Samstag, 30. August 2014

Weinrallye #77 - Rosé, eine Erfolgsgeschichte!



Die Geschichte von Sacha "live should be easy to drink" Lichine wird ja immer als die große Erfolgsgeschichte dargestellt. Schillernd ist sie allemal, so wie er eine schillernde Persönlichkeit ist. Mit seiner raumgreifenden Präsenz im eleganten weißen Leinenanzug ist er so etwas wie die hedonistische Ausgabe von Sidney Greenstreet, the Fat Man.

Alexis Andrew Serge "Sacha" Lichine ist der Sohn des legendären Alexis Lichine (1913-1989), ein russischer Weinschriftsteller (u.a. Alexis Lichine’s Encyclopedia of Wines and Spirits, New York, 1967) und Unternehmer. Alexis sr. wuchs wie in konservativen wohlhabenden russischen Kreisen seiner Zeit üblich in New York und Paris auf und machte in New York Karriere im Weinhandel. Ende der 1950er Jahre siedelte er nach Bordeaux und kaufte 1961 das ziemlich herunter gewirtschaftete Weingut "Château Prieuré-Cantenac" in Margaux, das er unter dem Namen "Prieuré-Lichine" wieder aufbaute.

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Sacha damals 28jährig das väterliche Weingut. Auch er hatte seine Zeit in der Schweiz und hauptsächlich in den USA verbracht, wo er unter anderem im angesagten  Bostoner Club und Restaurant Anthony’s Pier 4 als Sommelier arbeite und sich so während des Studiums etwas dazu verdiente. Der Weinkeller dieses Hauses war legendär und die Kontakte, die der gut aussehende junge Franzose (damals noch rank und schlank) dort knüpfen konnte, waren sicher auch nicht zu seinem Schaden. 

Auch Sacha verlegte sich auf den Weinhandel sowie der Organisation von Luxusreisen, nur Bordelaiser Weingutbesitzer zu sein war nicht sein Ding. Nach 10 Jahren verkaufte er Prieuré-Lichine, das aber weiterhin seinen Namen trägt, um sich, wie es heißt, einer neuen Herausforderung bzw. seiner wahren Liebe zu widmen, nämlich in der Provence Wein zu machen. Und zwar, so sein Ehrgeiz, den teuersten Rosé der Welt.


Auch wenn dieser Schritt für viele sehr überraschend kam, in der Tat passt Sacha Lichine besser in die schillernde, leichtlebige Provence, nach Monaco oder St. Tropez, als in das doch eher großbürgerliche Bordeaux.


Und genau wie sein Vater kaufte er ein ziemlich herunter gewirtschaftetes Weingut mit altem aber ungepflegten Rebbestand, Château d'Esclans, in La Motte nahe Draguignan. Mit dem ehemaligen Direktor von Mouton-Rothschild, Patrick Léon, hat er es nach allen Regeln der Kunst wieder aufgebaut. Im modernen Keller fehlt es an keinem notwendigen oder überflüssigen Gimmick, dort wird an den Weinen getüftelt, bis sie in das Lichinesche Portfolio passen. “Quality is an accumulation of detail” wird er zitiert.

Foto: Weingut
Sein Einstiegsrosé ist der "Whispering Angel". Der Name verweist auf zwei Engelsfiguren aus der Kapelle, die zum Gut gehört. Der Spitzenrosé ist der "Garrus", für den Lichine die Preismarke von 100 US$ nicht unterschritten sehen möchte, auch wenn hin und wieder vor allem die lokalen Händler leise einwenden, zu diesem Preis läge der aber eher unverkäuflich in den Regalen. Kritikerstimmen wie "This estate in the Côtes de Provence produces dazzling rosés” (Robert Parker), "I was blown away" (Tom Stevenson) oder "Sacha Lichine has cracked it" (Serena Sutcliffe) bestärken ihn in seiner Ansicht.

Der Whispering Angel ist sicher ein guter, ja sogar ein sehr guter Rosé. Und auch wenn ich bereit bin, nicht nur für ausgezeichnete Qualität sondern auch für die gute Story und das Feeling ein paar Euro mehr hinzulegen, bei einem Preis von um die 18.00€ (Der Whispering Angel ist natürlich teurer als der Miraval der newlyweds Brangelina) hab ich dann doch erst mal geschluckt. Aber es war Urlaub und da hat man natürlich schon mal so seine "was kost' die Welt?" Phase. Da haben wir uns den 2010er geleistet. Das war 2012. Ein guter Rosé hält bis zum nächsten Weihnachten, ein sehr guter bis zum übernächsten.

Und er war sehr gut,  ohne jede Frage, so gut, dass ich mich auch heute noch an ihn erinnere: Natürlich von der eleganten blasslachsrosa Sorte, ein wunderbarer Duft nach Pfingstrosen, Johannisbeeren, Brombeeren und frischen Küchenkräutern und am Gaumen wahrhaft dicht und schmelzig, die Textur erinnert durchaus an einen Puligny-Montrachet, sehr klar, frisch, herbe Zitrusnoten, feine Säure und ein langer, frischer Abgang mit sehr charmanter Mineralnote. Natürlich schielt der Stil auf die internationale Klientel, mit dem ehrlichen manchmal etwas knarzigen Landrosé hat der nun so gar nichts mehr gemeinsam. Gottseidank auch nicht mit den bekannten Himbeerbonbons in Alkohol gelöst. Aber auf der Terrasse des Rascasse beim Formel1-Rennen in Monaco, beim Festival in Cannes und auf den Sonnendecks der Yachten in St. Tropez, Ste. Maxime oder Antibes, da hat er seinen passenden Platz.

Wie jeder gute Wein wird auch dieser als Essensbegleiter besser und seine unbestrittene Eleganz wird am besten mit ein bisschen Dekadenz verbunden. Trüffelrührei, gegrillter Hummerschwanz oder auch einfach ein paar Austern und dazu der gut gekühlte Whispering Angel, perfekt match.


Gastgeberin dieser Weinrallye ist Anette Sandner von culinary pixel, deren gefüllte Zucchineblüten mich schwer begeistert haben und die auch ein perfekter Partner für diesen Wein sein könnten. Auf ihrem Blog werden alle Beiträge zu diesem Thema zusammengefasst. Und die nächste Weinrallye wird unser Seniorpraktikant hier auf hundertachtziggrad° hosten, selbständig, ohne Hilfe vom Leo. Am Thema tüftelt er noch. Wir hören in letzte Zeit ständig den Gefangenenchor aus der Oper Nabucco aus der Speisekammer. Ich weiß nicht, ob das etwas zu bedeuten hat.



Kommentare:

  1. mein problem-die klassischen rose-gelegenheiten (sommer-hitze-draussen) vermeide ich , da ich eine von denen bin, denen ein klimatisierter innenraum lieber ist als eine aussenterrasse. daher kann ich auch im hochsommer " richtige weine" trinken und muss nicht auf die verlegenheitslösung rose ausweichen . oder wenns gar nicht anders geht, mache ich mir ein bier auf. vor jahren hab ich einen ähnlich forsch bepreisten rose von sine qua non getrunken, der recht heavy war, sonst aber ohne grossen eindruck blieb. rose-champagner trinke ich ab und an, ruinart, billecarte, selosse; da finde ich, hat rose seine berechtigung, weil er die pinot noir -aromatik verstärkt.

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    1. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir wettertechnisch ziemlich ähnlich ticken. Mehr so "Wintertyp".

      Und an die Clarette, die gut gekühlt wartet, will ich auch nicht recht ran.

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