Dienstag, 16. Oktober 2012

Das hässliche Entlein

Wer kennt es nicht, das Märchen von Hans Christian Andersen, welches sich um einen gefiederten kleinen, nicht dem Schönheitsideal der anderen entsprechenden Vogel dreht, in dem in Wirklichkeit nicht mal eine schnöde Ente, sondern ein stolzer, wunderschöner Schwan steckt.

Hach, was hab ich jedes Mal über dem Buch geschluchzt, wenn das arme tollpatschige, beflügelte Wirbeltier von seinen Artgenossen verhöhnt und verstoßen und schluchzend mit hängendem Kopf in die Einsamkeit geschickt wurde. Ja, ich gestehe, ich war schon immer ganz nah am Wasser gebaut.
So konnte ich z.B. in meinem Bambi-Buch nur unter großem seelischen Schmerz die Doppelseite aufschlagen, auf der das arme Kitz als Waise mit glasigen Augen durch den grauen Wald trottet und weinend nach seiner Mutter sucht... *schnief* 

Contenance, Suse!!!!
*Augentrockentupfundtiefdurchatme* 

 Trotz des großen Mitgefühls mit den Protagonisten der Tierwelt hab ich auch etwas von den Geschichten mitnehmen können. Aus der von besagtem Entlein stammt z.B. meine Erkenntnis (mit bis heute anhaltender Wirkung), dass in jedem und allem etwas besonderes steckt, man muss es nur zu heben wissen. In der Regel lohnt es sich immer, eine Person oder eine Sache genauer zu beleuchten, um seine wahren Werte schätzen zu lernen.


Dabei geht es natürlich nicht ausschließlich um Äußerlichkeiten, welche des einfachen Verständnisses wegen in der anrührenden Geschichte thematisiert werden. Es wäre zu einfach zu glauben, dass alles Hässliche dieser Welt irgendwann  in optischer Schönheit erstrahlen könnte. Auch wenn es für Schönheitsempfinden einige Regeln gibt, so bleibt sie doch weitestgehend ein subjektives Empfinden. Schon allein daran wäre die These zum Scheitern verurteil...

Nehme man z.B das Bild oben. Abgebildet ist hier ein für mein Empfinden sehr schöner essbarer Vertreter der Flora. Nur leider nützt ihm das herzlich wenig, denn trotz einer bestechend verführerischen Optik kann er in der Küche mit den großen Stars wie Tomate, Spargel, Kürbis, Kartoffel, Reis usw. nicht mithalten.
Und das, obwohl keiner dieser beliebten Nahrungsmittel in einer ähnlich raffinierten Verpackung steckt, so filigran geformt ist geschweige denn auf kleinstem Raum so viele seiner Art beherbergen kann.


Und dennoch ist der Zuckermais nur äußerst selten auf Speisekarten der deutschen Gastronomie zu finden, maximal vielleicht in Dosenqualität und dann auf unkreativen Salatarrangements. In der anspruchsvollen Küche, zumindest in der mir bekannten, fällt mir auf Anhieb kein Beispiel ein, in dem die goldgelben süßlichen Früchte aus der Familie der Süßgräser eine übergeordnete Rolle spielt. Schade, oder?

Auch in der Blogwelt kommt er für meine Begriffe entschieden zu kurz. Spontan fallen mir nur Einträge bei Eline und grain de sel ein. Im Kücherntanz gab es im letzten Jahr ganz wundervolle Kukuruzlaibchen und beim Salzkorn erst vor wenigen Tagen die Ottolenghi-Polenta aus frischem Mais.

In der nördlichen Niederlassung von 180° wird Mais recht gern gegessen. Ganz besonders fein schmecken die Körner, wenn sie frisch vom Kolben geschnitten und kurz blanchiert werden (bei mir seit neurem im Dampfgarer). Dann nämlich entwickelt sich die Süße ganz hervorragend, das Innere bleibt saftig und die Schale prall und knackig. Und die Farbe erst!!!
Grandios und nahezu unübertroffen ist das Geschmackserlebnis, wenn der ganze Kolben zunächst vorgegart und anschließend kurz auf dem Grill leicht geröstet wird. Nur noch etwas Salz drüber streuen sowie ordentlich (Kräuter-)Butter darauf schmelzen lassen und die Delikatesse ist perfekt.

