Sonntag, 4. Mai 2014

Alle Jahre wieder!

In  manchem Jahr drei Wochen später in einem anderen wieder vier Wochen früher, aber ziemlich gewiss blühen irgendwann im Laufe des Frühjahres die Apfelbäume und die Rapsfelder unter einem malerischen blau-weißen Frühlingshimmel.

Die Freibäder und Eisdielen werden geöffnet, ab 17:30 Uhr riecht es aus irgend einem benachbarten Garten zuerst nach Brandbeschleuniger und später nach Grillfleisch und permanent ist ein feierabendliches Motorengeräusch eines Rasenmähers auszumachen. Saisonbeginn heißt das oder auf Neudeutsch -ausnahmsweise mal ohne Anglizismus- Angrillen, Anbaden, Anmähen, Anwandern, Anmotorradfahren undundund.

Das Besondere an so einem jährlich wiederkehrenden Zeitabschnitt ist die Durststrecke zwischen Beendigung und Start und die umso größer ausfallende Freude, wenn es wieder los geht, mit was auch immer. OK, ich gebe zu, ich kenne fast niemanden, der sich wie blöd auf den Beginn der Rasenmähsaison freut, aber ausschließen will ich es nicht.


Ungeschlagene Sieger solchen Saisongeschäftes können nach meiner Einschätzung nur solch populäre Sportereignisse wie die Fußballbundesliga oder die schnellen Autos der Formel 1 darstellen.


Besondere Freude allerdings gilt auch den kulinarischen Saisons, meist begonnen mit Bärlauch, gefolgt von Radieschen, Spargel, Erdbeeren, Himbeeren, Erbsen, Pfirsichen undsoweiter undsoweiter.


In der 180°-Niederlassung Nord freuen wir uns ganz besonders auf das hier in der Regel ab Mitte/Ende April mögliche "Anspargeln", was in diesem Jahr Dank der warmen Witterung sogar noch früher stattfand.
Mindestens zweimal die Woche gibt es dann Spargel frisch vom Spargelbauern ums Eck, schließlich wohnen wir hier in einem großen Spargelanbaugebiet. Während der Tausendsassa überwiegend als weißes Gemüse über den Verkaufstresen wandert um den Eigentümer zu wechseln, gibt es auch immer mehr Spargelbauern, die den grünen Anverwandten anbauen.
Wenn es schnell gehen soll, nutzen wir gern den Schälservice direkt auf dem Hof, schicken die Spargelstangen zu Hause in den Dampfgarer, kochen ein paar Kartoffeln dazu und schmelzen ein bisschen Butter, fertig.
Allerdings würden wir dem feinen Gemüse damit mitnichten Genüge tun, denn es kann so viel mehr und passt mit wirklich vielen anderen Zutaten ganz hervorragend zusammen, wie die Rezeptvielfalt  in  unzähligen Blogs (und natürlich auch bei 180° Grad) zeigt ;o)
Kürzlich ergatterte ich beim "Fremdgehen" bei einem Spargelstand in Lüneburg neben dem weißen eben auch grünen Spargel aus heimischem Anbau. Der sah so schön frisch und gar nicht trocken oder labberig aus, so dass ich...genau...zuschlug und je ein Pfund weißen und grünen mit nach Hause nahm.

Das Ergebnis des anschließenden Küchenaufenthaltes waren fingerfoodtaugliche Spargelbuletten, die mit einer Avocado-Tomaten-Salsa ganz vorzüglich schmeckten:

Spargelbulettchen mit Avocado-Tomaten-Salsa 

Salsa
1 Avocado
Saft und geriebene Schale einer Biolimette
2 Frühlingszwiebeln
8 Datteltomaten (ich hatte das Glück sehr aromatische, dünnschalige Bioware zu bekommen)
1 EL Avocadoöl
1 TLWeißweinessig
Salz, Pfeffer, Chili (getrocknet, gemahlen oder frisch fein gewürfelt)
Agavendicksaft (oder Kristallzucker oder Honig)

Avocado halbieren, Stein herausnehmen, Fruchtfleisch mit einem Esslöffel herausheben und fein würfeln, Limettensaft und -schale unterheben. Das Weiße und Hellgrüne der Frühlingszwiebeln ganz fein würfeln. Tomaten ebenfalls würfeln und alles vermengen. Öl und Essig unterrühren, abschmecken und abgedeckt im Kühlschrank durchziehen lassen.
Zum Schluss Rucola waschen, trocken tupfen, die Stiele einkürzen, die Blätter in feine Streifen schneiden und zur Salsa geben.

