Freitag, 27. Dezember 2013

Weinrallye # 70 - Schäumendes Glück



"You can take all that champagne stuff and pour it down the English Channel. Well, why wait 80 years before you can drink the stuff? Great vineyards, huge barrels aging forever, poor little old monks running around testing it, just so some woman in Tulsa, Oklahoma, can say it tickles her nose." Soweit Jessie, die resolute Mutter der bezaubernden Frances in "To catch  a thief", die hatte es mehr mit Bourbon und wie es aussah, vertrug sie eine ganze Menge davon.

Und es gibt eine ganze Menge Menschen, in der Hauptsache Männer, die stimmen ihr da unumwunden zu. Ich vermute, es sind die gleichen, die sogar zu einer Migräne Zuflucht nähmen, bevor sie mit ihrer Angebeteten Filme wie "Sleepless in Seattle" oder DEN Taschentuchfilm aller Zeiten "An affair to remember" ansehen würden, "Casablanca" geht so gerade, wenn man/Mann an den "Stellen" rausgehen und für Getränke- und Taschentuchnachschub sorgen kann. Was auch besser ist, sonst quatschen sie nur in die allerrührendsten Szenen rein "Here's looking at you, kid!"

Churchill allerdings hat den wahren Wert eines guten Champagner verstanden: "In success you deserve it and in defeat you need it!" Und zwischendurch? Wenn wir lediglich im Einerlei unseres Alltags vor uns hinplätschern, so ohne großartige Höhen und Tiefen? "Nothing  a glass of champagne couldn't fix!" Zugegeben, im Original heißt es " Nothing a little bourbon and soda couldn't fix!" aber da geht es mehr ums Vergessen. Wenn es jedoch ums Erinnern geht, wenn die Erinnerungen schön und luftig und prickelnd sein sollen, dann sollten nein dann müssen sie mit einem Glas Champagner verbunden sein.

Natürlich Winzersekt, Clairette de Die, Crémant d'Alsace, Cava, Prosecco spumante … die prickeln auch und es gibt ganz wunderbare drunter, die zu den Getränken gezählt werden müssen, die man einmal im Leben getrunken haben muss, wenn man in der Weinwelt mitreden will. Und es gibt jede Menge lausige Champagner, viel zu viele, da beisst die Maus kein Faden ab. Und trotzdem, es ist nur der Champagner, der dieses besondere Versprechen von Magie, von zart knisternder Erotik und kühler Eleganz hat, ein bisschen sündig, ein bisschen dekadent. Und selbst mit einem flachen ärgerlichen kleinen Supermarktchampagner versucht man noch, ein kleines Zipfelchen dieser Dekadenz, ein bisschen wohl dosierte Verschwendung, Glamour und Stil zu erhaschen. Da zählen auch keine Vernunftargumente wie "Für's gleiche Geld bekommst Du schon richtig Klasse Winzersekt! Oder Crémant!" Geschenkt! Manchmal kann es nur Champagner sein, selbst wenn er aus dem Discounter ist.


Und dann kommt es wieder um die Ecke, das prosaische Gesinnungskrokodil, lässt all die Gefühle nicht gelten und sagt: "Champagner ist letztlich auch nur ein landwirtschaftliches Erzeugnis! So wie ein Blumenkohl!" Leider versetzt einen das Kochen einer Blumenkohlsuppe niemals in diese fast übermütige Gefühlslage, die so ein wenig der Schmetterlinge-im-Bauch-Stimmung ähnelt, wie es ein Glas guter Champagner tut. Oder kennt jemand einen Präzedenzfall, bei dem ein verliebter Mensch dem Wesen seines Herzens bei Kerzenlicht und mit Rosenstrauß bewaffnet DIE Frage bei einer Bohnensuppe gestellt hat? Mit viel geschmälzten Zwiebeln und einem Glas Buttermilch?

Auch in unserem Haushalt erzeugt die Investition in guten Champagner einen wesentlich intensiveren Diskussionsbedarf als es zum Beispiel die alljährliche Bordeaux-Subskription tut. Und so freue ich mich, dass ich Lucette zu meinen Freundinnen zählen darf. Lucette ist Champagnerwinzerin in Crouttes sur Marne und ihre Champagner (*pssst sind viiiiiel zu billig) finden auch vor den kritischen Augen des unromantischen Herrn susa Gnade, mehr noch, er mag sie gerne trinken. Vielleicht weil er dann die resolute Lucette vor sich sieht, mit ihrem pragmatischen Verstand und der unfehlbaren Zunge. Lucette, die genauso gut Gemüse- oder Milchbäuerin sein könnte und deren guter Kamelhaarmantel immer ein wenig nach Mottenkugeln riecht, wenn wir uns auf der ProWein treffen, wo wir uns den neusten Klatsch erzählen und probieren, diese seelengute Lucette verbindet niemand mit Glamour und Dekadenz, sondern sie lässt einen auf einmal erahnen, dass der Weg zu einem umwerfenden Glas Champagner ein harter ist, geprägt von den Unwägbarkeiten des Wetters, von harter Arbeit und großen Können.

Mein Lieblingschampgner ist ihre Cuvée "Histoire d'Hommes", die es nicht jedes Jahr gibt, die letzte gab es meines Wissens 2004, eine Assemblage aus 10% Pinot Noir und 90% Chardonnay, im großen Eichenfass gereift und von wunderbar weicher Textur, einer zarten Perlage und feinen nussigen Aromen. Aus dem Glas strömt ein intensiver Blütenduft, der sich im Mund mit den feinen Pfirsich- und Aprikosenaromem verbindet, dazu noch Brioche und ein Hauch Butterscotch, und ein seidig-feiner Abgang. Lucette sagt, dieser von ihren Champagner sei dem großen Ereignis vorbehalten, dem eleganten Empfang mit Kaviar- und Trüffelhäppchen, mit Austern und Hummer und zartestem Schinken, eben all diese kleinen delikaten Gaumenkitzler, die er mit seinem schmeichelndem Prickeln erst richtig in Szene setzt.

"Brüder, kommt schnell her! Ich trinke Sterne"! soll Dom Perignon gesagt haben, als er zum ersten Mal von seinem Zufallsprodukt kostete.






An jedem letzten Freitag im Monat findet in der Wein- und Genussbloggosphäre die Weinrallye statt.

In diesen Monat lädt unsere Lieblingsholländerin und gute Freundin Cordula Eich auf ihrem Blog SuperSchoppenShopper zu DEM year-end Thema ein: Schäumendes Glück! Nicht, dass sie damit ein Schaumbad gemeint hat? *grübel

Die Rallyebeiträge finden sich am Ende die Rallye hier.







1 Kommentar:

  1. Ach, Champagner, ein schönes Thema! Darüber könnte man unter Weinnasen natürlich stundenlang debattieren, über verwendete Reben, Ausbau, Dosage und mit dem Gesinnungskrokodil natürlich auch über PLV&Alternativen; eins kommt mE bei der Champagnerdiskussion immer zu kurz: Guter Champagner ist supereinfach zu erkennen- wenn er harmonisch ist, also nicht nach China-Restaurant ( süss- sauer von den unreifen Grundweinen und pappig von der hohen dosage) schmeckt! Dann ist er das, was Freundin K "Gulp" nennt-ein köstliches Getränk, das wie Bier, Gin Tonic um so besser schmeckt, je grösser die Schlucke werden.

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