Dienstag, 14. Mai 2013

Ein Ehepaar verkostet einen Wein - Teil 2




Teil 1 kann hier nachgelesen werden.




Es ist einer dieser schönen Frühlingstage, susa und Herr susa sitzen voller Urlaubsfreude bei einem kleinen Abendessen, träumen sich schon an die blaue Küste bei so ein bisschen Entenlebermousse mit etwas Salätchen und danach vielleicht ein paar Raviölchen, man stimmt sich auf den Urlaub ein. Und was wäre dazu besser geeignet, als eine Flasche Wein aus dem Urlaubsort, da haben wir doch letztes Jahr eine ganze Menge mitgebracht. Der muss ja auch weg, provenzalische Rotweine halten ja nicht für die Ewigkeit.


2008 Château de Pampelonne rouge
Provence AOC

Tief dunkelkirschrot liegt er im Glas. Vorfreudig Glas geschwenkt und gerochen und … eigentlich eher nichts.

Herr susa: Ich weiß nicht, ich hab ja auch noch ne kleine Erkältung, aber ich riech irgendwie nicht viel.

susa: Nee, irgendwie … nix.

Verkostungsdreikampf: Riechen, schwenken, schlucken. Riechen, schwenken, schlucken.

Herr susa: Was ist DAS denn, das hat aber mit dem Pampelonne, den ich kenne, überhaupt nichts zu tun.

susa: Hart, ein bisschen bitter, ich weiß auch nicht, gib ihm mal ein bisschen Luft, vielleicht kommt er noch.

Herr susa: Ach Quatsch, ein 2008er aus der Provence, wenn der jetzt nicht trinkreif ist, wann dann.

susa: Echt ruppig und garstig und ein bisschen bitter. Ob der vielleicht korkt?

Herr susa: Wer weiß was die mal wieder gemacht haben, ich trau denen ja alles zu, irgendwo irgendwas aufgekauft, Hauptsache die Menge stimmt und das Etikett ist nett. (Anmerkung: Das Etikett von Château de Pampelonne ist seit Jahren mein absolutes Lieblingsetikett. Leider erlauben es meine überschaubaren fotografischen Talente nicht, dieses wunderbare Hammerschlagpapier abzubilden.)

susa: Jetzt wird er ein bisschen süß, aber immer noch ein ruppig und diese dumpfe Bitternote.

Herr susa: Nee, davon trink ich nix mehr.

susa: Kork! Bestimmt!

Herr susa: Kein Kork! Bestimmt! Wie war 2008 denn so insgesamt?

susa: Weiß nicht genau, so mittel, 2007 war groß.

Herr susa: Das nützt uns aber jetzt nichts.

susa: Probier noch mal, ist Kork, bestimmt!

Herr susa: Kein Kork!

susa: doch Kork! Warte ich hol was anderes.

Hätte so ein netter Abend werden können und jetzt sitzt man nur da und hält sich an einem schrecklichen Wein auf. Kork oder nicht Kork? Das kann einem wirklich den ganzen Abend verderben. Und eigentlich ist es auch egal, der Wein schmeckt grauslich! Basta!

Herr susa: Ja, hast Recht! Kork!


Wer es jetzt nicht riecht und schmeckt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Kratzig, pappig, schimmelig mit etwas Brombeeraromen. Liebe Korkindustrie, habt Ihr Euch schon mal überlegt, dass Ihr Ehen auf dem Gewissen haben könnt? (Wenn ICH sage, das ist Kork, dann IST das Kork! Ist aber keiner! Doch! Nein! Doch! Nein! Meine Mutter hat damals schon gesagt …! Jetzt kommt DIE Leier wieder! Deine Nase möchte ich haben …! Scheidung! … Türenknallen links, Türenknallen rechts… Aufschluchzen…)

susa: OK, dann hol ich jetzt mal was anderes.

Bordeaux ist immer ne Bank. Wenn irgendwas die angeknackste Stimmung retten kann, dann ist das jetzt ein Bordeaux. Natürlich muss das nun einer sein, der nicht mehr lange lüften muss, sondern der gleich ins Glas kann, right out of the cellar, wie der gute alte James sagte.