Bulettchen
500 g weißen Spargel
500 g grünen Spargel
1 Ei
1 Eigelb
1-2 TL  Basilikumpesto
2-3 EL (Reis)Mehl
Salz, Pfeffer
(Mais)Paniermehl
Butterschmalz


Weißen Spargel schälen, vom grünen Spargel die unteren, harten Enden abbrechen (wenn man vorsichtig vorgeht, brechen die Stangen genau an der richtigen Stelle), die unteren Enden noch ein wenig schälen. Anschließend die Spargelstangen grob raspeln, etwas salzen, kurz stehen lassen und ausdrücken. Ei, Eigelb, Mehl (ich hab aus Gründen Reismehl verwendet, Weizen- oder Dinkelmehl geht natürlich genauso gut) unterrühren, würzen und rasch zu kleinen Buletten formen, in dem Paniermehl wenden und in Butterschmalz goldbraun braten, warm stellen. Wenn die Masse verbraucht ist, die fertigen Bulettchen mit der Salsa, welche im Übrigen auch hervorragend zu knusprigem, rustikalen Brot passt, servieren.


Und weil die Spargelsaison noch einige Wochen anhält, und ggf. noch nach dem ein oder anderen passenden Rezept gesucht wird, hier noch einige 180°-Spargel-Rezepte zum Nachkochen:

extravagante Vorspeise: Spargelterrine aus grünem und weißen Spargel mit Speckeis
Perefekte Partnerschaft: Lauwarmer Spargelsalat mit Eiern, Erbsen und Minze

Kommentare:

  1. Seit es den grünen Spargel hier frisch vom Feld gibt (erst seit ein paar Jahren und immer recht spät in der Saison), liebe ich ihn sehr. Der ist dann so frisch, dass man nicht einmal das Ende abschneiden muss. Auf so ein ausgefeiltes Rezept wie Deine Spargelfrikadellen, bin ich allerdings noch nicht gekommen. Die sehen phantastisch aus!

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    1. Grüner Spargel bringt geschmacklich ein bisschen Abwechslung in die Saison, ich mag auch sehr gern (wie auch hier) eine Kombi aus beiden Sorten.
      Überraschend war übrigens der Geschmack der Bulettchen. Sie waren Bestandteil eines kleinem Mitbringbuffets und ich hab die Ladies mal raten lassen. Es hat gedauert, bis der Hauptbestandteil ermittelt war.

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  2. Deine Salsa gab's bei uns gestern Abend als Amuse zusammen mit einer gebratenen Sardine, das war auch sehr gut. Spargelbuletten wären natürlich viel krativer gewesen. Während der erste saisonale Saisonhöhepunkt, das Bärlauchfieber, komplett an uns vorbeigeht, freuen wir uns auf den Spargel auch jedes Jahr sehr. Seit letztem Jahr gibt's bei unserem Spargellieferanten jetzt auch den etwas später gestochenen, mit den kräftig lila Köpfen wie auf Deinem Bild oben. Den mögen wir besonders.

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    1. Meine Bärlauchhypezeiten sind auch vorbei. Ich hab welchen im Garten, den ich gern mal unter einen Kräuterquark oder in eine Butter rühre, das wars meistens auch schon.

      Seitdem die Spargelbauern wegen des reinen Weißes überwiegend unter Folie anbauen, bekommt man den aromatischen mit den lila Köpfen nur selten. Mein Haus- und Hoflieferant macht das Foliengedöns nicht mit und da bekomm ich ihn schon eher.

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    2. Kannst du übrigens Gedanken lesen? Oder wie kommt meine Salsa an deine Sardine? :)

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    3. Offen gestanden war es ein Amuse im Restaurant. Und obwohl ich jetzt nicht der weltgrößte Guacamole Fan bin, habe ich nach dem Rezept gefragt. Es war Deines! Nur einen Tag früher :-). Übrigens gab es noch ein kleines Pesto aus teilweise frittierter und teilweise frischer Brunnenkresse dazu. Das muss ich auch noch mal ausprobieren. Das könnte auch zu Deinen Spargelbouletten passen.

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  3. Super-appetitlich! hab noch nie dem Spargel beim Wachsen zugesehen - sieht toll aus. Und das Frühlingsbild ist genau so wie es am schönsten ist. Das möchte ich immerzu aus meinem Fenster sehen.

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  4. Spargel ist in der Tat nicht nur lecker, sondern auch äußerst fotogen ;)

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  5. Am Büdchen mV ist der violette Spargel sogar um einen Euro preiswerter.
    Ich muss allerdings noch schwer daran arbeiten, den heimischen Spargelhorizont von Spargel, zerlassene Butter, junge Kartoffeln, kein Schinken in andere Richtungen zu erweitern.

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  6. Susa, ich gestern auf einem Bremer Wochenmarkt erstmals auch violetten Spargel gesehen und gekauft. Ich habe ihn probeweise ganz puristisch über Dampf gegart und....??? Der ist ja richtig lecker, er schmeckt ein wenig intensiver, nussiger als der weiße. Den hatte ich als Gegenspieler.
    LG Anne48

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  7. ...ich habe gestern....muss es natürlich heißen, sorry.
    Anne

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