Freitag, 12. Oktober 2012

Herbstwein



 
Frei nach Erich Kästner: Besagter Herbst ist da! Den Praktikanten freut es, Eline ist noch ein wenig wehmütig. Und nicht nur für mich ist der Herbst die schönste Jahreszeit mit seiner Fülle an Farben, Düften und Früchten.

Mindestens einmal pro Woche beim Anblick der Laubwälder, deren Farbenspiel sich täglich ändert, muss ich mein Lieblingsherbstgedicht wieder hersagen, das von Georg Trakl:




Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise

Es ist der Liebe milde Zeit
Im Kahn den blauen Fluss hinunter.
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Ich freue mich auf die klassischen Herbstgenüsse, einfach auf Zwiebelkuchen, kräftige Kürbissuppe zum Beispiel nach dem Bocuse-Rezept, das inzwischen weite Teile der Foodbloggerszene ergriffen hat. Auch die Kombination von Äpfeln, Pflaumen und Walnüssen gehört bei mir unbedingt mit zum Herbst, und das nicht nur auf dem Kuchen.


Jetzt schmecken mir auch wieder die kräftigen Schmorgerichte, wie meine alt bekannte Daube. Und natürlich die kräftigen Rotweine, die jetzt  ruhig das eine oder andere Prozent Alkohol mehr haben dürfen, die einen in wohliger Wärme gefangen nehmen.

Zu einem perfekten Herbstabend gehören neben meinen Lieblingen, den Bordeaux, vor allem die Weine von der Rhône, Châteauneuf-du-Pâpes, Gigondas, Cornas, aber auch die Bandols und die Weine aus Südwesten Frankreichs. Und natürlich die großen Überseeweine, die Syrahs/Shiraz, Zinfandels oder auch Bordeaux-Blends aus Kalifornien, Australien, Chile oder Argentinien.

Dieses Jahr haben wir den Herbst eingeläutet mit

2007 Châteauneuf du Pâpe

Kindermord! werden die Kenner jetzt scharenweise rufen. Das ist doch noch viel zu früh, der braucht doch noch seinen Schönheitsschlaf. Da ist was dran, aber auch in diesem noch nicht ganz optimalen Stadium hat er uns schon wunderbar gefallen, warm, wuchtig, nicht nur ein Maulvoll auch eine Nasevoll Wein. Direkt nach Öffnen der Flasche ein wenig zu wuchtig, fast marmeladig und schwer, aber nach 4 Stunden Luft ausbalanciert zwischen Kraft, Eleganz und Geschmeidigkeit, noch rausamtigem Tannin und einer gut stützenden Säure. Fein verwobene Aromen von reifen Beeren und reifen Kirschen, Schokolade, Leder, Holz, Rauch und Gewürzen schmeicheln Nase und Zunge, später schmeckt man noch etwas schwarze Olive, Fenchelkraut, langer kraftvoller Abgang.


So schmeckt der Herbst (und im Winter, wenn's draußen schneit und drinnen das Kaminfeuer brennt, dann schmeckt er auch).

Die Domaine ist vergleichsweise jung, sie wird jetzt in der dritten Generation von Pierres Söhnen Thierry und Jean-Pierre geführt.  Die Entstehung datiert auf 1931, als Francis Usseglio, der aus dem Piemont  als Wanderarbeiter nach Châteauneuf-du-Pâpe gekommen war, ein paar Hektar Rebfläche hatte kaufen können und damit begann, seinen eigenen Wein zu machen. Seinen ersten Jahrgang konnte er 1949 auf die Flasche ziehen. Nach Francis Tod wurde der Betrieb dann unter seinen Söhnen Pierre und Raymond aufgeteilt, was wohl nicht ganz einfach über die Bühne gegangen ist. Nun, was ist  in wein/bäuerlichen Betrieben schon einfach. Umso erfreulicher, dass die dritte Generation, also Thierry und Jean-Pierre, Pierres Söhne, auf der einen und Stéphane, Raymonds Sohn, auf der anderen Seite der Familie wieder zueinander gefunden haben und in kollegialer Gemeinschaft arbeiten. Den Weinen scheint es jedenfalls gut zu tun.


Kommentare:

  1. "Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder und der Herbst beginnt ..." hab ich als Kind gesungen und singe ich immer noch gerne.
    Ich bin derzeit auch total auf Rotwein eingeschworen. Wir haben kürzlich die 2007er "Cuvee de mon Aieul"von Usseglio getrunken. Lange dekantiert - phantastisch!

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    1. Da wir von der nur noch Magnen ergattert haben, lassen wir die noch ein wenig liegen. Die wird wohl noch sehr verschlossen sein. Aber ich freu mich jetzt schon drauf.

