Samstag, 31. August 2013

Des Rätsels Lösung - Weinrallye #66



im Hintergrund links unser Lieblingsleser MatthiasH
Wie konnte es wohl anders sein, bei dem gestrigen Weinrätsel handelt es sich um den

1990 Château Figeac
St. Emilion Grand Cru Classé B.


Und diese Hinweise waren  im Text versteckt:

Der für das Gut so typische Ton – der klassische Figeacstinker – ist ein kleiner (oder manchmal auch großer) Stallton, ohne den ist ein Figeac einfach kein Figeac.

Laut Robert Parker ist der 1989 Figeac "disappointing", enttäuschend – der hat vielleicht immer die falschen Flaschen erwischt. Den 1990er hingegen hält er für besser als den 82er.

Wegen insbesondere des hohen Cabernet Franc Anteils und seiner für St. Emilion ungewöhnlichen Lage auf einer dicken Kiesschicht ist ein typischer Figeac den Médocs ähnlicher als den St. Emilions und einer der Ablehnungsgründe zur Heraufstufung zu Classe A war in der Tat der zu niedrige Preis, der der Bedeutung eines Premier Grand Cru Classé A nicht angemessen sei. Nun ja, schon meine Oma vwG pflegte zu sagen: Wat nix kost, dat is auch nix.

Der Korrekturstift wurde nicht, wie einige Rater vermuteten, auf einem Etikett angesetzt sondern es gibt eine nette kleine Geschichte um den unvergessenen Thierry Manoncourt, den vor einigen Jahren leider verstorbenen Besitzer: Parker hat ihn - so heißt es - besucht und ihn gebeten, im Exemplar seines Bordeauxführers die Seite über sein Château zu signieren, wie er das bei allen Châteaubesitzern zu tun pflegte. Das tat Thierry und dann sah er den Satz: "... can be compared with a Medoc Second Growth ..." und das hat er natürlich nicht auf sich sitzen lassen, Second durchgestrichen und First drüber geschrieben. Und er soll im Familienkreis später gesagt haben, wenn er das eher gelesen hätte, hätte er die Seite gar nicht signiert.

Thierry Manoncourt, so wie man ihn in Erinnerung behalten will.
Thierrys Signatur ziert das Etikett vieler Figeac-Jahrgänge, allerdings nicht des 1990er.

Was die Weiberwirtschaft angeht: Nun hat seine Witwe, Marie-France Manoncourt, die Leitung des Hauses angetreten, die als Manoncourt sich aus dem aktiven Geschäft verabschiedet hatte, von seiner Tochter Laure übernommen worden war. Marie-France hat als erstes ihren Schwiegersohn, Eric d'Aramon, der lautlos und effizient in die Geschäftsführung der Nach-Manoncourt-Ära eingeglitten war, von seinen Pflichten entbunden (d.h. seinen Vertrag nicht verlängert) und den bekannten Weinmacher Michel Rolland als Berater verpflichtet. Wohl mit nicht weniger als dem erklärten Ziel, Château Figeac endlich in die erlesene Riege der Classe A Güter in St. Emilion zu bringen.

Das hätte Thierry so gerne erleben wollen, wer hätte es ihm nicht von Herzen gegönnt, nicht nur weil er ein charismatischer und enthusiastischer Weinliebhaber war, vor allem weil seine Weine etwas ganz Besonderes, Einmaliges waren und (noch) sind. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was die Pappnasen (excuse my bad French) in St. Emilion dagegen hatten. Nicht wenige Figeacfans befürchten nun, dass dieser einmalige unverwechselbare Stil des Châteaux dem hehren Ziel untergeordnet wenn nicht gar geopfert wird, egal wie sehr der Herr Rolland beteuert, dass er die Einmaligkeit des Hauses, die Herausforderung der drei Rebsorten (die Bestockung liegt bei ca. 30% Merlot und je etwa 35% Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc) und die Wünsche seiner Besitzer stets respektieren wird.

Ich bin jedenfalls froh, noch genug "alte Figeacs" im Keller zu haben.

Auch die Collage gab einige Hinweise. Das Bild oben links zeigt eine Ansicht von St. Emilion, rechts daneben einer der typischen Torpfosten in St. Emilion, natürlich vom Eingang zu Château Figeac, von dem unten rechts ein kleiner Ausschnitt zu sehen ist. Unten links ein wunderbares Beispiel für Thierry Manoncourts Humor, er lässt vor seiner Haustür ein weißes Pferd, ein cheval blanc, grasen, augenzwinkernde Anspielung an seinen noblen Nachbarn, Château Cheval Blanc, mit dem er sich durchaus auf Augenhöhe empfand.

Und das Jahr 1990 ist das des Tunneldurchstichs zwischen England und Frankreich.

Und der allererste, der das Rätsel ohne jede Hilfestellung meinerseits richtig geraten hat, war der harti aus dem Weinforum, schaut mal hier.

Château Figeac


1 Kommentar:

  1. Liebe Susanne
    Grossartig Deine Rätselidee. Auch wenn Du mich etwas verunsichert hast, habe ich es doch rasch herausgefunden. Figéac gehört seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsweinen. Ich war 2010 - ein paar Tage nach dem Tod von Thierry Manoncourt auf dem Château. Ein Kranz im Hof war das sichtbare Zeichen der Trauer (siehe hier die Bilder
    https://plus.google.com/photos/117358003387342801674/albums/5918274791132683377?authkey=CIiJ8tP80Z2y2gE
    Zufällig war eine Tocher im Hof, als ich fotografierte und ich konnte mit ihr länger plaudern. Ein Erlebnis. Vielen Dank für Deinen Beitrag. Wein hat halt doch auch viel mit Erinnerung zu tun.
    Herzllich
    Peter

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