Freitag, 7. März 2014

Heute ist...




...genau, Tag der gesunden Ernährung, allerdings "nur" national, international wird heute der Weltgebetstag der Frauen begangen, welcher sicher auch reichlich Stoff für eine interessante Diskussion liefern würde. Allerdings ist dies kein Thema, welches in unser Blogportfolio passen könnte, so dass ich mich heute mit ersterem beschäftige.

Zunächst wirft sich mir die Frage auf, ob es reiner Zufall ist, dass wir diesen Tag in diesem unseren Lande genau einen Tag nach dem internationalen Tag der Tiefkühlkost feiern. Mich wundert direkt, dass ich gestern von keinem der einschlägigen Lieferanten des TK-Fertigproduktes Nummer eins, der Fertigpizza, keinerlei Belobigung zu diesem Tag vernommen habe. Das mag möglicherweise daran liegen, dass bei dieser äußerst umsatzstarken Sparte der Lebensmittelindustrie aufgrund der florierenden Geschäfte jeden Tag Feierlaune herrscht.

Na gut, gestern war gestern und heute ist heute. Eigentlich wissen es doch die meisten, denn Hinweise wie
wenig Zucker, viele Ballaststoffe, wenig Fleisch und wenn, dann nicht so fettes, viel Fisch und viiiiel Obst und Gemüse, am besten mindestens fünf Portionen am Tag sowie sparsamer Umgang mit Alkohol beinhalten die Dogmen zur gesunden Ernährung der Ärzte und Ökotrophologen hierzulande.

Klingt doch ganz einfach, oder? Und auch irgendwie bezahlbar, wenn man bedenkt wie hoch der Kilopreis von Kartoffeln in Chipsform von feinen Pralinchen oder all dem anderen süßen sündhaften Industriezeugs ist. So ein Apfel, ein paar Karöttchen oder ein Spitzkohl sind da preislich deutlich angenehmer, insbesondere, wenn bei der Zubereitung dann noch auf fette Sahne und Butter verzichtet wird, gibt es zusätzlices Einsparpotenzial.

Und doch greifen wir immer wieder gern zu den teuren Dingen, die auf lange Sicht nicht nur ordentlich propper, sondern auch krank machen können.
Is(s)t man dann schließlich zu sehr in die Breite gegangen, kommen die nächsten und greifen tief in den Geldbeutel der schwachen Seelen. Als Gegenmittel gibt es zu Hauf Bücher oder Zeitschriften mit DER Diät schlechthin oder kostenpflichtige Ernährungsprogramme, die Hintergrundinformationen, Spielregeln und Einblick in die Geheimnisse des Gesund- und Schlankseins liefern. Oder aber es gibt gleich DAS Nahrungsergänzungsmittelchen zur gesunden, ausgewogenen, fettverbrennende Ernährung. Und so fungieren wir als Spielball zwischen Nahrungsmittelindustrie, Hochglanzmedien, Diätautoren und -erfindern sowie Herstellern von Abnehmprodukten.
Wenn dann noch die angesprochenen Ärzte und Ernährungswissenschaftler in die medizinische Übergewichtskerbe hauen, bekommt jeder in diesem Netzwerk etwas von dem großen Kuchen, den wir mühselig versuchen, von Hüften und Bauch zu bekommen.

Aber mal ehrlich, kann es denn wirklich als gesund gelten, wenn ich nur wegen einer Konfektionsgröße oder eines mir von der Gesellschaft eingebläuten Schönheitsideals noch die letzten vier Kilo unter Verzicht und Entbehrung mit einer gehörigen Portion Übellaunigkeit mit reichlich dressingreduziertem Salat und Low-Carb herunter hungere, mit der Gewissheit, dass ich sie in spätestens 6 Wochen wieder voll drauf habe und dass mir diese vier Kilo gesundheitlich nicht wirklich etwas anhaben können?

Und schlussendlich kommt ein weiterer Mitspieler der Lebensmittelindustrie um die Ecke und versucht mich mit pseudo gesunder Nahrung, die vollgepumpt ist mit irgendwelchen synthetisch gewonnenen Antioxidantien, zugesetzten Vitaminen, Omega sonstwas Fettsäuren oder Pflanzensterinen, die angeblich aktiv den Cholesterinspiegel senken. 
Gern würde ich mich darüber noch ein wenig aufregen, aber das sprengt den Rahmen, so dass ich zu diesen (und ähnlichen interessanten Ernährungsthemen) das Buch "Vom Verzehr wird abgeraten" von Hans-Ulrich Grimm empfehlen kann. Sehr interessant, an manchen Stellen unterhaltsam polemisch, aber grundsätzlich mit Nachdenkcharakter.

