Dienstag, 19. März 2013

Artgerechte Haltung?


Ich muss euch was erzählen! Ein Geheimnis! Zumindest ist es das derzeit noch. Es ist ein riesen Skandal, welchem ich auf der Spur bin.
Also seid so gut und behaltet es vorerst für euch. Ich kann es nicht, denn ansonsten platze ich. Ich muss es mit jemandem teilen, sofort. Es muss raus!

Aufgrund meines ausgeprägten Riechers (nicht zu verwechseln mit einem ausgeprägten Riechkolben) habe ich mich am Wochenende in höchste Gefahr begeben und Undercover recherchiert. Die Mühe hat sich gelohnt, denn ich bin auf skandalöse Zustände gestoßen. Es hat mich schon eine ganze Zeit gewundert, dass noch niemand sich dieses Themas angenommen hat, ich vermute es liegt an der Brisanz.

Seit einigen Jahren werden immer mehr Stimmen aus der Bevölkerung zur artgerechten Haltung von Tieren laut. Auch ich unterstütze dies, ganz eindeutig, aber ich frage mich seit längerem, wer macht sich für die armen Menschen, überwiegend Männer, stark, die sich jedes Wochenende einer Tortur aussetzen müssen? Ihr glaubt es nicht?

Hier, seht selbst:



Hinter diesem vermeintlichen Wochenendvergnügen steckt quälende Methode. Hier wird eine Dreiklassengesellschaft praktiziert, wie sie ungerechter nicht sein könnte. Parallelen zu Käfig-, Boden- und Freilandhaltung wie z.B. bei Legehennen, werden nicht mal versucht zu verbergen. Das alles spielt sich in einer zum Teil überdachten Baracke ab, welche sich selbst ganz hochtrabend als Stadion oder sogar als Arena betitelt. Unter den Augen eines Millionenpublikums werden hier verschiedene Gruppen von Menschen so offensichtlich unterschiedlich behandelt, dass es zum Himmel schreit. Und so konnte ich die Banalen, die Nutznießer und die Gewinner des Systems, die Privilegierten, ausmachen und näher betrachten.

Der zahlenmäßig stärksten Gruppe, den Banalen, wird die schlechteste Behandlung zuteil. Schon der Transport zum Ort des Geschehens ist für die meisten von ihnen eine Zumutung. Strecken von nicht selten mehreren hundert Kilometern sind zum Erreichen der Zusammenkunft zu überwinden. Wer in einem Bus anreisen darf, gehört noch zu den Glücklichen, denn hier sind zumindest Sitzplätze in ausreichender Zahl (für jeden einer) vorhanden. Regelmäßige Zwischenstopps ermöglichen auf dem Weg ausreichend Möglichkeit zum Nachgehen lebensnotwendiger Bedürfnisse wie z.B. Rauchen, Pullern und Auffüllen der Getränkereserven.
Dieses ist für die Bahnanreisenden oft nicht möglich. Eingepfercht in enge, überfüllte, schlecht belüftete Wagons, in denen weder geraucht noch getrunken werden darf, werden die Insassen auf eine harte Probe gestellt. Alle Nase lang hält der Zug kurz an, um noch mehr Banalen aufzunehmen. Durch laute, für Außenstehende oft unverständliche Ausrufe  machen sie ihrem Unmut nicht selten Luft. Und so kommen Einige von ihnen schon ganz benommen und torkelnd am Stadion an, arme Banalen!

 Nachdem sie sich nach Ihrer Ankunft an den Stadioneingängen von oben bis unten begrabbeln lassen mussten, werden die Banalen in die betonierten, asphaltierten, zugigen Bereiche gelenkt, wo sie dicht an dicht, zum Teil sogar stehend, die nächsten Stunden ausharren müssen. Einzig die Versorgung mit, wenn auch meist nicht sonderlich hochwertiger und völlig überteuerter, Nahrung sowie mit Getränken ist gesichert. Aktuell recherchiere ich den Zusammenhang zwischen den Getränkeingredienzien, und einer temporären Wesensveränderung, ich bin dicht dran!



