen. Du hast mich angeregt, dies in der nächsten Zeit auf meiner Homepage zu tun, schliesslich gibt es da eine Rubrik "Medien", die seit einigr Zeit brach liegt.

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  2. Danke für diesen schönen Beitrag! Bin beeindruckt über soviel witzige Details!

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