Freitag, 28. März 2014

Weinrallye #72 - Das beste Fass



Heimat!

Das ist der Ort, der einem vertraut ist, den man kennt und in dem man gekannt wird. So nimmt es nicht wunder, dass dieses kleine Zipfelchen Frankreich irgendwo im Fadenkreuz zwischen Nizza, Marseille und Draguignan gelegen für mich schon lange so etwas wie Heimat ist.

Zu Heimat gehört übrigens auch, dass man nicht unbedingt darauf erpicht ist, sich die Sehenswürdigkeiten anzusehen, für die Touristen ewig weit anreisen. Warum auch, die laufen ja nicht weg, nächste Woche ist auch noch Zeit, oder wenn schlechtes Wetter ist oder irgendwann mal. Nur so ist es zu erklären, dass ich Château Gasqui in der Provence noch immer nicht besucht habe, obwohl ich jeden Urlaub mindestens drei Mal daran vorbei fahre und mir jedes Mal vornehme, dass ich aber wirklich mal hingehen sollte.

Das Château liegt so zauberhaft in einer lieblichen Landschaft hinter dem Maurengebirge, leichter Wind bläst zarte Wellen ins Gras, ein Kiefern- und Korkeichenwald umgibt das Gelände, es herrscht eine wunderbare Ruhe, nur hin und wieder unterbrochen von ein paar Krähen, die sich um ein Futterstück zanken, und ein wenig Grillengezirpe.

Wir haben häufig in den angrenzenden Wäldern gepicknickt und innerhalb einer Stunde sind gerade mal zwei Autos auf der Landstraße vorbei gefahren.


Aber wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt Monsieur Miglio eben nach Düsseldorf zur ProWein (man betont es übrigens vorne PRO-Wein, wahrscheinlich als Gegensatz zu Contra) und es ist reiner Zufall, dass ich ihm begegnet bin, eigentlich wollte ich nur zur Lounge einer bekannten lateinischen Weinzeitschrift. Aber dann schlenderte ich am benachbarten Gemeinschaftsstand von demeter-Winzern vorbei und da stand es "Château Gasqui – Côtes de Provence". Wenn das kein Zeichen war.

Unser Gespräch war lang und herzlich, die nachfolgenden Verkostungen verzögerten sich um mindestens 30 Minuten. Seine Weine, einmal Rosé – ein ganz hervorragender, Champions League sag ich nur – und ein Weißer - haben mir wunderbar gefallen (warum bin ich Trottel nicht schon früher mal dahin gefahren). Für diesen Urlaub haben wir einen Besuch fest verabredet und zur Bekräftigung hat man, wie der Franzose so nett sagt, seine Koordinaten ausgetauscht.

Dann müsste ich mir nicht nur sein Château (= Weingut, nix mit Adel) ansehen, und den Garten und den See vor der Tür, in dem seltene Fische und Tierarten ihre Heimat hätten.

Zurück zum Kernanliegen unseres Treffens, schließlich waren wir auf einer Weinmesse. Ob er denn keinen Rotwein mache. Ja schon, aber ...

Monsieur Miglio lässt seine Weine lange im Keller reifen, sein aktueller Rotwein ist aus dem Jahr 2008 und da war er noch nicht zertifiziert (wiewohl er bereits nach den demeter-Prinzipien arbeitete) und er wollte gegen keinerlei Statuten verstoßen, indem er nicht zertifizierten Weine präsentierte. Aber wo ich nun schon mal da wäre ...

Feines Stöffchen der Rotwein und sein Name point-G (französisch für G-Punkt) spielt auf die vielen Gs an, die an dem Wein beteiligt sind. Erstens kommt er ja von Château Gasqui, das zum kleinen Ort Gonfaron gehört, besteht zur Hauptsache aus Grenache und wenn ich mich recht erinnere, beginnt der Vorname von Madame ebenfalls mit G.

Jetzt müssen wir aber langsam mal zum besten Fass kommen.