Die zweite Gruppe, die Nutznießer, haben es da schon deutlich besser. Zu ihnen gehören alle, deren Anwesenheit im Stadion berufsbedingt erforderlich ist, ausgenommen die Privilegierten.
Im Gegensatz zu den Banalen, denen vor Eintritt z.T. horrendes Geld abgenommen wird, bekommen alle Nutznießer eine kleine Zuwendung für die widrigen Umstände, denen sie ausgesetzt werden. Auch sie müssen sich im Stadion auf zugewiesenen Plätzen einfinden, die aber deutlich mehr Komfort bieten. Die Sitzgelegenheiten sind großzügig dimensioniert, die Stehplätze am Rand der Naturfläche bieten einen gewissen Auslauf. Einer der Nutznießer darf sich sogar trillernd und gestikulierend über den gesamten, naturbelassenen Innenraum bewegen, was sonst nur den Privilegierten vorenthalten ist.

 Die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an die Nutznießer allerdings ist hoch. Sie stehen unter Leistungsdruck und müssen permanent plappern oder durch Kameras schauen und dauerhaft aufmerksam sein, damit ihnen nichts entgeht, was die dritte und zahlenmäßig kleinste Gruppe, die Privilegierten, so anstellen. 

Dieser Name ist Programm, denn allein für ihre Anwesenheit wird die ausschließlich aus Männern zusammengestellte Gruppe mit Reichtümern überhäuft. Neben Geld, Ruhm und Ehre wird ihnen auch die erforderliche Bekleidung von Kopf bis Fuß zur Verfügung gestellt. Und damit es nicht zur Verwechslung kommt, steht auf der Oberbekleidung sogar bei jedem der eigenen Name drauf. So finden die Privilegierten ihre Sachen immer wieder. 

 Die Privilegierten haben unglaublich größzügigen Auslauf auf 1a-gepflegten Naturflächen und können ungehindert ihrem Spieltrieb nachkommen. Wenn Sie mal keine Lust haben, dürfen sie auf bequemen Sesseln am Rand der Auslauffläche Platz nehmen und den Kameraden beim Spielen zuschauen. Damit sie keine kalten Füße bekommen, ist die Auslauffläche von unten beheizt. Trotz der zum Himmel schreienden gesellschaftlich-moralischen Ungerechtigkeit bewundern die Banalen die Privilegierten und besingen meistens freundlich ihr Spiel. 
Manchmal mischt sich auch ein Nutznießer mit schwarzer Hose ein und versucht einen Privilegierten zu maßregeln und ihm am Ausleben seines Spieltriebes zu hindern. Solch Handeln wird in der Regel durch schmerzerfülltes Schreien der Banalen quittiert.
Trotzdem für einen Außenstehenden dieses Treiben als durchaus harmonisch und tolerant eingeschätzt werden kann, bin ich bei meinen Untersuchungen bis zum (Ab-)Grund unserer Gesellschaf tvorgedrungen und habe die hier beschriebenen Missstände ausfindig machen können.

Und? Ist das nun alles (art)gerecht? Zur Verdeutlichung sollen die folgenden beiden Grafiken beitragen :o)



Ok, ich geb' euch noch einen Moment Bedenkzeit. In der Zwischenzeit mach ich mir was zu Essen, Rind, natürlich aus artgerechter Haltung.


