Freitag, 21. Juni 2013

KISS



(C) Wikimedia Commons Licence

Don't panic: Ihr müsst Euch jetzt keine Musikbeispiele der inzwischen seit 40 Jahren in Amt und Würden spielenden amerikanischen Hardrock-Band anhören. Es reicht, wenn man sich die lustig geschminkten Herren ansieht. Das mit der Gesichtsbemalung war ja gar nicht mal so unklug, so kann der geneigte Fan die untrüglichen Zeichen der Hautalterung nicht erkennen und hält seine Bühnenidole für jung wie eh und je. Und auch der Austausch von Bandmitgliedern kann wesentlich unspektakulärer erfolgen.

KISS ist auch eines dieser beliebten Akronyme, u.a. bekannt aus den nicht weniger beliebten (*räusper) Mitarbeiter- oder Führungskräfteschulungen. Im Falle KISS gibt es eine Reihe von Langformen, die aber im Wesentlichen alle ein und dasselbe aussagen: Mach's nicht so kompliziert.

Keep it simple and smart
Keep it strictly simple
Keep it simple and straightforward

usw. usw.

Ich bevorzuge die Übersetzung: Keep it simple, stupid; was angeblich aus einem Designprinzip der US Navy entlehnt ist, wo es von einem Flugzeugkonstrukteur namens Johnson erfunden und propagiert wurde. Warum kompliziert, wenn's auch einfach geht. Dann kann es auch der Dümmste verstehen.

Wo war aber jetzt ein veritabler Nachfahre von Herrn Johnson, als die Fifa die Abseitsregel mal wieder verbesserte? (Der Leo hat gesagt, ich soll noch mal was über Fußball schreiben).

Denn zuerst gab es im Fußball überhaupt kein Abseits, war der Ball im Netz (oder hinter der Linie (Netze gab es zu Anfang ja auch nicht), dann zählte das Tor. Full stop. Die Engländer aber, die nun wie kaum jemand anderer den Regeln des Fair Play verbunden sind, befanden, dass es unfair sei, quasi hinter dem Rücken des Gegners ein Tor zu erzielen und so erließen sie im frühen 19. Jahrhundert in ihren Schulsportregeln die erste Abseitsregel. Nach ein bisschen Hin- und Herprobiere gab es dann ab 1925 die den meisten von uns noch aus ihrer Jugend bekannte Abseitsregel, die bis 1990 Bestand hatte.

Danach steht ein Spieler der angreifenden Mannschaft dann abseits, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist, als der letzte Spieler der verteidigenden Mannschaft, also kurz "Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift!".

1990 fand man, dass es zu viel Abseits gab und sann auf eine Vereinfachung: Wenn da hinten einer rumsteht, der eigentlich gar nichts mit der Sache zu tun hat, dann soll das in die Betrachtung, ob nun ein Abseits vorliegt, nicht miteinbezogen werden, er steht im so genannten "passiven Abseits" und das Spiel wird nicht abgepfiffen. Es gab und gibt, wie der geneigte Fußballfan sehr wohl weiß, Situationen, in denen man darüber streiten kann, ob ein Spieler im passiven oder aktiven Abseits steht. Die Entscheidung muss ein Schiedsrichter in Sekundenbruchteilen treffen. Deswegen gilt auch hier die Vereinfachungsregel: "Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift!"  (Die Sache mit dem strafbaren Abseits, also wenn der abseits stehende Spieler regelwidrig versucht, aus seiner Position einen Vorteil zu ziehen, erspare ich an dieser Stelle).

Inzwischen haben sich alle an die Sache mit dem passiven und dem aktiven Abseits gewöhnt und können einigermaßen damit umgehen. Und, natürlich muss man bei einem ordentlichen Fußballspiel auch immer was zum Aufregen haben.

neue Abseitsregelung ab Saison 2013/14 tbc
Ab der neuen Fußball-Saison (bei uns Deutschland beginnt sie am 09. August, übrigens mit dem all time Klassiker FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach) soll das mit dem passiven Abseits aber ein wenig differenzierter betrachtet werden. Wenn der – siehe oben – Spieler im passiven Abseits durch Dummheit des Gegenspielers oder göttliche Fügung (das mit der Hand lassen wir jetzt auch mal außen vor) ein Tor erzielte, so galt das, trotz Abseitsstellung. Nun soll es so sein, dass grundsätzlich Abseits vorliegt, wenn der Ball durch eine Abwehraktion zu einem gegnerischen Angreifer kommt, siehe Grafik, oder aber es gilt weiterhin die Vereinfachungsregel: "Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift!"

Hast Du das jetzt verstanden, Leo?

Wenn das Wetter so schon heiß ist, wie in den vergangenen Tagen, greife ich in der Küche auch gerne zu Vereinfachungen. Wer steht schon gerne in der Küche, wenn draußen die Sonne scheint und in den Garten oder an den kühlen Fluss ruft. Ich nicht. Außerdem steht mir dann auch nicht der Sinn nach aufwändigem Essen.

An heißen Tagen gerne einen Wurstsalat.

Nun verhält es sich mit Wurstsalat so wie mit Wiener Schnitzel, Königsberger Klopsen oder der Frankfurter Grie Sos, um nur einige Beispiel zu nennen, es gibt so viele einzig wahre und richtige Rezepte, dass man leicht den Überblick verliert. Und ein Rezept, das alle loben und nachmachen, muss nicht unbedingt das ultimative Schlossgeheimnis größter Küchenkunst sein. Wobei Rezepte von Manni natürlich immer für Qualität bürgen und der macht seinen Wurstsalat so.

