Dienstag, 9. Juli 2013

Warum eigentlich nicht Helgoland?



Und noch eine Frage. Was haben Mexiko, Iran, Kurdistan, Nordrhein-Westfalen, Ungarn, Bulgarien, Italien, Madagaskar, Tadschikistan, Burundi und nicht zuletzt Helgoland gemeinsam? Ich wette Ihr kommt nicht drauf: grün, weiß und rot.
Komisch, oder? Bei all diesen Ländern bzw. Gebieten dominieren diese drei Farben das Erkennungsmerkmal, nämlich die jeweilige (National-)Flagge.

Stellte man sich aber an einem Samstag vormittag in die Fußgängerzone einer nahezu beliebigen deutschen Stadt und richtete an das vorbeieilende Publikum folgende Frage:"Welches Land verbinden Sie unweigerlich mit den Farben grün, weiß und rot?", dann wird wohl eine dicht an die 100%-Marke anreichende Mehrheit wie aus der Pistole geschossen mit "Italien" antworten.
Frage ich hingegen Wikischlaumeier nach den Bildern der Flaggen mit den entsprechenden Farben, schafft Italien es nicht einmal aufs Treppchen und erscheint erst an sechster Stelle.

Warum also diese unzertrennliche Suggestion bei den meisten von uns? Meine Theorie findet ihren Ursprung in den deutschen Wirtschaftswunderjahren, als sich unsere Altvordern zur Erholung in ihrem (Achtung Klischee!) VW-Käfer in den wohlverdienten Urlaub an den Gardasee oder die Adria machten. Noch heute zeugen die meist in den Dritten des öffentlich rechtlichen TV zum x-ten Mal ausgestrahlte Wiederholungen der Filme mit Caterina Valente, Vico Torriano, Heinz Erhardt, Peter Alexander, Peter Kraus, Conny Froboess uvm. davon.
Sommer, Sonne, blauer Himmel, Strand und die Tatsache, sich endlich einen Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände nach Jahren der Entbehrung leisten zu können, haben ein Lebensgefühl und eine Affinität zu Italien entwickeln lassen, die sich so tief eingegraben hat und durch die drei Farben visualisiert wurde, was bis heute anhält.

Doch die anderen Länder und Regionen wollten bella Italia den Rang ablaufen und entwickelten mangels so bedeutender Gemeinsamkeiten eine ganz eigene Taktik und versuchten über den Gaumen eine nachhaltige farbliche Zuordnung zu prägen.

Mexiko z.B. hielt Einzug auf den deutschen Tellern mit Guacamole, roten(!) Bohnen und Weizentortilla, wobei fairerweise gesagt sein muss, dass ein Weizentortilla nur im rohen Zustand durch strahlendes Weiß besticht. Und wer kennt nicht den bulgarischen Schopska-Salat dessen Hauptbestandteile durch Tomaten, Gurke und Salzlakenkäse gestellt werden ;o).
Ebenso hoch im Kurs und vielleicht sogar aussichtsreichster Aspirant war da die kleine deutsche Insel  Helgoland, die mit einem Schälchen roter Grütze mit Sahnehäubchen und Zitronenmelissendeko drohte, den Farbensieg für sich zu entscheiden.
Aber die Italiener wussten Rat, nutzten ihr dichtes Pizzeria-Ristorante-Netzwerk in der Bundesrepublik und etablierten den gutgemeinten grün-weiß-roten Tussiteller, der plötzlich nicht mehr nur gemeinsam mit Pizza quattro stagioni, Risotto Milanese und Saltimbocca angeboten wurde, sondern er befand sich ebenso mit Chefsalat, Apfelpfannkuchen, gebackenem Schafskäse, Jägerschnitzel und Flammkuchen auf den Speisekarten der einheimischen Gaststätten, Cafés und Kneipen. Wie auch immer sie das hinbekommen haben, wegzubekommen ist das nicht mehr, egal wie geschmacksneutral die Tomate oder wie zäh der Analogmozzarella auch sein mag. 1:0 für Italien würd ich mal sagen.

