Freitag, 25. Juli 2014

Weinrallye #76 - Pinotage - das Experiment



Pinotage – der Ungeliebte.

Dieses Thema hat der wunderbare Peter Züllig heute für die Weinrallye* ausgerufen.

Pinotage, eine Kreuzung aus Cinsault und Pinot Noir, ist zur Leitrebe des südafrikanischen Weinbaus geworden, ob sie auch als autochthon bezeichnet werden kann, darüber kann man sich wunderbar streiten. Ich vermute die Sache mit Prof. Perold und dem Hermitage wird bei dieser Rallye noch des öfteren erklärt werden, also kann ich hier darauf verzichten.

Nur habe ich nicht wirklich herausgefunden, wieso Pinotage ungeliebt sein soll.

Ich kann mich noch an meinen ersten Pinotage erinnern als ob es gestern gewesen wäre, 2003 Laibach Pinotage, unfiltered, aus der Magnum, ein unvergessliches Weinerlebnis.

Was ich allerdings festgestellt habe, ist, dass es gar nicht so einfach ist, auf die Schnelle einen vorzeigbaren Pinotage zu bekommen. Da hatte ich mich auf meinen Columella, Eben Sadie, verlassen und dann das, das ist überhaupt kein Pinotage. Erste Regel: Nicht überall, wo Südafrika draufsteht und was rot ist, ist Pinotage drin.

Jetzt wird die Zeit knapp. Ich kann nur noch meinen örtlichen JWD-Dealer aufsuchen, was in der Regel mein allerallernotfälligster Notfallplan ist. Nicht nur weil der wirklich homöopathisch dosierte Öffnungszeiten hat. Oder ... es gibt kein Oder ... es sei denn ... OK ... in der Not.


Greife ich zur Selbsthilfe:

Wenn Pinotage ein Kreuzung aus Cinsault und Pinot Noir ist, dann müssten ja ein reinrebiger Cinsault und ein reinrebiger Pinot Noir zusammengeschüttet so etwas wie einen Pinotage ergeben. Oder wenigstens ein interessantes Erlebnis.

Ich höre sie schon aufschreien und teile vorsorglich eine Portion virtuelles Riechsalz aus: SUSA!!!!!, mit Wein spielt man nicht! Doch! Wo steht das? Und: Du kennst doch wohl den Unterschied zwischen einer Cuvée und einer Kreuzung. Geschenkt! Vor allem kann ich den Peter nicht im Stich lassen. Der Entschluss steht: Ich baue den Pinotage nach!

Übrigens ist die Beschaffung eines Weines aus mindestens 80% Cinsault (hab ich mir als Regel vorgegeben) auch nicht gerade einfach, schließlich ist Cinsault der klassische kleine Verschnittpartner und wird selten mal reinrebig ausgebaut.

Aber der Fêtenhit meiner Jugend ließ mich nicht im Stich, 2012 Cinsault, Les Jamelles, Pays d'Oc. Nur der ist, jetzt müsst Ihr alle ganz stark sein, der ist rosé! Als Spätburgunder fand sich noch ein von einer kürzlich durchgeführten Verkostungsverpflichtung übrig gebliebener Spätburgunder 2012, QbA, trocken von den Mayschosser Genossen.

Zunächst die getrennte Verkostung:

Cinsault: klassischer Basis-Sommer-Rosé, Duft nach roten Johannisbeeren, Himbeeren, Gottseidank nicht dropsig, etwas wässrig, frische animierende Säure, trocken, nicht zu lang.

Spätburgunder: Feine klassische Pinotnase nach Blüten und Veilchenlakritz, allerdings eher angedeutet als ausgeprägt, am Gaumen schlank, auch hier nicht sehr intensiv, angenehme Säure, etwas  Kirsche, etwas sandiges Tannin. Ebenfalls passable Basisqualität, fein z.B. zur Roulade, die Hälfte in die Sauce, die andere Hälfte in den Koch.


Und jetzt bau ich mir einen Lower Rhine Region Pinotage aus den beiden Weinen.



50% Cinsault 50% Pinot
Öhhhhm, irgendwie schmecken die beiden noch ziemlich "getrennt", d.h. ich kann beide einzelnen Weine noch gut aus der Mischung herausschmecken. Die fruchtige Säure des Cinsault hebt das Ganze wie der Spritzer Zitronensaft einer langweiligen Sahnesauce Pep verleiht. Nicht schlecht, aber auch nothing to write home about.