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  2. ...fantastisch wie du diesen Wein beschreibst!Genau davon hatte ich neulich im Keller ein Fläschchen in der Hand, aber der Gatte rückte ihn nicht raus. Ich werde dann wohl nochmal bei ihm vorsprechen.
    Doch jetzt träller ich ersteinmal mein Lieblings-Herbst-Lied...
    Spannenlanger Hansel,nudeldicke Dirn’,gehn wir in den Garten,schütteln wir die Birn. Schüttle ich die großen,schüttelst du die klein’,wenn das Säcklein voll ist,gehn wir wieder heim.

    Lauf doch nicht so närrisch,spannenlanger Hans! Ich verlier’ die Birnen und die Schuh noch ganz. Trägst ja nur die kleinen, nudeldicke Dirn,und ich schlepp den schweren Sack mit den großen Birn.

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    1. Von da aus ist es ja dann nicht mehr weit bis zum Herrn Ribbeck zu Ribbeck im Havelland.

      Das das von Dir genannte ein Leid ist, wusste ich gar nicht, ich hab es in der Grundschule als Gedicht gelernt. Muss ich gleich mal sehen, ob Youtube da was hat. Sonst Musst Du uns hier gleich noch etwas singen, Klärchen. ;o)

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  3. nee, nee Susa, ich komma ja schließlich nicht aus Sing Sing ;-)))
    *womöglich dann auch noch bei Youtube einstellen *grummel und Kopf schüttel*
    ;-)

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  4. Mir war der Usseglio wirklich auch eine Nummer zu fett und marmeladig. Allerdings habe ich ihn auch nicht 4 Stunden dekantiert. Was trinkt ihr denn da eigentlich in der Zwischenzeit? Bordeaux wahrscheinlich!

    Deine Daube ist wirklich eine eine gute Idee für die nächsten kühleren Tage und hätte Ruhm in der Foodbloggerszene vollauf verdient.
    Der gefüllte Kürbis, "der derzeit wieder weite Teile der Foodbloggerszene erfasst hat" ist dagegen nix für mich. Ich finde zumindest, dass das Ganze (Bocuse hin oder her) so was ähnliches ist wie das kleine Schloßgeheimnis aus dem CK. Nur vegetarisch. ;-)
    Aber wahrscheinlich habe ich das Rezept nur nicht verstanden. Geht mir bei Wein manchmal auch so, ich versteh ihn einfach nicht.:-) Hoffentlich versteh ich den 2006er Numanthia, den gibt's nämlich jetzt gleich.

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    1. In der Zwischenzeit haben wir einen 2002er Bandol getrunken, Château Pibarnon, der uns besonders zum Essen wunderbar gepasst hat.
      Viel Spaß mit dem Numanthia, der ist aber auch nicht gerade ein Filigrantechniker.

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  5. meine liebst Jahreszeit ist das jetzt. Allerdings erst, seitdem ich so ländlich lebe. Schon die Apfellaster im Morgennebel, die langsam durch den Ort zuckeln und so jahrelang meiner Tochter und mir ein Gefühl der Entschleunigung praktisch abrungen, wenn wir morgens mit dem Auto zum Bahnhof hetzten. Oder die Düfte in den Weinbergen, diese alkoholischen Bomben, die mich schon beim Joggen fast betrunken machen. Erntedankfeste in jedem Dorf, Trekkerparaden, Weinernten. Herrlich.

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  6. Ich bewundere Menschen, die aus dem Stegreif Werke der deutschen Dichterkunst aufsagen können. ICh komm meistens nur bis zum zweiten, maximal dritten Vers...um für das Ende Google zu bedienen. Bei melodieuntersetzten Liedern fällts mir in der Regel leichter.

    Die Herbstsimmung mit den damit verbundenen kulinarischen Sehnsüchten hast du genau erfasst. Ich liebe den Wechsel der Jahreszeiten und könnte nicht irgendwo wohnen, wo ganzjährig über 20°C herrschen.

    Genießen wir also die aktuelle Jahreszeit mit allen Facetten bis wir dann irgendwann überglücklich und voller Ungeduld mit Möhrike "Er ist's" den Frühling wieder einleiten :o)

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  7. Ein Gedicht kann ich auch ganz auswendig. Aber das handelt nicht vom Herbst, sondern mehr vom Advent. Und es ist von Loriot.

    Und ich gestehe, dass sich mein Verhalten als Weintrinker auch im Herbst und Winter gar nicht so sehr verändert. Okay, die Terrassenweine fallen weg und es darf mal etwas schwerer sein. Aber alles in allem ist mein Weißweinanteil ziemlich stabil.

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