Freitag, 4. Oktober 2013

Neuer Wein und Zwiebelkuchen


Latürnich, „Regional und Saisonal“ ist Klimaneutral, schlägt Bio und macht Gutmenschen. Da kann auf solche Banalitäten wie zum Beispiel „Geschmack“ keine Rücksicht genommen werden.

Oder anders ausgedrückt, das Grauen hat einen Namen:

 „Neuer Wein und Zwiebelkuchen“. 

Allerorten wachsen die entsprechenden Schilder an strategisches Stellen und locken arglose Passanten in Ihren kulinarischen Treibsand.

Schon die Bezeichnung „Wein“ ist eine arglistige Irreführung. Weil ernsthaft niemand den Plan haben kann, dass diesem hinterhältigen Most eine Weinwerdung zu prognostieren ist. Dieses Zeug ist ganz entschieden eine Mehrzweckwaffe; greift es doch Kopf und Bauch gleichermaßen an.



Da die Geschmackspapillen ohnehin schon süß verklebt sind, fällt es auch nicht weiter auf, dass der Zwiebelkuchen sehr gerne von mäßiger Qualität ist, die vom langen Warmhalten nicht direkt gesteigert wird. Auch das Aufwärmen in der Mikrowelle ist ganz großes Tennis.




Anderseits, nach einer ausgiebigen Wanderung in klarer Herbstluft ist so ein frischer Zwiebelkuchen etwas Feines.

Hefeteig
250 g Mehl
1 Ei
100 g Butter
Salz
125 ml Milch
20 g Hefe

  • Zutaten miteinander verrühren und etwa eine halbe Stunde gehen lassen. Wer mehr Zeit hat, kann die Hefemenge reduzieren. 
Füllung
1 kg Zwiebeln
Speckwürfel nach Wunsch (50 - 100 g)
250 ml saure Sahne
2 Eier
10 – 20 g Mehl
1-2 TL Kümmel
Salz

  • Zwiebel schälen, halbieren und in Scheiben schneiden. 
  • In der Butter gründlich weich dünsten, aber keine Farbe nehmen lassen (das dauert durchaus einige Zeit) 
  • Speckwürfel anbraten 
  • mit der Sauren Sahne, den Eiern, Mehl, Kümmel und Salz verrühren und mit den etwas abgekühlten Zwiebeln vermengen. 
  • Teig ausrollen und auf ein gebuttertes Kuchenblech legen. 
  • Füllmasse gleichmäßig über den Teig verteilen im Backofen bei 220° etwa eine Stunde backen.
Und was spricht dagegen, einfach einen richtigen, einen guten Wein dazu zu trinken? Zum Beispiel einen „Traminer trocken 2011“ von Wein & Gut Frank in Brackenheim, der mit feinem Schmelz, dezenter Süße und schönen Aromen (Rose, Muskat, Litschi) ein geeigneter Spielgefährte ist.


Ach ja, vergesst mir den Warenkorb von der Suse nicht! Die bisherigen Beiträge haben so Spaß gemacht, dass wir sicher sind, dass da noch was geht.

Kommentare:

  1. Ich muss gestehen, dass mich dieses Thema "Regional" zusehends nervt, weil es so ganz offensichtlich in vielen Fällen nur ein Marketingtrick ist, um miese Qualität unters Volk zu bringen. Nicht nur bei Federweißem und Zwiebelkuchen.
    Wenn die Qualität der Produkte stimmt kaufe ich gerne regional, wenn nicht, läßt mich meine persönliche CO²-Bilanz kalt.Nein, ich kaufe keine angegammelten Zwiebeln, nur weil sie von einem Bauern aus dem Nachbardorf kommen. Und wenn es der Obstbauer um die Ecke nicht hinkriegt Äpfel zu prodizieren, die nach was schmecken, nehm' ich die von anderswo. Liebe Lebensmittelproduzenten, regional heißt nicht, dass man sich keine Mühe geben muss.
    Im Übrigen hab ich meinen Federweißen wie fast jedes Jahr selbst gemacht. Und da das dieses mal ziemlich ungenießbar war, gibt's bei uns heuer auch keinen Zwiebelkuchen. Und das find ich gar nicht so schlimm, obwohl Dein Rezept ganz sicher mindestens Senior-Praktikanten-Niveau hat!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt; "Regional" wird zusehends vom Inhalt zum Aufkleber.

