Freitag, 9. August 2013

Letztes Post vor der Sommerpause



Nein, so kann ich nicht arbeiten!

Letztes Post vor der Sommerpause, das muss ein Knaller werden. Witzig, informativ, amüsant! Und natürlich auch mit einer wichtigen Aussage, also politisch und gesellschaftlich relevant! Und ein tolles Rezept! Und ein noch tollerer Wein! Ich weiß doch, was ich unseren Lesern schuldig bin. Und der Leo sagt auch …

 Aber, Himmelherrgottsakrament noch mal, oder wie Oma vwG zu fluchen pflegte "Herrjottmarjattjosef" (Hergott, Maria und Josef!) wie kann man die notwendige Konzentration aufbringen, wenn draußen vor der Tür nichts weniger als das Grauen herrscht. Während ich also hier versuche Pausenbrotrettung, Veggieday, Staatsdoping, NSA-Überwachung und die letzten Trash-TV-Skandale ich gut lesbare Form zu bringen, regiert direkt vor meiner Tür der Horror:

Die Nacktschnecke!
Die Nacktschnecke!!

Mein Hirn kann keinen klaren Gedanken fassen. Jede noch so vage Idee wird überlagert von grausamen Bildern rostroter Schleimwürste, deren gefräßige Vorderpartie alles in meinem Garten zermalmt, was ihr in den Weg kommt. Nur den Horn-Sauerklee und den Liebstöckel verschmähen sie, diese gefräßigen Ungeheuer. Da könnten sie allerdings mal regulierend eingreifen. Stattdessen sind ihnen die Bohnen, die Petersilie, das Basilikum, die Cosmeen und sogar die Blätter der Zierdistel zum Opfer gefallen. Salat sowieso. 

Nix da. Bildungsauftrag hin, Leserwillen her – das wird heute doch nix mehr. Raus zum Schnecken sammeln! Man soll sie durchschneiden. Kann ich nicht. Oder mit Salz bestreuen. Kann ich auch nicht. Schneckenkorn, nee. Kaffeesatz ausbringen. Das hat dem Basilikum den Rest gegeben. Ich nehme die ausgelesene Tageszeitung, zerreiße sie in etwa DIN  A 5 große Stücke und sammele mittels Zeitungspapier die Schnecken auf. Jede einzelne wird fest in Zeitungspapier gedreht, so dass sie nicht entfliehen kann. Die gesammelten Papierhäufchen, jeden Morgen und jeden Abend so 20 an der Zahl, werden gut in das restliche Zeitungspapier verpackt und in die Biotonne befördert. Da seh ich sie dann nicht mehr und raus können sie auch nicht. Mir egal, ob das human ist, bei Nacktschnecken hört meine Mitleidensfähigkeit auf.

Und ich weiß nicht mehr, was ich schreiben wollte. Wird Zeit, dass Ferien kommen. Auch zum Kochen hab ich keine rechte Lust und wenn Herr susa heute ankäme und petit gris haben wollte, ich glaube dann würde ich an seiner Zuneigung zu mir wirklich zu zweifeln anfangen.

Wenn es so richtig heiß ist, mach ich lieber was vom Grill, dann hab ich keine Lust, in meiner ohnehin schon fast 27°C warmen Küche noch weitere Hitze zu verbreiten. Und in der Hitze dort lange rumzustehen.


Schweinebraten vom Kugelgrill mit Kartoffeln nach Art der Ch'ti (4 Personen) 


gegrillter Schweinebraten

1 kg Schweinebraten (Nacken- oder Rippenstück)
1-2 Schalotten
2 Knoblauchzehen
2 EL Senf
2 Wacholderbeeren
4 Pimentkörner
10 Pfefferkörner
1 TL Muskatblüte
etwas Fenchelsamen
2 Zweige Thymian
Abrieb und Saft einer Biozitrone
Neutrales Öl (Raps oder Sonneblume)
100 ml Gin
2 Zweige Rosmarin


Zwiebeln und Knoblauch fein würfeln, den Thymian rebeln, die Gewürze kurz in der Pfanne anrösten und dann im Mörser mittelfein zermahlen, aus allen Zutaten mit Ausnahme der Rosmarinzweige eine Marinade rühren und das Fleisch darin einlegen, mit dem Rosmarinzweigen bedecken, mindestens 5 Stunden bei kühler Raumtemperatur (Keller) ruhen lassen, hin und wieder wenden.

Das Fleisch herausnehmen, trocken tupfen und bei mittlerer direkter Hitze von allen Seiten gut anrösten, dann bei indirekter Hitze etwa 30 Minuten fertig grillen, KT 63-65 °C.


 Es empfiehlt sich, eine größere Menge Braten zu grillen. Das Fleisch schmeckt am nächsten Tag kalt aufgeschnitten mit Joghurt-Kräutersauce, Sauce tatare oder Remoulade wunderbar, dazu entweder Brot oder Bratkartoffeln.


Kartoffeln nach Art der Ch'ti

8 überwiegend festkochende neue Kartoffeln, gewaschen
1 Knoblauchzehe, frisch
100 g Crème double
Salz, schwarzer Pfeffer gemahlen
Alufolie
Öl zum Fetten der Folie

Die Kartoffeln längs halbieren, auf die Schnittstelle legen und oben mittig ein- aber nicht durchschneiden. Die Knoblauchzehe schälen und in 16 feine Blättchen schneiden (Dicke eines Mandelblättchens), in jeden Schnitt ein Knoblauchzehenblättchen stecken. Die Schnittstellen mit Crème double bestreichen, salzen, pfeffern und die Kartoffeln wieder zusammensetzen, in leicht geölte Alufolie einwickeln und ca. 25 Minuten (je nach Dicke der Kartoffeln) bei mittlerer Hitze grillen oder in der Glut garen.


