Freitag, 17. Oktober 2014

Saftige Angelegenheit



Der Himmel strahlt uns beinahe unverschämt selbstherrlich in einem kräftigen Blau entgegen, der Rasen ist saftig grün und die Bäume verändern ihr Outfit farblich in strahlend Gelb, Ocker und leuchtendes Rot. Im Garten riecht es gärig-süß nach Fallobst. In Ihrer Population schon stark dezimierten Wespen nagen an den Pflaumenresten sowie den braunen Stellen der Äpfel, die der Baum einfach so abgeworfen hat.
Herr Suse und ich befinden uns im Garten von A., unserer Nachbarin und befreien einen Apfelbaum von seiner reifen Last. Es ist der einzige Apfelbaum in ihrem Garten, der in diesem Jahr überhaupt trägt. Und dann auch noch so viele kleine, mit schorfen Stellen verunstaltete Früchte. Aber für mein heutiges Vorhaben ist das egal.

Beinah wäre es geplatzt, denn ich brauche heute viele Äpfel, je mehr, desto besser. Blöderweise ist trotz des wunderschönen Sommers die Aussicht gar nicht vielversprechend.
So manches Jahr wird einem das Obst sprichwörtlich hinterher geschmissen, weil jeder Apfelbaumbesitzer gar nicht weiß, was er mit den Obstmassen anfangen soll. Nicht so in diesem Jahr. Die wenigen Apfelbäume, die einigermaßen tragen, scheinen dieses Jahr von ihren Besitzern eine Art Heiligsprechung erfahren zu haben, denn von großzügigem Pflückangebot ist weit und breit nichts zu hören.
Und dann ein Lichtblick! Die Eigentümer eines unter der Last der Äpfel fast zusammen brechenden Baumes würden mir gern etwas abgeben, allerdings…tja, allerdings handelt es sich um eine späte Sorte, die erst im November geerntet wird. Zu blöd, denn der Termin ist doch schon in ein paar Tagen. Auch die vielen „wilden“ Apfelbäume bieten kein lohnenswertes Angebot bzw. sind schon von jemand anderes geplündert.
Und dann, fünf Tage vor dem Termin, bekomme ich einen Anruf meiner Mutter, dass sie eine Quelle aufgetan hätte, bei der die Eigentümer einer Streuobstwiese nicht wüssten wohin mit den vielen Äpfeln. Das ist die Rettung!!! Mama und Papa machen sich für mich auf den Weg, pflücken Äpfel und Birnen, was das Zeugs hält und übergeben irgendwo an der A7 Herrn Suse die reiche Ernte.
Und so freue ich mich auf mein erstes Mal Apfelsaftpressen.


H., die diesen Samstag komplett gebucht hat, gibt mir als Startzeit für meine Pressung 13:00 Uhr an. Perfekt! Bis dahin reinige ich die Flaschen (hier haben sich die braunen Milchflaschen mit etwas weiterer Öffnung bewährt), lasse sie eine halbe Stunde bei 140°C im Ofen sterilisieren, bade die Deckel in Kukident und koche sie anschließend aus. Zusammen mit den Äpfeln aus unterschiedlicher Pflückung (einen kleinen Eimer konnten wir sogar unserem missratenen Holsteiner Cox abluchsen) verladen wir alles in mein Auto.

Bei meiner Ankunft steht zwei Parteien bereits „stolze Saftbesitzer“ ins Gesicht geschrieben. Ein weiteres Paar füllt gerade ihre Ausbeute in Flaschen ab und die vierte Partei versucht jeden wertvollen Tropfen aus ihren Früchten heraus zu pressen. Ha, ich komme gerade richtig, um den frischen Saft direkt aus der Presse zu verkosten. Wow! Angenehm ausgewogene Süße und Säure, intensiv im Geschmack. Meine Freude auf meinen ersten eigenen Saft steigert sich fast ins Unermessliche.

Und dann bin ich dran. H. und ich laden mein Auto aus und beginnen das Obst in klarem Wasser zu waschen. Ich werfe noch einen letzten Blick auf die duftenden Früchte der paradiesischen Verführung, denn jetzt geht’s ihnen an den Kragen.
In einem herkömmlichen Schredder werden Äpfel und Birnen grob geraspelt und landen in 8 Jutesäcken, die in Eimern stecken.

Fachmännisch werden die Säcke abwechselnd mit passgenauen hölzernen Druckplatten in die Presse geschichtet. Auf der oberen Lage wird eine Art Jenga-Konstruktion aus Druckhölzern errichtet und allein aufgrund des Eigengewichtes fängt der Saft an zu laufen. 

Ein paar Augenblicke später geht es dann in den Drehwurm und langsam wandert der Hebel an der Spindel nach unten.

 Nun ist der Moment, in dem ich meinen Cuvée „Streuobstwiese“ verkoste. Ganz anders als der vorherig probierte, milder durch die Birnen, sehr fruchtig, weniger Säure und sehr intensiv. Yeah! 



In der Zwischenzeit hat R., der fleißige Helfer, den aufgefangenen Saft durch einen Filter in einen großen Sammelbehälter gegossen. Dieser ist erhöht aufgestellt, so dass der Saft von hier aus über einen Schlauch in den mit Holz befeuerten Durchlauferhitzer und von hier aus mit einer Temperatur von ca. 75-80°C in die Flaschen fließen kann.

Das war es schon: 54 Liter natürlicher, leckerer, sich gut anfühlender Saft ist in ca. 90 Minuten hergestellt und abgefüllt. Einzig zeugt noch der furztrockene Trester, der nicht einmal eine runde Maurerbütt füllt, von dem Ausgangsmaterial, um den sich zwischenzeitlich hunderte von Fruchtfliegen versammelt haben.


Stolz wie Bolle fahre ich, nachdem alles aufgeräumt und gesäubert ist, nach Hause, lasse Herrn Suse das Auto ausräumen, wasche die Flaschen nochmal von außen ab und lasse wiederum Herrn Suse alles in den Keller tragen. Hach, bin ich glücklich! 


Kommentare:

  1. Die ist ja süß, die Presse. Muss bestimmt um Zehn, oder Freitags um Zwölf zu Hause sein.

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    1. Weißte Bescheid?
      In der Disco muss sie den Personalausweis abgeben und wird um Punkt 24:00 Uhr aufgerufen

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  2. You made my day - mit diesem fruchtig-frischen Bericht.Es ist zu schön, wie du dich freuen kannst!

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  3. ja, ja Herr Suse musste schleppen, aber wofür hat man Männer? Schließlich musst Du dich ja jetzt auch auf das Safttrinken konzentrieren :-)
    Mit dem Vorrat kommst Du bestimmt durch den Winter.

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    1. Dafür hab ich ja auch gepresst wie ne Verrückte (oder besser pressen lassen :-))
      Und so ein Saftgenuss erfordert in der Tat ungeteilte Aufmerksamkeit.

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