      Der Umstand, dass Du einen Federweißen selbst herstellst, ist allerdings ein Hinweis, dass der auch schmecken kann. Vielleicht muss ich meine sehr grundsätzlichen Ressentiments doch überdenken...

      Löschen
  2. ich habe inzwischen fast alle meine Kunden davon überzeugen können,endlich nicht mahr nach dem Beaujolais Primeur oder Nouveau zu fragen.Wann hören die Leute endlich auf Federweissen zu saufen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Muster ist vermutlich: "Was nicht zu genießen ist, will gesoffen werden." ;-)

      Löschen
  3. Man kann doch die regionalen Erzeuger nicht genug unterstützen. Erst gestern hab ich von einem Stage Manager über die Wünsche der großen Rockstars für ihre Garderoben und Hotelzimmer gelesen. Einer wollte 2 kg Gras aus regionaler ökologischer Erzeugung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also das finde ich jetzt nicht zu viel verlangt.

      Löschen
  4. Schöne Einleitung, sehr vergnüglich!
    Bei uns nennt sich das Gesöff wenigstens "Sturm", das ist zumindest ehrlich und weist darauf hin, was einem in Kopf und Gedärm nach dem " Genuss" dräut.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Thema erinnert ja auch an Deine Definition der "leeren Kalorien", die ich (und ich glaube die Chefinnen auch) als einzig gültige übernommen habe.

      Löschen
  5. "kulinarischer Treibsand", sehr schön! Darin könnte man doch so einiges verschwinden lassen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, hat mir auch gefallen. Aber das Verschwinden lassen wird wohl nicht gelingen.