Leider klingt die ab ca. Mitte/Ende August beginnende Saison derzeit aus; mit etwas Glück liegen noch ein paar allerletzte frische Kolben in den Kisten auf dem Wochenmarkt oder bei meinem Biohof ums Eck. Allerdings hab ich schon vorgesorgt und für uns einen Vorrat im TK angelegt. Neben der Verwendung als reine Beilage, kann Mais auch in vielen anderen Rollen glänzen. Als kleine Küchleinz.B.  in einem Pfannkuchenteig ausgebacken mit einem Quarkdipp sind sie ausgesprochen lecker.
Eline macht ihre Pflanzerl mit gekochten Kartoffeln und Käse. Angeregt davon, habe ich dieses Mal auch Kartoffeln zugegeben, allerdings rohe geriebene, sodass ein schmackhafter Hybrid aus Maisküchlein und Kartoffelpuffern entstanden ist:



 Mais-Kartoffel-Plätzchen

350 g Maiskörner (von ca. 2 Kolben geschniten und 5 Min blanchiert)
600 g Kartoffeln (bei mir war es Laura aus eigener Ernte)
1 kleine Stange Lauch
1/2 TL Garam Masala
1-2 TL Paprikapulver
4 Eier
je 1 handvoll Basilikum (in feine Streifen geschnitten) und Blattpetersilie (gehackt)
Salz, Pfeffer


Kartoffeln schälen, mittelfein reiben, ausdrücken, Flüssigkeit auffangen und ein paar Minuten stehen lassen. Lauch in feine Würfel schneiden und mit dem Mais und den Kartoffeln verkneten. Gewürze und Kräuter unterrühren. Die Kartoffelflüssigleit abgießen und nur die Stärke, die sich am Boden der Schüssel abgesetzt hat, zu der Masse geben. Zum  Schluss die Eier unterrühren und die Masse abschmecken. Sie sollte gut salzig sein, beim Braten vergeht das wieder. Wer vorsichtiger sein möchte, brät ein Probeplätzchen, probiert dieses und würzt ggf. nach.

Öl oder Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und jeweils 2 gehäufte EL der Masse in die Pfanne geben und zu einem Plätzchen zurechtdrücken. Für mich dürfen sie ruhig etwas unregelmäßig geformt aber nicht zu dünn (ca 1 cm) sein. Bei mittlerer Hitze langsam goldbraun braten.

Die Süße vom Mais verträgt Schärfe sehr gut und so haben wir fruchtige Chilisoße zum Dippen dazu genossen.



Kommentare:

  1. auch wenn der bei uns angepflanzte Mais nicht aus der Fauna stammt, ist das ein schönes Beispiel eines vegetarischen Gerichts. Wenn ich noch welchen finde, koche ich das nach.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach bei Euch nicht Fauna?
      Ehrlich gesagt bei uns auch nicht, würde ja sonst schwerlich in die vegetarische Rubrik passen :o)
      Danke für den Hinweis, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Habs geändert....

      Löschen
  2. Ich bin auch ein Maisfan. Zu Studienzeiten in intensiven Lernphasen hab ich, zu faul irgendwas zu kochen einfach eine Dose Mais gegessen...
    Aber mittlerweile bin ich da drüber weg :o) und diese Maisküchlein wird's definitiv bald mal geben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Pssssst. Hab ich auch manchmal genacht :o)

      Heute wird der Dosenmais wenigstens warm gemacht und mit Trüffelöl beträufelt :o)

      Löschen
  3. Gegrillt mit scharfer Kräuterbutter... Ich liebe Mais!

    AntwortenLöschen
  4. Suse,
    wunderbsr, deine Mais-Kartoffel-Puffer - und so schöne Bilder!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, ich hatte ja auch ne gute Inspirationsvorlage :o)

      Löschen
  5. Ich stelle die mir gerade mit frisch geräucherter Forelle und scharfem Meerrettich-Dip vor. So kann ich wahrscheinlich Herrn susa auch davon überzeugen. Für ihn sind alle Arten von Gemüsepuffern "öko" und damit "bäääh" ... Männer ... tz

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ... und wenn Du das durch ein ordentliches Tiebohnsteek ersetzen tus ...

      Löschen
    2. Sind ja gar keine echten Gemüsepuffer, eher Kartoffel-Getreide-Puffer...obwohl, dass wird ihn wahrscheinich auch nicht überzeugen....

