Montag, 2. Dezember 2013

180°-Adventskalender 2013 - Türchen Nr. 2 - von Ole

"Ein Tässchen Kaffee?" fragte Burgi in die Runde. Höflich erwiderte Uli "Recht gerne" und "Und an Quittenbrand" ergänzte Ole. Nur Eli winkte ab: Sie hätte es um diese Zeit nicht so mit Kaffee.

Nachdem alle sich zufrieden zurückgelehnt hatten, eröffnete Ole, dass er sie, seine Freunde, ins Zentrum dieser Weihnachtsmarkt-umtobten mittelalterlichen Stadt eingeladen habe, um ihm beim Ausgestalten eines Weihnachtskalenderadventstürls zu helfen. Er hoffe bzw. sei sich sicher, dass er mit ihrer Hilfe diese ebenso schwere wie verantwortungsvolle Aufgabe (direkt nach dem glänzenden Redner Matthias!) auch dieses Jahr irgendwie packen werde. Er denke da an eine lockere Novellenfolge a la "Decamerone“" wo ja ähnliches wunderbar geglückt sei.

Uli warf ein, dass die Pest natürlich ein mächtiger Motivator damals gewesen sein muss, aber Burgi unterbrach ihn und sagte: "Die Abende habe ich immer geliebt, die Kerzen aufm Adventskranz wurden angezündet und die Mama las uns eine Geschichte vor. Der Raum duftete von den tagsüber gebackenen Weihnachtsplätzchen und dem Adventteller mit Nüssen und Äpfeln. Die Erwartung auf den Heiligen Abend war immer groß, wir zählten die Tage und freuten uns über jede Kerze mehr die leuchtete."

An dieser Stelle unterbrach Uli und fragte, ob es nicht kritisch, er vermeide jetzt den Begriff "sozialkritisch", also in der heutigen Zeit hätte doch ein Hl. Josef unbedingt diese Hirten scharf zurechtweisen müssen: "Was? A Zuckerstangerl bringt’s dem Kind? Die könnt’s fei wegstecken! Oder wollt’s ihr den Bub schon als Kloanen kariös verseuchen? Und du, König, was? An Spargel ausm Morgenland? Ja habt’s denn ihr da hinten no nie was g’hört von Freud, Ödipus und am Phallussymbol? Seid’s ihr denn alle wahnsinnig? Ey, du da! Dei Lammerl kannst glei wieder einpackn! Der Bub wird Vegetarier!" So würd doch der Hl. Josef die Hirtn einen wie den andern anpfeiff’n - wenn sich die G’schicht heut zu’tragen hätt.

Es herrschte eine kleine Stille, in der Burgi die Kaffetassen abräumte und Ole einen Wein aus dem Kühlschrank holte. Der Wein hatte den Hl. Urban auf dem Bebberl, der

Chardonnay Smaragd 2011
Weingut Emmerich Knoll, Wachau.

Man habe das Weingut im Sommer spontan besucht, erläuterte Ole lehrreich, damals nach der Überschwemmung, der Winzer sei von ihnen etwas derangiert echt ausm Mittagsschlaf gerissen worden, hätte ihnen aber dann ausgesprochen freundlich seine Weine zur Probe geboten. Beim Chardonnay hätte er kommentiert, dass die Sorte zwar nicht in die Wachau passe, er lasse ihn aber wachsen, weil der eh an andern Boden braucht als der Grüne Veltliner oder der Riesling. Dabei habe er ihn, Ole,  prüfend angeschaut, worauf Ole, der einen Boden-Basics-Kurs im Naheweingut Sonnenberg besucht hatte, steil genickt habe.


"Wenn ich was erzähln derf?" sagte Eli. "I war vier Jahre alt, als i mei erste Bekanntschaft mitm Herrn Krampus gmacht hab. Damals hab i noch gar net g’wusst, was a Krampus überhaupt is. Aber mei Oma hat zu mir g’sagt, des sei der Teifel und der würd mi am Krampustag holn kommen und in sei Kraxn steckn, mitten auf d’Nacht, des macht der Teifel mit alle Kinder, die des Jahr über ned brav g’wesen sind. Und wia i dann den Adventskalender von der Oma gschenkt bekommen hab, hat sie mir erzählt, i darf jeden Tag ein Türchen davon öffnen. Als i nach einem Tag bemerkt hab, dass hinter jedem Türchen a Schokolad liegt, hab i alle Türchen aufgmacht und die Schokolade aufg’essen. Da hat die Oma g’schimpft mit mir! Und die Mama hat zu mir g’sagt, wart’s nur ab, Derndl! Am Krampustag wirst schon sehen, wast davon hast! Da kommt di der Kramperl holen, dir wird der Nikolaus dieses Jahr nix bringen, du kriegst nur Schläg vom Krampus."

Es war spät geworden. Müd, satt saß die Runde noch ein wenig zusammen, eh man sich verabschiedete. "Du wirst das Türl schon packn!" sagte Uli zum Ole, "Du bist ja der geborene Erzähler!" Und als die Adventstürlgschicht 1 Jahr später immer noch nicht fertig war, korrigierte er sich, dass Ole halt doch nicht der geborene Erzähler sei.

Wenn der Ole darauf besteht, dass er doch nicht der geborene Erzähler sei, dann ist er aber unbedingt der geborene Nicht-Erzähler. Erst hat die Toni ja meint, dass der Ole immer so kryptisch sei, obwohl sie doch beide Bayern sind, würde sie ihn nicht immer verstehen. Der Ole ist lebt ja auch schon lange im Baden-Württembergischen Exil. Und er schreibt die allerbesten Türchen (wir verhandeln schon für nächstes Jahr.)

1 Kommentar:

  1. "Und Du, König, was? An Spargel.... " Bei so'ner Anrede kriegt jeder Royalist Gänsehaut, klasse. :-)

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