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Dieses Blog durchsuchen

Follow by Email

Aus Küche und Keller

#kochtag (2) 180° Adventskalender (89) 180° der Film (2) 180° Fussballwette 14/15 (3) 180° Hauptversammlung (2) 180° Hauptversammlung 2012 (10) 180° reloaded (35) Aachen (3) Advent (3) Alemannia (3) alltagsküche (2) Alter (4) Amuse (6) Apfelsaft (1) Aquitaine (1) Aromen aus 1001 Nacht (16) ATK-Bloggeburtstag (5) auf die Schnelle (49) aus der Hand (47) aus Fluss und Meer (64) Australien (2) Auxerrois (1) Backen (5) Backhaus (3) Backtag (33) Baden (2) Barbarazweig (1) Barbier (2) Barrique (2) Bauanleitung (3) Beiwerk (34) bellet (1) BiB (1) Bierzo (1) Bio (5) Bistroküche (4) Blaufränkisch (1) Blauzungenmarathon (2) Bordeaux (27) Bourgeuil (1) Brot (5) Bruno (2) Buch (2) Buchmesse (1) Bullshitbingo (1) Burgund (4) Butter (1) Cabernet (1) Champagner (6) Chardonnay (14) Châteauneuf (1) Châteauneuf-du-Pâpe (1) Chicorée (1) CocaCola (1) Cote d'Azur (3) Côte d'Azur (2) Cotes du Rhône (1) Crémant (1) Cru Bourgeois (1) Currywurst (1) Cuvée (2) Dessert (38) Dessous (8) Diät (4) Dornfelder (3) Edelzwicker (1) Ei ei (6) Elsass (4) Endlich Frühling (48) Erben Spätlese (1) Erbsensuppe (2) Erdbeeren (1) Erntedank (42) Etikettentheorie (4) Federvieh (31) Ferien (1) Fern(k)östlich (19) Figeac (3) Film (2) Fisch und Krustentiere (2) Flüchtlinge (1) Fotoworkshop (2) Franken (2) Frankreich (13) Frankreich; Bistroküche (2) Freundschaft (2) Frühling (25) Frühstück (1) Fußball (8) Gargantua (1) Garmethode (1) Garnacha (1) Gebäck (8) Geflügel (4) Gemüse (7) Gemüsegarten (7) Geschenke (1) Gesellschaft (14) Getränk (4) Gewürzmischung (1) Gewürztraminer (9) Grauburgunder (2) Graves (1) Grenache (2) Grundrezept (3) Grüner Veltliner (2) Heidschnucke (2) Herbst (42) herzhaft (19) Hipster (1) Hochbeet (1) Holland (2) Hörncheneisen (1) Hühnersuppe (2) Iris (1) Italien (10) Jahresrückblick (1) jetzt wird's Wild (19) JSDEDBDW (1) Jugend (1) Kamptal (1) Karneval (1) Käse (17) Keller (3) Kindheitserinnerung (11) Klimawandel (1) Kobler (3) Kofler (1) Köln (1) Kork (1) korrespondierende Weine (37) Kuchen (1) Küchenklassiker (49) Küchentechnik (14) Kunst (4) Lachs (1) Lafite (1) Lagrein (1) Lambrusco (1) Lamm (9) Landwirtschaft (1) Le Mirazur (1) Lebensmittelproduktion (4) Lemberger (1) Lichine (1) Limonade (1) Löffelweise (48) Loire (1) Loriot (1) Madiran (1) Mais (2) Mallorca (2) Märchen (6) Margaux (1) Marsanne (1) Mencia (1) Menu (15) Menü (104) Mercurey (1) Merlot (2) mindestens haltbar bis... (20) Mittelrhein (1) Mosel (4) Mourvèdre (2) moussierend (4) Müller-Thurgau (2) Naturwein (1) Neujährchen (3) Neuseeland (2) nichtFischnichtFleisch (94) Niederlande (3) Niederrhein (1) Nikolaus (4) nizza (1) norddeutsch (1) nur so (29) nur so... (74) OBÜP (1) Oma (6) Oper (3) Orange Wine (1) Osterbrunch2012 (9) Ostern (11) Österreich (6) Parker (1) Passito (1) Pasta (46) Pavie (1) Perlhuhn (1) Pfalz (7) Picknick (13) Pinot Grigio (2) Pinot noir (1) Pinotage (2) Plätzchen (3) Playboy (1) Port (2) Portugal (4) Primeur (1) Primitivo (1) Priorat (2) Prosa (1) Prosecco (1) Provence (9) Punk (2) Raclette (1) Rebholz (1) regional (1) Restaurant (5) Reste (6) Retsina (1) Rhabarber (1) Rheingau (5) Rhône (3) Rieslaner (3) Riesling (27) Rind (4) Rindvieh (47) Risotto (2) RoeroArneis (1) rosa (2) Rosé (7) Rotwein (6) Roussanne (1) Roussillon (1) rückwärts garen (1) rund ums Mittelmeer (65) Saar (1) Saft (1) Saison (1) Salat (4) Saucisse de Morteau (1) Sauternes (2) Sauvignon blanc (5) Sauzet (1) scharf (4) Schatz (1) Schuhe (1) Schweinerei (24) Seelentröster (4) Sekt (6) Shiraz (3) Silvaner (2) Silvester (2) Sirup (1) Skrei (1) Sommelier (5) Sommer (57) Sommerküche (86) Sommerpicknick2012 (9) Sommerwein (8) Sonntagsbraten (20) Sorbet (3) Souldfood (1) Spanien (3) Spargel (1) sparkling (2) Spätburgunder (4) St. Emilion (3) St. Estèphe (1) St. Julien (1) St. Peter Ording (1) St.Estèphe (3) Stein (1) Steinlaus (1) Subskription (1) Südfrankreich (1) Südtirol (9) Suppe (7) Süßstoff (84) Süßwein (9) Syrah (5) take 5! (9) Terroir (1) Test (1) Theater (1) Tomate (11) Tomtenhaus (1) Torte (1) Toskana (1) trocken (1) Trollinger (1) Trüffel (3) Tulpen (1) Urlaub (15) vegetarisch (11) vendredisduvin (1) vermouth (1) Vinho Verde (1) Vinocamp (1) Vitamine (2) vom Grill (23) Vorspeise (86) Walch (1) Wanderhühner (1) Weihnachten (10) Weihnachtsmenü (35) Weihnachtsmenü2010 (4) Weihnachtsmenü2011 (7) Weihnachtsmenü2012 (5) Weihnachtsmenü2013 (4) Weihnachtsmenü2014 (5) Weihnachtsmenü2015 (4) Weihnachtsmenü2016 (6) Weihrauch (6) Wein (26) weinfreak (1) Weinmärchen (2) Weinrallye (56) Weißburgunder (2) Weißwein (5) wermut (1) Westerhever (1) Wichteln (3) Wien (2) Wiesn (4) winepunk (1) Winter (44) Winterküche (94) Winzer (1) Wuppertal (1) Würrtemberg (5) Württemberg (7) Zinfandel (2) Zitrone (5) Zukunft (1) zwischen Küste und Alpen (204)