2/3 Cinsault 1/3 Pinot
Nein, das ist es nicht. Die Dominanz des Cinsault tut der Sache nicht gut. Hier wird die Säure ein bisschen unangenehm, alles eher unausgewogen. Die eigentlich sehr angenehmen Fruchtaromen beider Weine sind zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Die fehlende Mineralität und Dichte von beiden  macht sich nun bemerkbar, so etwas bräuchte die Cuvée, um so etwas wie Charakter zu haben. (Ich hab von gestern noch einen sehr mineralischen Chardonnay übrig – soll ich? Versuch macht kluch, ein kleiner Schuss, jetzt passt's schon eher.)

2/3 Pinot 1/3 Cinsault
Ja, jetzt kommt's. Gar nicht mal so übel. Das hat zwar nichts mit einem Pinotage zu tun. Der ist ja ohne das Aroma verbrannter Gummireifen kein solcher, behauptet wenigstens meine Freundin Cordula. Haben wir hier nicht, dafür ein feines Bündel von Beerenfrüchten, Kirschen, ordentliche Säure, ein Hauch von Schokolade, hinten noch immer sehr kurz, aber zweimal kurz gibt beim Wein nun mal nicht lang.

Aber da geht doch noch was. Ist doch noch genug in den Flaschen.

80% Pinot 20% Cinsault
Heureka! Was immer es ist, es macht durchaus Spaß und wird ein toller Kandidat fürs heitere Rebsortenraten. Die Fruchtaromen sind nun in Harmonie, die Gerbstoffe des Pinot sind wieder spürbar und geben ein ordentliches Gerüst, ebenso die Säure. Der Wein punktet hier übrigens noch mehr bei Trinkern, die seine Vorgeschichte nicht kennen. Das ist doch ein gutes Zeichen.

In jedem Fall ist das einer, den die Riege der üblichen verdächtigen Rosé- oder deutscher Spätburgunderverächter durchaus trinken würde, scheint er doch die besseren Seiten beider Kombattanten herauszustreichen. Leicht gekühlt zur Grillwurst, Spanferkel oder auch zum Salade Nicoise – das kann ich mir gut vorstellen. Interessant ist übrigens, dass obwohl beide Einzelweine eher dünn sind, die Cuvée mehr Fülle im Mund bietet.

Ich hoffe, Ihr verzeiht mir diesen kleinen Spaß. Ich bin sicher, es wird noch ordentliche Pinotages bei dieser Rallye geben, ich bin schon sehr gespannt. Alle Ergebnisse findet Ihr dann hier.

Kanonkop, danke für das Bild, Peter Züllig


*Die Weinrallye ist ein monatlich stattfindendes Blogevent. Jeweils ein anderes Blog bestimmt ein Thema und ruft die Blogosphäre dazu auf, zu diesem Thema einen Artikel zu verfassen. Sinn und Zweck einer Weinrallye ist einzig und alleine der Spass und die Motivation schöne Themen aufzuarbeiten. Der Leser kann dann wie bei einer Rallye von BLog zu Blog navigieren und die verschiedenen Beiträge suchen. Der Gastgeber fasst alle Beiträge auf seinem Blog zusammen. Vorbild für die Weinrallye ist das von Lenn Thompson organisierte Blogevent Wine Blogging Wednesday, welches inzwischen zu einem Weltumspannenden Blogevent wurde.

Kommentare:

  1. Ich könnte mir vorstellen, dass 100% Pinot Noir und 0 % Cinsault vielleicht noch näher am Optimum gewesen wären.Vor allem aber bewundere ich Dein systematisches und quasi ingenieurmäßiges Vergehen ähh Vorgehen.
    Südafrika ist ja ein ganz wunderbares Weinland. Aber mit dem Pinotage hab ich's offen gestanden auch nicht so.

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    1. Ich glaube inzwischen auch, dass man ebenso viele Pinotages trinken muss, bis man einen guten findet, wie man Frösche küssen muss, bis man einen Prinzen trifft. Mein Blick war von dem hervorragenden Initialerlebnis etwas verstellt.

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  2. liebe susa, das ist jetzt wieder ein stück humor, das ich nicht verstehe. aber egal, pinotage habe ich eh noch nie bewusst einen getrunken.

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