Rinderrouladenscheiben mit Rotkohlfüllung
(4 Personen)


1 kleiner Rotkohl, ca 1 kg
2 rote Zwiebeln
Butterschmalz
250 ml Portwein
1 kl. Stück Zimtstange
3 Zweige Thymian
1 Lorbeerblatt
Salz, Pfeffer

4 Rinderrouladen à ca 200 g
Senf, Pfeffer, Salz

2 Händevoll Suppengemüse, klein gewürfelt (Sellerie, Karotte, Lauch)
500 ml Rotwein
Rinderfond
Thymian, Lorbeerblatt


Rotkohl und Zwiebeln putzen und in Streifen Schneiden. Butterschmalz erhitzen, Gemüse hineingeben und anschwitzen. Mit dem Portwein ablöschen, Gewüze hineinlegen und offen einköcheln lassen bis die Flüssigkeit komplett verkocht ist. Gewürze entfernen, abschmecken und abkühlen lassen.

Rouladen plattieren und jeweils zwei Stück mit der Längsseite überlappend nedeneinanderlegen. Mit Senf bestreichen und mit Pfeffer und Salz würzen. Die Hälfte der Rotkohls darauf verteilen und die Roulade von den kurzen Seiten her stramm aufrollen. Mit Küchengarn verschnüren. Aus den restlichen Zutaten eine identische Großroulade herstellen.
 

Butterschmalz in einem schweren Schmortopf erhitzen und die Rouladen von allen Seiten vorsichtig braun anbraten, herausnehmen, beiseite stellen. Suppengemüse in den heißen Topf geben, anschwitzen, mit etwas Rowein angießen, einkochen lassen und so oft wiederholen, bis der Wein verbraucht wird. Rouladen auf das Gemüse geben, mit Rinderfond angießen, bis die Rouladen fast bedeckt sind, aufkochen lassen und die Kräuter zugeben. In den vorgeheizten Ofen geben und bei 140°C ca. 1-1,5 Stunden garen lassen.



Rouladen entfernen, Fond passieren und ernuet augfkochen, etwas andicken und abschmecken. Rouladen vom Küchengarn befreien, in Scheiben schneiden und mit Petersilienwurzel-Kartoffelstampf und Speck-Apfel-Zwiebel-Stippe servieren.

Und für alle, die sich nun eine völlig unmanipulierte, allein duch Fakten überzeugende Meinung gebildet hat, der empöre sich, aber richtig, Anleitung dazu gibts hier gratis dazu.

Kommentare:

  1. Wissenschaftlich sehr fundiert aufbereitet, Suse! Pferdefleischskandal war gestern würde ich sagen... Gut dass susa ihre Anleitung zum professionellen Empören veröffentlicht hat, die können wir jetzt wirklich gut gebrauchen!

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    1. Ja, richtig. Hab ich glatt vergessen, aber nun doch noch ergänzt. Danke, liebe Toni, für den Hinweis ;o)

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  2. 1A Präsentation und top Analyse. Verdienen die Rindviecher denn das?

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    1. Klar, nur leider bekommen sie es nicht immer: artgerechte Haltung...

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  3. ein Fall für die Menschenrechtskonvention
    Lichterketten, Stuhlkreise!

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  4. Gute Idee. Ich hab auch schon die ersten Kontake zu Amnestie International, der Heilsarmee und den AAs geknüpft. Wir sind also vorbereitet...

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  5. Also die Schwarzbunte im Titel, sieht nicht nur ziemlich artgerecht gehalten aus, sondern wäre bestimmt auch ziemlich stolz darauf, zu einer Suse´schen Riesenroulade zu werden. Die sieht aber auch lecker aus.

    Deinen investigativen Journalismus verfolge ich ebenfalls mit großem Interesse. Es ist ja offensichtlich, dass Du da einer ganz ganz großen Sache auf der Spur bist. Allerdings, erlaube dem unschuldigen Praktikanten den Hinweis, solltest Du Deine Aufmerksamkeit auch auf die Begleiterinnen-Umstände (vulgo „Spielerfrauen“) richten.

    Das gibt mit sicherlich nicht nur weitere Aspekte zur Untermauerung Deiner Erkenntnisse, sondern erweitert auch ganz eminent Deinen Leserkreis. Insbesondere bei einer ordentlichen fotografischen Aufarbeitung.

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