Mir solls Recht sein. Wäre es anders ausgegangen hätte ich die folgenden Teigtaschen möglicherweise auch nicht Ravioli, sondern Empanadas, Pirogi oder Nudeltaschen nennen müssen.

Also nun passend zur Jahreszeit mit landesflaggentypischer und kulinarischer Farbgebung, allerdings leicht variierten Zutaten:

Ravioli mit Ofentomaten und Ziegenfrischkäse

wegen derzeitiger Erfordernisse, hab ich für den Pastateig statt Weizen- Dinkelmehl verwendet, welches sich ausgesprochen gut bei der Verarbeitung und im Geschmack bewährte.


Pastateig
125g Dinkemehl 630
125 Dinkelgrieß
2 Eier
1 Eigelb
1/2 TL Salz
nach Bedarf etwas Wasser

Füllung
150g Ziegenfrischkäse
100 g Frischkäse
2 Frühlingszwiebeln
Butter
Pfeffer, Salz
1 Eigelb (Eiweiß zum Bestreichen aufbewahren)
 10 Ofentomaten

außerdem:
Butter
Basilikum mit Olivenöl zu einer Paste verarbeitet, alternativ Pesto
1 EL ger. Schale einer Biozitrone
Parmesan

Die Zutaten für den Teig gut verkneten, ggf. wenig Wasser zugeben, der Teig sollte aber tendenziell fest und trocken sein. Mindestens 1 Stunde in Folie gewickelt im Kühlschrank ruhen lassen. Dann
jeweils eine Portion mehrfach durch die erste Stufe der Nudelmaschine drehen,damit die Teigstücke geschmeidiger werden und anschließend auf die gewünschte Stärke ausrollen (bei mir: Stufe 7 von 9).
Ich hab bei der Herstellung von Ravioli immer Teig übrig, weil dieser in kleineren Mengen nicht mehr so schön zu verarbeiten ist. Ich schneide aus dem Rest Nudeln nach Wahl, trockne diese und freu mich, wenn wir eine schnelle, feine Mahlzeit davon haben.

Beide Frischkäsesorten verrühren. Frühlingszweibeln in feine Ringe schneiden und in Butter kurz hell anschwitzen, Masse abschmecken und das Eigelb unterrühren.

Ofentomaten halbieren.

Auf eine Pastabahn teelöffelweise Füllmasse geben, darauf ein Stück Ofentomaten legen. Eine zweite Bahn mit Eiweiß dünn bestreichen und diese auf die gefüllte Bahn legen, vorsichtig glatt streichen, so dass sich möglichst keine Luftblasen bilden.


Ravioli in kochendes Salzwasser geben und wenige Minuten garen. In eine Pfanne mit aufgeschäumter Butter umfüllen, Zitronenschale und ggf. etwas Kochwasser zugeben und durchschwenken. Mit Basilikumpaste und Parmesan anrichten.

Dieses Mal ausnahmsweise keine Tellergerichte. Jeder darf soviel nehmen wie er/sie möchte bzw. abbekommt ;o)

Die gesamte italienische Farbpalette lässt zunächst nur erahnen und erschließt sich erst beim Anschnitt...



...dafür erstrahlt mein Garten schon auf den ersten Blick ganz im helgoländisch- italienisch-burundischen Design.

Kommentare:

  1. Die Zitronenschale im Buttersaftl hat es mir besonders angetan.

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  2. Also das ist wieder mal ein „Suse-Bogen“ vom allerfeinsten; ich kann da nur gratulieren!

    Und die Pasta gefällt mir ebenfalls sehr gut. Und der Luzie auch; nur der arme Leo ist, glaube ich, zurzeit ein wenig vernachlässigt.

    Gefällt mir übrigens auch gut, das mal wieder was in der großen Schale auf den Tisch kommt. Es muss nicht immer alles auf dem Teller angerichtet werden. Und bei größeren Gruppen bietet sich das ja eh an.

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  3. Passt da eigentlich eine Rote Grütze als Dessert dazu? Dann wäre es doch vereint europäisch. Köstlich ist es ja sowieso.

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