Er hätte da noch was, das müsste ich jetzt auch probieren, sein ganz besonderer Wein, den könne man nicht kaufen. Davon mache er nur etwa 1000 – 1200 Flaschen in besonders guten Jahren und der wäre für seine besten Freunde und ein paar Restaurants, und natürlich für ihn selber. 50% Grenache und 50% Syrah in neue Barriques gelegt (für den G-Punkt legt Miglio den Großteil des Weines ins große Holzfass von 2000 l und ein bisschen in Barriques in Zweit- oder Drittbelegung). Die Barriques seien übrigens nicht irgendwelche sondern von seinem Freund, einem Tonnelier. Der besuche ihn regelmäßig und eines Tages seien sie bei einem Spaziergang durch den angrenzenden Wald ins Philosophieren gekommen über seine Vision vom besten Wein von Gasqui.

Zurück im Limousin hat der Freund dann die richtigen Hölzer ausgesucht, nur eine ganz bestimmte Eichensorte erschien ihm passend, und das beste Fass (bzw. deren vier) für den besten Wein gemacht, in die der

 
2007 Corps et Âme
Château Gasqui, Côtes de Provence

gelegt wurde und etwa 16 Monate lang gereift ist. Corps et Âme, das heißt Leib und Seele.

Auch die Fässer gibt es für niemanden zu kaufen, es ist eine Kooperation zwischen, man kann es kaum richtig übersetzen "amis artisans", also Freunden, die beide in ihrem Metier Meister sind – so ungefähr.

Vom hervorragenden 2007er Jahrgang sind ihm gerade mal um die 60 Flaschen geblieben, und wie es der Zufall wollte, hatte sich eine Kiste davon in seinem Auto zur ProWein befunden. Es wurde dann auch gleich eine Flasche geöffnet. Vom ebenfalls sehr guten (in der Provence) 2006er hat er noch ungefähr 600 Flaschen, ich käme ja demnächst vorbei.

Der Wein hat wirklich Spaß gemacht und nicht nur weil ich gleich beim ersten Riechen den wunderbaren Duft von warmem Gras, Korkeichenwald, Lavendel und Oliven in der Nase hatte.  Tief dunkelrot im Glas funkelnd, am Gaumen weich und samtig, ein wunderbar mürbes Kirscharoma, Lakritz, Kräuter, ein mittellanger ziemlich dichter Abgang mit einer zarten Mineralnote. Der Wein hat noch ziemlich kräftige Tannine und eine nicht aufdringliche aber gut stützende Säure, der hat noch ein langes Leben vor sich, länger als die meisten seiner Appellationskollegen, die nach fünf bis sieben Jahren getrunken sein wollen. 10 Jahre mindestens meint Monsieur. Ohne jeden Zweifel die Referenz der Kollektion, an der sich die anderen, vor allem der rote G-Punkt messen lassen müssen. Aber das können die.

Und wenn wir das gewusst hätten, dass wir uns treffen, dann hätte der Wein bestimmt auch ein bisschen Zeit an der Luft bekommen.

Mit Blick auf meine Handtasche meinte Monsieur Miglio bei der Verabschiedung, die böte ja sehr viel Platz, ob die denn ganz voll sei und eh ich mich's versah, steckte auch schon eine Flasche drin, die ich gerne noch einen halben Tag durch die Messe geschleppt habe.

Die beiden demeter-Weine stelle ich demnächst auch einmal vor, so fein wie die waren.



Dieser Artikel nimmt an der März-Weinrallye teil, Ihr wisst schon, das allmonatliche Wein-Blogevent zu einem bestimmten Thema. Thema ist heuer "Das beste Fass!" und soll all die Weine einmal vorstellen, die man nicht kaufen kann, oder nur in homöopathischen Dosen zugeteilt bekommt. Die besonderen Cuvées eben. Gastgeber ist "Mister Priorat", Torsten Hammer. Er führt durch die Rallye und fasst am Ende des Tages alle Beiträge auf seinem Blog zusammen.



1 Kommentar:

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