Und was nützt es denn am Ende, wenn ich mich für meinen Körper ausschließlich gesund ernähre, den optimalen BMI, Procal-Index, Waist-to-heigh ratio und Body-Adipositiy-Index gleichzeitig erreicht habe, aber meine Seele wegen der ganzen Entbehrung auf dem Zahnfleisch kriecht. 
Denn genau das tut sie, wenn sie auf Diät gesetzt wird und ihr die Kost, die sie insbesondere an melancholischen oder gar depressiven Tagen aus dem Stimmungstief holen kann, entzogen wird. Die schmelzige Schokolade, die knusprigen Chips, die weichen Lakritze oder Gummibärchen, die mürben Kekse, die süßen Weingummis, die traumhaften Karamellbonbons, der cremig Likör, der weiche Rotwein, der geschmackvolle fette Käse, die dick belegte Pizza, der buttrige Kuchen...jeder wird da sein eigenes Hausmittel haben. In den seltesten Fällen wird dieses aber aus einer Karotte, einem Apfel oder einer Scheibe Vollkornbrot bestehen, welche alle ohne Zweifen auch schmackhaft sind, aber eben meistens nicht vermögen die Seele aus einem Stimmungstief zu heben.

Aus diesem Grund appelliere ich heute, am Tag der gesunden Ernährung, die Nahrungsaufnahme einmal im Sinne der geplagten Seele zu gestalten.

Mein Vorschlag dafür ist dabei sogar auch gesund für den Körper, also so gut wie Win-win:


Radicchio-Risotto mit super schmelzigem Rosso Bianco und Erdnüssen
(2 Personen)

 1 rote Zwiebel, fein gewürfelt
Olivenöl
100 g Riosottoreis
50 ml Noilly Prat
600 ml Gemüsebrühe, warm
1 Radicchio di Treviso, Blätter und weiße Rippen getrennt in Streifen geschnitten
Parmesan, frisch gerieben
Sahne
schwarzer Pfeffer (aus der Mühle)
125 g Andechser Rosse Bianco (frz. Weichkäse), in Stücke zerteilt, zimmerwarm
frische Erdnüsse, in der Pfanne ohne Fett geröstet

Zwiebelwürfel in Olivenöl in einem Topf bei mittlerer Hitze hell anschwitzen, Risottoreis zugeben, glasig anschwitzen, mit Noilly Prat ablöschen, köcheln lassen. Nach und nach die Gemüsebrühe zugeben. Nach ca. 5 Minuten die Blattrippen vom Radicchio zugeben, kurz vor Ende der Garzeit (insgesamt ca. 20 Minuten, zwischendurch immer mal den Garpunkt der Reiskörner testen) die Blattstreifen (bis auf wenige für die Deko) unterrühren. Etwas Sahne angießen, mit Parmesan abbinden, mit Pfeffer abschmecken.
Das heiße Risotto auf Tellern anrichten und sofort den Käse darüber verteilen, damit er schön schmilzt. Zum Schluss mit den restl. Radicchio-Blättern und den Erdnüssen garnieren.


Ganz zufällig bewusst passt dieses Thema hervorragend, so dass das gesamte 180°-Team hiermit der lieben bushcook zu ihrem dritten Bloggeburtstag gratuliert. Wir wünschen ihr noch viele produktive, kulinarische Jahre und tragen mit diesem Gericht zu deiner Geburtstagsaktion "Winter-Soulfood" bei.

3 Jahre Bushcooks Kitchen - Blog-Event Winter-Soulfood

Kommentare:

  1. Mach das da oben sofort weg! Wenn Herr susa das sieht, isst er den Risotto nicht mehr.
    Immer erst das "richtige Essen", dann die Schokolade.

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    1. Das ist doch nur eine EINMALIGE Ausnahme, morgen gibts keine Schokolade mehr

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  2. Suse, sonst bin ich ja eher die stille Leserin (doof, ich weiß ;-)), aber heute sprichst du mir gleich zweifach aus der Seele: sowohl mit allem, was du über Diätenwahn und Essen, was uns aus dem Stimmungstief holen kann schreibst, aber auch mit deinem tollen Risotto.
    Ich könnte ja Risotto mehrmals die Woche essen und freue mich daher über jedes neue Rezept - deines hier sieht köstlich aus!

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    1. Hallo Eva, bei uns ist jeder Willkommen, ob nun still oder nicht. Freut mich, dass ich deinen Nerv getroffen habe, sowohl thematisch als auch kochtechnisch.

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  3. Hach, jetzt fühle ich mich aber sehr geschmeichelt und mir wird gleich ganz warm ums Herz. Das passt natürlich perfekt, weil im Hause bushcook fünf Risotti auf den Tisch kommen, bevor es einmal Spaghetti gibt. Vielen lieben Dank, dass Ihr beim Event dabei seid :-).

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    1. Bushi, das ist doch Ehrensache :-)

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  4. sehr schön. deine gedanken und vor allem dein risotto. mit reis hast du mich immer sofort. und überhaupt ist es so schön von dir wieder öfter was zu lesen, suse.

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  5. Sehrsehr fein! Risotto und die so adrett angebissene Schokolade :D

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  6. Risotto - köstlich! Bitte eine grosse Portion, ich lasse euch dafür die ganze Tafel Milka ;-)

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