      Dann lass ihm sein Mänenrsteak mit Leo, während du mit gutem Beispiel voran gehst :o)

      Löschen
  6. :) - da muß ich als erstes dick grinsen: Fauna und Flora schmeiße ich begrifflich auch ZU gerne durcheinander:
    http://salzkorn.blogspot.fr/2012/09/fur-flora-jagen-in-der-fauna-mohren.html

    und mmmmmhhh, frischer Mais...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann bin ich bei dir ja in guter Gesellschaft :o)

      Löschen
  7. Offen gestanden mag ich keinen Mais.Weder frisch noch aus der Dose, weder kalt noch warm. Auch nicht mit Trüffelöl. Und ich mag auch keine Gemüsepuffer. Wenn ihr die (zugegebenermaßen gut aussehenden) Mais-Kartoffel-Plätzchen macht, veranstalte ich mit Leo und den Teebohnsteeks einen Herrenabend.
    Vielleicht kann uns jemand mit dem Rest Mais noch 'ne Tüte Popcorn machen? Salzig bitte! ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Matthias, gerade gestern hab ich im TV gesehen, dass die Männer mit ihrem Essverhalten eine große Teilschuld an unserem Klimaproblem haben. Könntest du unter den Umständen nicht...?

      Heal the world!

      Löschen
    2. Das hab' ich auch gesehen! Das war doch ein Beitrag der Tagesthemen in der Halbzeitpause beim Spielstand von 4:0. Und die deutsche Mannschaft hat das offensichtlich auch gesehen und aus Klimaschutzgründen auf den Gemüsemodus umgestellt. Und promt vier Tore in 30 min kassiert!
      Wenn man die Menschheit voranbringen will geht das nicht mit Gemüsepuffern!

      Löschen
    3. Also ich mag zwar Mais, außer wenn er als vergorenes Hühnerfutter (Bourbon) daherkommt, aber wenn Ihr mich mitnehmt, schließe ich mich trotzdem lieber dem Herrenabend an. Und wenn man mich weiterhin mit diesem Männeressverhalten und so was nervt, dann werde ich meinen Fleischkonsum auch auf das Frühstück ausweiten.

      B-)

      Löschen
  8. Die Bratlinge sind wirklich lecker! Selbst Herr J., der ein Bratling-Trauma seit den 80ern hat, mochte die Mischung dank Garam Massala und Mais. Aus Versehen habe ich statt Paprika Cayenne genommen - früh genug gemerkt. Scharf - süß - kartoffelig. Soulfood bei 10 °C und Nebel.
    lg
    jinja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke :o)
      Gut zu wissen, dass dies Rezept auch zu Trauma-Therapie-Zwecken verwendet werden kann :o))))