Und wer sagt, dass bei heißem Wetter nur leichte Weißweine angesagt sind? Zu kräftigen Röst- und Raucharomen passt wunderbar ein Rotwein, ein Bordeaux. Allerdings muss man mit dem Knoblauch sehr sparsam umgehen, die Kartoffeln dürfen nur einen Hauch Knoblaucharoma haben, wird das zu intensiv, dann ist es schade um den guten Wein, der gegen das Aroma ankämpfen muss.

Der Wein sollte bei heißem Wetter, getreu nach der Devise "warm wird er schon ganz von allein" etwas kühler ausgeschenkt werden. Dazu haben wir ihn im Temperierschrank auf die Ebene gelegt, die sonst eher einfacheren Rotweinen z.B. aus der Provence vorbehalten ist, die 15-16°C-Schiene. Das Glas beschlägt sogar ein wenig beim Einschenken, immerhin sind es draußen noch knapp 30°C. Und nach jedem Einschenken muss die Flasche zurück in den Kühlschrank, wo sie aufrecht steht.

2003 Château Pichon-Longueville Baron
Pauillac, Bordeaux

Der würde nicht mehr lange Freude machen, wurde schon allenthalben geunkt, aus diesem Hitzejahr 2003, keine Säure, kein ordentliches Tannin, wegtrinken bevor es zu spät ist.

Tja, Totgesagte leben länger. Der Wein entwickelte an der Luft einen wunderbar würzigen Duft nach Johannisbeere, Pflaume, auch Leder, Zigarrenkiste und Mocca, und am Gaumen fühlte er sich samtig und schon ein wenig wollüstig an, Kraft und Eleganz  wunderbar verbindend, neben den weichen fruchtigen Noten auch erdiges Mineral und Bitterschokolade. Fein strukturiert, gut eingebundener Alkohol und unaufdringliche Säure, sicher schon sehr reif, vielleicht sogar kurz vor dem Höhepunkt, aber ich befürchte keinesfalls ein Zusammenbrechen in den nächsten Jahren. Zehn Jahre hab ich da sicher noch großes Trinkvergnügen mit. Der Abgang war recht lang und weniger kraftvoll als elegant und vielschichtig.

So, jetzt geht's mir besser! Schöne Ferien noch, am 27.08. sind wir wieder für Euch da!

Suse, Toni, susa, Gottfried
und Leo!

Kommentare:

  1. Ich habe auch das Gefühl, dass die nacktschnecken immer gemeiner werden. Mir haben sie heuer die Lust am Garteln echt verdorben. Der Wein klingt ja verführerisch... Schönen Urlaub wünsche ich allen hundertachtzig Grädern!

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    1. Ich gebe nicht auf, ich greife jetzt dich zur Chemiekeule. Man hat mich überzeugt. Heute morgen schon wieder 23 Stück.

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  2. Bis 27.8.? Das sind etwas weniger als drei Wochen. Das kann man ja gerade noch so aushalten.
    Und zu Deinen Nacktschnecken. Da lässt Du euer teichgestütztes Feuchtbiotop runderneuern und wunderst Dich dann, dass alle Schnecken im Radius von 5km diese Einladung in euren Wellnesstempel annehmen?
    Gegen Nacktschnecken helfen übrigens Igel. Es darf einen halt nicht stören, wenn es neben der Terrasse deutlich vernehmbar schmatzt :-)

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    1. Unsere Igelfamilie ist leider ausgewandert, ich starte noch mal einen Anwerbeversuch. Chinesische Laufenten sollen ja auch sehr effeketiv sein.

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  3. Einen schönen Urlaub euch allen!

    Und die Omma hat die Nacktschnecken ja mit dem Messer erledigt. Gerne untermalt mit den Worten *SO! Die stirbt jetzt den Heldentot*...

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    1. Meine Oma auch; beim Gartenumgraben hat sie sie auch mit dem Spaten zerteilt und untergegraben. War bestimmt ein wunderbarer Dünger.

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  4. Oder mit der Gartenschere...

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    1. Man entwickelt langsam sadistische Anwandlungen, gell?

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  5. Igitt igitt Pfui bäh ekliges Getier. Du hast mein vollstes Mitgefühl. Angeblich gibt es eine Sorte Nacktschnecken, die sogar schön anzuschauen sind da etwas bunt, die ihren hässlichen Verwandten den Gar ausmachen - sowas hat zumindest eine Userin im Brotbackforum zum Besten gegeben ;-) Herzlichst Nadja

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    1. Noch mehr Schnecken??? Na ja, wenn' hilft. Danke für den Tipp.

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  6. Der neu ins Münchner Umland verlegte Chaoshaushalt meldet Interesse am Besuchtwerden an. ;)

    Mein persönlicher Gärtnerschreck waren zwei Raupen, die sich an Radieschen-, Rettichblättern, Zitronenmelisse und Zitronenverbene gütlich taten. Inzwischen konnte ich die Puppen von beiden entsorgen.

    Vor zwei Jahren oder so hab ich mal gelesen, man könnte Laufgänse halten / ausleihen, die wären sehr auf Schnecken scharf. Aus eigener Erfahrung spreche ich damit aber nicht.

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    1. Herzlich willkommen im Münchener Umland, hoffentlich nacktschneckenfrei,

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    2. Um wahrheitsgemäß zu antworten: ich hab schon welche gesehen (den ausgewachsenen Regenfällen sei Dank), aber nicht im von mir bewohnten "Oberstübchen".

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