Freitag, 5. September 2014

Falsche Erika und fleckige Milch



So langsam verschwinden sie wieder, die vielen Touristen, die sich in den letzten vier Wochen in unserer Region zum Wandern, Radfahren, Schauen und Genießen eingefunden hatten. Schön ist es hier eigentlich immer, fernab von städtischer Hektik, wo es nachts so leise ist, dass ich manchmal selbst den Marder hört, wenn er während seines Revierrundganges in unserem Garten schnüffelt. Wo es nachts außerdem so dunkel ist, dass man mindestens vier Mal so viele Sterne an einem wolkenfreien Himmel entdecken kann als in den meisten Orten dieses Landes, weil dort die Lichtverschmutzung tausende der Lichtpunkte am Himmel verschluck.


Allerdings ist unsere regionale Attraktivität für die meisten Gäste nur in den paar Wochen im Jahr gegeben, in denen sich große Teile der Landschaft in ein purpurnes Meer verwandeln, aus dem sich äußerst dekorativ dunkelgrüne Wacholder säulenartig emporstrecken und weißrindige Birken versuchen, die Umgebung mit ihresgleichen zu bevölkern. 

Denn im August ist Heideblütenzeit. Und zwar nicht wie einer landläufigen, aber einem Irrtum unterlegen Meinung nach die der Erika, wie die Pflanzengattung der Familie der Heidekräuter genannt wird.
Nein. Das, was den Nationalpark Lüneburger Heide in eine einzigartige Kulisse für Hermann-Löns-Geschichten verwandelt, ist die Besenheide (calluna vulgaris), die zwar einen gewissen Verwandtschaftsgrad zur Erika besitzt, aber eben nicht als selbige bezeichnet wird.


In diesem Jahr ist die Blüte besonders üppig, denn das Wetter dieses Sommers war genau nach Erikas Callunas Geschmack. Bei sommerlichen Temperaturen mit regelmäßigen Regenschauern konnte sie sich gut entwickeln und sogar zwei Wochen früher als üblich in voller Blüte stehen. Das bedeutet natürlich auch, dass selbige früher als sonst beendet ist. Wer also in diesem Jahr noch einen Eindruck erhalten möchte, der muss sich sputen. Alle anderen sollten sich die Mitte des Augustes 2015 rot oder besser purpur im Kalender markieren.




Für mich ist die Heideblüte mit ihrer Signalfarbe so etwas wie für andere der Knoten im Taschentuch. Heideblüte…mh…da war doch was, da war doch was… aaaaah ja, Torte backen!

Genau. Am letzten Wochenende im August, genau eine Woche nach der Krönung der neuen Heidekönigin feiert unser Dorf Schützenfest. Und da ich sonst nichts zum Schützenverein beizutragen habe, stelle ich für das große sonntägliche Tortenbuffet eine Torte her.

Ein seltenes Ereignis in meiner Küche. Diese Torte muss erst einmal speziell aussehen und als zweites auch gut schmecken, damit sie zwischen den Konkurrenten am Buffet ins Auge sticht und restlos vertilgt wird.

Nachdem ich mit meiner Himbeer-Mascarpone-Torte nun ein paar Mal punkten konnte, wollte ich dieses Jahr etwas Neues ausprobieren. Mir schwebte eine Latte-Macchiato-Torte vor (für Nicht-Italiener = Fleckige Milch-Torte), über die es in meiner Rezeptsammlung und auch im Internet einiges gab, allerdings nichts so recht meinen Vorstellungen genügte. Persönliches Ziel war, dass die Torte nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch an das namengebende Getränk erinnert.
Also musste ich mich zurückziehen, mein Kreativzentrum im Gehirn aktivieren und hoffen, dass da was Vorzeigbares und nach Möglichkeit auch Essbares herauskommt.

Optisch fand ich sie schon mal ganz passabel, so dass ich die Torte mit gutem Gewissen gegen Mittag am Tortenbuffet abgeben und erst einmal wieder nach Hause fahren konnte. Als ich dann zu DER Kaffezeit um 15:30 Uhr wieder im Schützengrund ankam, wollte ich natürlich erst einmal schauen, wie viel denn wohl schon gegessen wurde. Ich bin gar nicht bis zum Tresen durchgekommen, da wurde ich bereits von zwei Frauen gestoppt. Weiter brauchte ich auch gar nicht mehr zu gehen, denn mir wurde von beiden versichert, dass kein einziges Stück mehr da sei und sie unbedingt das Rezept dafür haben möchten.
Na bitte, geht doch, der Aufwand hat sich gelohnt. A new star is born, zumindest an unserem dörflichen Tortenbuffet  ;-)
 Latte Macchiato-Baileys-Torte