1999 Château Kirwan
Margaux AOC

Korken gezogen, der Korken riecht angenehm, Wein ins Glas geschüttet. Auch dieser ist dunkelkirschrot, ein wenig noch ins bläuliche spielend. In der Nase feine Beerenaromen, Brombeere, Johannisbeere auch ein wenig Kirsch sowie Lebkuchengewürz. Im Keller war es wenig zu kalt, er hat jetzt ungefähr 16°C, also legen wir das Glas behutsam in beide Handflächen und hoffen, dass es ein wenig Wärme annimmt. Keine Fehltöne, allgemeine Erleichterung macht sich breit.

Und überhaupt, warm werden die Weine im Zimmer immer ganz von alleine. Und nun haben wir einen klassischen sehr charmanten Margaux mit dieser typischen Harmonie zwischen seidigen floralen Noten sowie Mineral und Gewürzen, auch ein wenig Leder und Bitterschokolade. Endet in einem mittellangen recht intensiven Abgang. Der macht uns Spaß und lässt den ganzen Ärger vergessen.

Der Wein passt erstaunlich gut zu der Salat-Terrinen-Kombination, wohl auch weil ich im Salatdressing auch ein wenig Brombeergelee verarbeitet habe und die Pilze in der Pastete mit der nussig-herben Note des Weines gut harmonieren.

Und was sagt der liebevolle Ehemann dann in einem solchen Fall? Warum denn nicht gleich so?


Kommentare:

  1. Sehr treffend die Korkdiskussion ;-)))

    Was die Korkindustrie angeht ist das hier ganz interessant: http://www.sternefresser.de/specials/gastbeitraege/gastbeitrag-vilgis-kork/

    Herzliche Grüße
    Anna

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    1. Haha, das ist dann die zweite Endlosdiskussion, ob man mit TCA behaftetem Wein noch kochen kann/soll/darf. Ich mach's. Das Problem ist nur, wenn es sich um einen anderen Weinfehler handelt, der NICHT verfliegt, d.h. der hitzestabil ist, dann hat man mit Zitronen gehandelt. ;o)

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    2. Und dann muss man sich nicht nur wegen einer schlechten / untrinkbaren Wein ärgern sondern auch um das schöne Essen! Doppelter Verlust... sehr tragisch... ;-))

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  2. H schliesst sich bei Korkverdacht immer meiner Meinung an, das ist bei uns kein Scheidungsgrund.
    Aber die Debatte, wenn eine meiner Weinentdeckungen sich als eher nichtssagend entpuppt, die ist ehegefährdend: weil (O-Ton H): warum musst du so "billige" (damit meint er zwischen 20 und 30 Euro, der Snob) Durchschnittsweine kaufen, die uns dann eh nicht schmecken, dabei hätten wir doch so einen wunderbaren Beaucastel/Chapoutier/Cos d'Estournel im Keller. Ich:"Ja, wenn es nach dir ginge, würden wir nach einem Einfamilienhaus auch noch einen Porsche vertrinken ...." usw.

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    1. uiuiui, DIE Diskussion kenn ich auch ;)

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  3. Also wenn Ihr mal länger verheiratet seid, dann wird auch der Herr Susa einsehen, dass er gar nicht Recht haben kann. B-)

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    1. Der Leo hat das schon eingesehen. ;o)

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  4. Meine Erfahrung: Wenn man sich nicht sicher ist, ob ein Wein Kork hat, dann ist es Kork. Für den Fall, dass es mal kein Kork ist, ist es irgendein anderer Weinfehler, mit dem Aufzuhalten es auch keinen Sinn macht.
    Und H hat recht- das Leben ist zu kurz für "Durchschnittsweine".

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  5. Beim letzten wirklich schmerzhaften Kork - Luzies Lieblingswein - waren wir uns sofort einig, dass der korkt. Und um so wichtiger ist dann ein adäquater Ersatz, Stichwort Reparaturwein... :D

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