Da ich persönlich es gerne mag, wenn die namensgebende Komponente eines Gerichtes dann auch den Hauptanteil der Zutaten stellt, habe ich etwas mehr Wurst genommen und weniger Käse. Und Äppler hatte ich keinen, aber den guten van Namen Quittensaft. Und so wurde mein Wurstsalat, der reichte gut für zwei Personen, aus folgenden Zutaten schnell gemacht:


300 Fleischwurst
75 g Edamer
1 Frühlingszwiebel
3 Gewürzgurken
2 EL Olivenöl
2 EL Rapsöl
2 EL Apfelessig
2 EL Holunderessig
1 EL Dijonsenf
2 EL Quittensaft
Piment d'Espelette
Petersilie
Salz, Pfeffer

Geht schnell und schmeckt, wenn der Salat ein bis zwei Stunden im Kühlschrank gezogen hat, am allerbesten. Und so ein paar Bratkartöffelchen dazu, sind doch schnell gemacht, Brot geht natürlich auch, dann liebe ich es, wenn die Butter eiskalt und ruhig ein wenig dicker drauf geschmiert ist (leider hält dieses wunderbare mouthfeeling bei Wärme nicht lange vor).



Dazu trinke ich durchaus gerne mal ein Bier, aber natürlich hatten wir ein Glas Wein, einen von der Sorte, die man gerne kühl trinkt, so um die 10°C, das Glas kann ruhig ein wenig beschlagen.

2009 Pinot grigio
Mario Schiopetto, Friaul

Die Kombination hat uns vor allem deswegen so gut gefallen, weil der Wein eine feine Bitternote hat, eben so wie man sie auch in einem guten Bier findet, nicht sehr ausgeprägt, sondern gerade angenehm.

Der Wein duftet nach Quitte und Stachelbeere (insofern war das mit dem "Verlegenheitsquittensaft" im Dressing gar nicht mal so dumm), zunächst eher verhalten, was aber sicher auch der kühlen Serviertemperatur geschuldet ist. Am Gaumen zeigt sich neben der bereits erwähnten Bitternote ein feines Aromenspiel von Grapefruit, Pfirsich und Kräutern, straff, saftig und ein nicht sehr langer angenehmer Abgang.

Ich möchte jetzt nicht dem Thema der übernächsten Weinrallye, der vom Juli, vorgreifen, wo Sommerweine das Thema sind, aber der hier ist das, was man von einem Sommerwein so landläufig erwartet, frisch, knackig, fruchtig (wenn auch nicht sehr intensiv), einfach aber nicht harmlos!

Die nächste Weinrallye findet übrigens ab nächste Woche Freitag statt bei unserem Bloggerfreund Thorsten und mit ihr beginnt der Weinsommer prickelnd, freut Euch drauf



Kommentare:

  1. Jetzt möchte ich aber noch wissen, was das mit Cordulas Schuhen zu tun hat!

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  2. ich habe ja keine Ahnung vom Fussball.Aber: Ist das jetzt einfacher geworden ? Ich dachte immer, ich wüsste in etwa, was Abseits ist.Ich lese mir das wohl besser noch ein paar mal durch.
    Dazu gibt es einen Wurstsalat
    Axel

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  3. Auja, Wurstsalat - das ist mal wieder eine Idee! Mit Käse heißt der im Badischen übrigens Elsässer Wurstsalat... warum auch immer. Aber es gibt ja bereits genug zum Nachdenken über das *Wie-genau-Ball-ins Tor*-Dingens ;O)

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  4. Wurstsalat fällt zusammen mit Rinderrouladen und Schweinebraten in den Kompetenzbereich von Hrn. Toni. Kann er hervorragend! Und die neue Abseitsregel hat er natürlich auch schon gekannt. Bleibt ja irgendwie auch alles beim alten...

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  5. Bei mir wären die Hautkomponenten im Wurstsalat etwas gröber und würziger: also Regensburger Würste oder grobe Lyoner und Tilsiter statt Fleischwurst und Edamer. Und nicht alles so winzig hergefisselt! Gern mag ich noch eine geschnittene Paprikaschote drin, auch ein paar Tomenstücke passen ganz gut. Ist zwar nicht mehr "orginal", aber was solls.
    Wein dazu bei mir ein einfacher, säurebetoner Riesling aus der Pfalz, oder halt ein Augustiner.

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  6. Das Gelingen solcher "einfachen" Gerichte garantiert stets die Verwendung qualitativ guter Zutaten, das Rezept spielt da nur die zweite Geige, erlaubt ist, was schmeckt lautet da die Devise und das hat deine Variante mit Sicherheit... geschmeckt.

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  7. Der schaut sehr lecker aus :)
    Piment d'Espelette werde ich das nächste Mal auch dazu geben!

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  8. Sag ich doch, Service wird hier groß geschrieben. Und in Fußball macht uns eh keiner was vor. Nicht umsonst nennt man uns auch „den kleinen Blatter“.

    Und selbstverständlich muss der Wurstsalat genauso gemacht werden, wie es hier aufgeschrieben steht. Jedenfalls weicht er bei mir kein bisschen ab. Nur dass die Blutwurst, die ich verwende, nicht aussieht wie Edamer.

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