Heller Boden
2 Eier, getrennt
50 g weiße Schokolade
25 g Butter
35 g Zucker
1 EL Milch
35 g Mehl
20 g Stärke
1 gestr. TL Backpulver
1 Prise Salz

Dunkler Boden
2 Eier, getrennt
50 g Vollmilchschokolade
25 g Butter
35 g Zucker
1 EL Milch
35 g Mehl
20 g Stärke
1 gestr. TL Backpulver
1 Prise Salz

Es werden zwei Böden zubereitet, die Methode für den hellen und dunklen Boden ist identisch.
Backofen auf 175°C vorheizen.
Jeweils die Schokolade grob hacken und mit der Butter überm heißen Wasserbad schmelzen, verrühren und ungefähr handwarm abkühlen lassen. Mehl, Stärke und Backpulver mischen. Die Eigelbe mit dem Zucker zu hellem Schnee schlagen. Die abgekühlte Schokoladen-Butter unterrühren, nach und nach die Mehlmischung und die Milch unterrühren.
Eiklar mit einer Prise Salz zu steifem Schnee schlagen und unter die Masse heben.
Eine 26er Springform mit Backpapier auslegen, den Rand mit Butter einfetten. Masse einfüllen und in 15-20 Minuten backen. Auf ein Kuchengitter stürzen, Springformboden und Backpapier entfernen und auskühlen lassen.

Helle Mousse
2,5 Blatt Gelatine
125 ml Baileys zzgl. Ein paar Tropfen für den Boden
125 g Mascarpone
1 EL Zucker
300 g Sahne


Gelatine kalt einweichen, nass in einen Topf geben, langsam erwärmen bis die Gelatine sich aufgelöst hat. Ein, zwei EL Baileys unterrühren, dann diese Mischung zu dem restlichen Baileys geben, verrühren. Mascarpone mit dem Handrührgerät aufschlagen und nach und nach den Baileys und den Zucker unterrühren. Kalt stellen. Wenn die Mascarpone und Baileys gekühlt waren, dann beginnt die Masse nach kurzer Zeit zu gelieren. Sahne schlagen und unter die Masse rühren.

Den hellen Boden auf eine Platte legen, einen Tortenring darum setzen und den Boden mit etwas Baileys beträufeln. Die Baileysmousse auf dem Boden gleichmäßig verteilen, glätten und den dunklen Boden vorsichtig darauf setzen. Diesen mit etwas kaltem Kaffee beträufeln.


Dunkle Mousse
3,5 Blatt Gelatine
2 gehäufte TL Kakaopulver ungesüßt
175 ml Espresso oder starker Kaffee (gebrüht, nicht instant)
4 EL Zucker
125 g Mascarpone
300 g Sahne
 
Die Gelatine für den dunklen Boden kalt einweichen. Den Kaffee mit dem Zucker und dem Kakaopulver in einem Topf unter Rühren klümpchenfrei erhitzen und einmal aufkochen lassen.
Gelatine darin auflösen und diese Mischung mit der Mascarpone verrühren, kalt stellen, zwischendurch durchrühren. Wenn die Masse zu gelieren beginnt, die Sahne schlagen und unterheben. Die dunkle Mousse auf den Boden geben und glatt verstreichen. Ein paar Stunden (über Nacht) kalt stellen.

Abschluss
400 g Sahne
1 EL Puderzucker
2 Pakete Sahnesteif (Bio)

Kakaopulver
Amarettini

Sahne mit Puderzucker mischen, anschlagen, Sahnesteif zugeben und bis zur gewünschten Konsistenz schlagen. Sahne auf der dunklen Mousse verteilen und mit einer Palette wellenförmig modellieren, nochmal für ca. eine Stunde kühlen.

Tortenrand entfernen, Kakaopulver vorsichtig über die Sahne sieben, ein paar zerbröselte und ganze Amarettini auf der Sahne verteilen.




Kommentare:

  1. die sieht ober-mega-lecker aus, kein Wunder, dass die ratzekahl aufgegessen worden ist!!

    Schöne Heidebilder hast du da gemacht, wo ist das ungefähr?

    Ich komme gerade von einer Wanderung durch die Heide zurück (Etappe 2 des Heidschnuckenwegs - von Buchholz nach Handeloh, 15 km) = wunderschön, wobei ich so ca. 2 Wochen zu spät war...sie verblasst schon wieder, wie du ja auch sagst.

    Sag mal: hast du zufällig ein gutes Rezept für eine Buchweizentorte? (die macht ja jedes Café irgendwie anders....mir schmeckt sie am besten im Schäferstall beim Pietzmoor)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Bilder habe ich in der Oldendorfer Totenstatt aufgenommen. Eine überschaubare Fläche, inmitten derer sich etliche Jahrtausend alte Gräberstätten befinden. Also, nächstes Jahr treffen wir uns dort!
      Den Heidschnuckenwanderweg möchte ich auch noch in Etappen beschreiten, leider führt er bei uns nicht dran vorbei.

      Buchweizentortenrezepte gibt es in der Tat viele. Ich kenne die vom Schäferstall nicht, kann dir aber bei Gelegenheit mal ein Rezept zukommen lassen. In jedem Fall gehören Preiselbeeren und Sahne zwischen die Schichten...

      Löschen
    2. Gerne treffen wir uns nächstes Jahr dort - zumal das wird ein Stück Heide ist, das mir noch gänzlich unbekannt ist.
      mein Bericht zum Heidschnuckenweg ist online und ich werde sicherlich noch weitere Etappen erwandern
      http://deichrunnerskueche.de/2014/09/heidschnuckenweg-etappe-2.html

      Buchweizentorte: mir ist noch nicht so ganz klar, welches das richtige Verhältnis für den Buchweizen im Biskuit ist...auch da variieren die Rezepte stark.

      Löschen
  2. Ich war erst einmal in der Heide - war aber schwer beeindruckt. Ähnlich geht es mir ( im Prinzip ein Tortenmuffel) mit deiner Macchiato -Torte! Ich hoffe, wir sehen uns am See!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eline, ich hoffe auch, dass es klappt!

      Löschen
  3. Diese Heide muss ich irgendwann sehen. Und diese Torte irgendwann essen. Wunderschöne Fotos, Suse!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Für die Heide musst du dir besagten Termin im Kalender notieren, sonst wird's nix damit. Aber gib vorher Bescheid, damit ich dich empfangen kann.
      Danke für das Fotokompliment.

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Dieses Blog durchsuchen

Follow by Email

Aus Küche und Keller

#kochtag (2) 180° Adventskalender (89) 180° der Film (2) 180° Fussballwette 14/15 (3) 180° Hauptversammlung (2) 180° Hauptversammlung 2012 (10) 180° reloaded (35) Aachen (3) Advent (3) Alemannia (3) alltagsküche (2) Alter (4) Amuse (6) Apfelsaft (1) Aquitaine (1) Aromen aus 1001 Nacht (16) ATK-Bloggeburtstag (5) auf die Schnelle (49) aus der Hand (47) aus Fluss und Meer (64) Australien (2) Auxerrois (1) Backen (5) Backhaus (3) Backtag (33) Baden (2) Barbarazweig (1) Barbier (2) Barrique (2) Bauanleitung (3) Beiwerk (33) bellet (1) BiB (1) Bierzo (1) Bio (5) Bistroküche (4) Blaufränkisch (1) Blauzungenmarathon (2) Bordeaux (27) Bourgeuil (1) Brot (5) Bruno (2) Buch (2) Buchmesse (1) Bullshitbingo (1) Burgund (4) Butter (1) Cabernet (1) Champagner (6) Chardonnay (14) Châteauneuf (1) Châteauneuf-du-Pâpe (1) Chicorée (1) CocaCola (1) Cote d'Azur (3) Côte d'Azur (2) Cotes du Rhône (1) Crémant (1) Cru Bourgeois (1) Currywurst (1) Cuvée (2) Dessert (38) Dessous (8) Diät (4) Dornfelder (3) Edelzwicker (1) Ei ei (6) Elsass (4) Endlich Frühling (47) Erben Spätlese (1) Erbsensuppe (2) Erdbeeren (1) Erntedank (42) Etikettentheorie (4) Federvieh (31) Ferien (1) Fern(k)östlich (19) Figeac (3) Film (2) Fisch und Krustentiere (2) Flüchtlinge (1) Fotoworkshop (2) Franken (2) Frankreich (13) Frankreich; Bistroküche (2) Freundschaft (2) Frühling (25) Frühstück (1) Fußball (8) Gargantua (1) Garmethode (1) Garnacha (1) Gebäck (8) Geflügel (4) Gemüse (7) Gemüsegarten (7) Geschenke (1) Gesellschaft (14) Getränk (4) Gewürzmischung (1) Gewürztraminer (9) Grauburgunder (2) Graves (1) Grenache (2) Grundrezept (2) Grüner Veltliner (2) Heidschnucke (2) Herbst (42) herzhaft (19) Hipster (1) Hochbeet (1) Holland (2) Hörncheneisen (1) Hühnersuppe (2) Iris (1) Italien (10) Jahresrückblick (1) jetzt wird's Wild (19) JSDEDBDW (1) Jugend (1) Kamptal (1) Karneval (1) Käse (17) Keller (3) Kindheitserinnerung (11) Klimawandel (1) Kobler (3) Kofler (1) Köln (1) Kork (1) korrespondierende Weine (37) Kuchen (1) Küchenklassiker (48) Küchentechnik (14) Kunst (4) Lachs (1) Lafite (1) Lagrein (1) Lambrusco (1) Lamm (8) Landwirtschaft (1) Le Mirazur (1) Lebensmittelproduktion (4) Lemberger (1) Lichine (1) Limonade (1) Löffelweise (48) Loire (1) Loriot (1) Madiran (1) Mais (2) Mallorca (2) Märchen (6) Margaux (1) Marsanne (1) Mencia (1) Menu (15) Menü (104) Mercurey (1) Merlot (2) mindestens haltbar bis... (20) Mittelrhein (1) Mosel (4) Mourvèdre (2) moussierend (4) Müller-Thurgau (2) Naturwein (1) Neujährchen (3) Neuseeland (2) nichtFischnichtFleisch (94) Niederlande (3) Niederrhein (1) Nikolaus (4) nizza (1) norddeutsch (1) nur so (29) nur so... (74) OBÜP (1) Oma (6) Oper (3) Orange Wine (1) Osterbrunch2012 (9) Ostern (11) Österreich (6) Parker (1) Passito (1) Pasta (46) Pavie (1) Perlhuhn (1) Pfalz (7) Picknick (13) Pinot Grigio (2) Pinot noir (1) Pinotage (2) Plätzchen (3) Playboy (1) Port (2) Portugal (4) Primeur (1) Primitivo (1) Priorat (2) Prosa (1) Prosecco (1) Provence (9) Punk (2) Raclette (1) Rebholz (1) regional (1) Restaurant (5) Reste (6) Retsina (1) Rhabarber (1) Rheingau (5) Rhône (3) Rieslaner (3) Riesling (27) Rind (4) Rindvieh (47) Risotto (2) RoeroArneis (1) rosa (2) Rosé (7) Rotwein (6) Roussanne (1) Roussillon (1) rückwärts garen (1) rund ums Mittelmeer (65) Saar (1) Saft (1) Saison (1) Salat (4) Saucisse de Morteau (1) Sauternes (2) Sauvignon blanc (5) Sauzet (1) scharf (4) Schatz (1) Schuhe (1) Schweinerei (24) Seelentröster (4) Sekt (6) Shiraz (3) Silvaner (2) Silvester (2) Sirup (1) Skrei (1) Sommelier (5) Sommer (56) Sommerküche (85) Sommerpicknick2012 (9) Sommerwein (8) Sonntagsbraten (19) Sorbet (3) Souldfood (1) Spanien (3) Spargel (1) sparkling (2) Spätburgunder (4) St. Emilion (3) St. Estèphe (1) St. Julien (1) St. Peter Ording (1) St.Estèphe (3) Stein (1) Steinlaus (1) Subskription (1) Südfrankreich (1) Südtirol (9) Suppe (7) Süßstoff (84) Süßwein (9) Syrah (5) take 5! (9) Terroir (1) Test (1) Theater (1) Tomate (11) Tomtenhaus (1) Torte (1) Toskana (1) trocken (1) Trollinger (1) Trüffel (3) Tulpen (1) Urlaub (15) vegetarisch (11) vendredisduvin (1) vermouth (1) Vinho Verde (1) Vinocamp (1) Vitamine (2) vom Grill (22) Vorspeise (86) Walch (1) Wanderhühner (1) Weihnachten (10) Weihnachtsmenü (35) Weihnachtsmenü2010 (4) Weihnachtsmenü2011 (7) Weihnachtsmenü2012 (5) Weihnachtsmenü2013 (4) Weihnachtsmenü2014 (5) Weihnachtsmenü2015 (4) Weihnachtsmenü2016 (6) Weihrauch (6) Wein (26) weinfreak (1) Weinmärchen (2) Weinrallye (56) Weißburgunder (2) Weißwein (5) wermut (1) Westerhever (1) Wichteln (3) Wien (2) Wiesn (4) winepunk (1) Winter (44) Winterküche (94) Winzer (1) Wuppertal (1) Würrtemberg (5) Württemberg (7) Zinfandel (2) Zitrone (4) Zukunft (1) zwischen Küste und Alpen (203)