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Dieses Blog durchsuchen

Follow by Email

Aus Küche und Keller

#kochtag (2) 180° Adventskalender (89) 180° der Film (2) 180° Fussballwette 14/15 (3) 180° Hauptversammlung (2) 180° Hauptversammlung 2012 (10) 180° reloaded (35) Aachen (3) Advent (3) Alemannia (3) alltagsküche (3) Alter (4) Amuse (6) Apfelsaft (1) Aquitaine (1) Aromen aus 1001 Nacht (16) ATK-Bloggeburtstag (5) auf die Schnelle (49) aus der Hand (47) aus Fluss und Meer (64) Australien (2) Auxerrois (1) Backen (5) Backhaus (3) Backtag (33) Baden (2) Barbarazweig (1) Barbier (2) Barrique (2) Bauanleitung (3) Beiwerk (34) bellet (1) BiB (1) Bierzo (1) Bio (5) Bistroküche (5) Blaufränkisch (2) Blauzungenmarathon (2) Bordeaux (27) Bourgeuil (1) Brot (5) Bruno (2) Buch (2) Buchmesse (1) Bullshitbingo (1) Burgund (4) Butter (1) Cabernet (1) Champagner (6) Chardonnay (14) Châteauneuf (1) Châteauneuf-du-Pâpe (1) Chicorée (1) CocaCola (1) Cote d'Azur (3) Côte d'Azur (2) Cotes du Rhône (1) Crémant (1) Cru Bourgeois (1) Currywurst (1) Cuvée (2) Dessert (38) Dessous (8) Diät (4) Dornfelder (3) Edelzwicker (1) Ei ei (6) Elsass (4) Endlich Frühling (48) Erben Spätlese (1) Erbsensuppe (2) Erdbeeren (1) Erntedank (42) Etikettentheorie (4) Federvieh (31) Ferien (1) Fern(k)östlich (19) Figeac (3) Film (2) Fisch und Krustentiere (2) Flüchtlinge (1) Fotoworkshop (2) Franken (2) Frankreich (13) Frankreich; Bistroküche (2) Freundschaft (2) Frühling (25) Frühstück (1) Fußball (8) Gargantua (1) Garmethode (1) Garnacha (1) Gebäck (8) Geflügel (4) Gemüse (7) Gemüsegarten (8) Geschenke (1) Gesellschaft (14) Getränk (4) Gewürzmischung (1) Gewürztraminer (9) Grauburgunder (2) Graves (1) Grenache (2) Grundrezept (3) Grüner Veltliner (2) Heidschnucke (2) Herbst (43) herzhaft (20) Hipster (1) Hochbeet (1) Holland (2) Hörncheneisen (1) Hühnersuppe (2) Iris (1) Italien (10) Jahresrückblick (1) jetzt wird's Wild (19) JSDEDBDW (1) Jugend (1) Kamptal (1) Karneval (1) Käse (17) Keller (3) Kindheitserinnerung (11) Klimawandel (1) Kobler (3) Kofler (1) Köln (1) Kork (1) korrespondierende Weine (39) Kuchen (1) Küchenklassiker (50) Küchentechnik (14) Kunst (4) Lachs (1) Lafite (1) Lagrein (1) Lambrusco (1) Lamm (9) Landwirtschaft (1) Le Mirazur (1) Lebensmittelproduktion (4) Lemberger (4) Lichine (1) Limonade (1) Löffelweise (48) Loire (1) Loriot (1) Madiran (1) Mais (2) Mallorca (2) Märchen (6) Margaux (1) Marsanne (1) Mencia (1) Menu (15) Menü (104) Mercurey (1) Merlot (2) mindestens haltbar bis... (20) Mittelrhein (1) Mosel (4) Mourvèdre (2) moussierend (4) Müller-Thurgau (2) Naturwein (1) Neujährchen (3) Neuseeland (2) nichtFischnichtFleisch (95) Niederlande (3) Niederrhein (1) Nikolaus (4) nizza (1) norddeutsch (1) nur so (29) nur so... (74) OBÜP (1) Oma (6) Oper (3) Orange Wine (1) Osterbrunch2012 (9) Ostern (11) Österreich (6) Parker (1) Passito (1) Pasta (46) Pavie (1) Perlhuhn (1) Pfalz (7) Picknick (13) Pinot Grigio (2) Pinot noir (2) Pinotage (2) Plätzchen (3) Playboy (1) Port (2) Portugal (4) Primeur (1) Primitivo (1) Priorat (2) Prosa (1) Prosecco (1) Provence (9) Punk (2) Raclette (1) Rebholz (1) regional (2) Restaurant (5) Reste (6) Retsina (1) Rhabarber (1) Rheingau (5) Rhône (3) Rieslaner (3) Riesling (29) Rind (5) Rindvieh (48) Risotto (2) RoeroArneis (1) rosa (2) Rosé (7) Rotwein (6) Roussanne (1) Roussillon (1) rückwärts garen (1) rund ums Mittelmeer (65) Saar (1) Saft (1) Saison (1) Salat (5) Saucisse de Morteau (1) Sauternes (2) Sauvignon blanc (7) Sauzet (1) scharf (4) Schatz (1) Schuhe (1) Schweinerei (24) Seelentröster (4) Sekt (6) Shiraz (3) Silvaner (2) Silvester (2) Sirup (1) Skrei (1) Sommelier (5) Sommer (57) Sommerküche (86) Sommerpicknick2012 (9) Sommerwein (8) Sonntagsbraten (20) Sorbet (3) Souldfood (1) Spanien (3) Spargel (1) sparkling (2) Spätburgunder (6) St. Emilion (3) St. Estèphe (1) St. Julien (1) St. Peter Ording (1) St.Estèphe (3) Stein (1) Steinlaus (1) Subskription (1) Südfrankreich (1) Südtirol (9) Suppe (7) Süßstoff (84) Süßwein (9) Syrah (5) take 5! (9) Terroir (1) Test (1) Theater (1) Tomate (11) Tomtenhaus (1) Torte (1) Toskana (1) trocken (1) Trollinger (1) Trüffel (3) Tulpen (1) Urlaub (15) vegetarisch (11) vendredisduvin (1) vermouth (1) Vinho Verde (1) Vinocamp (1) Vitamine (2) vom Grill (23) Vorspeise (87) Walch (1) Wanderhühner (1) Weihnachten (10) Weihnachtsmenü (35) Weihnachtsmenü2010 (4) Weihnachtsmenü2011 (7) Weihnachtsmenü2012 (5) Weihnachtsmenü2013 (4) Weihnachtsmenü2014 (5) Weihnachtsmenü2015 (4) Weihnachtsmenü2016 (6) Weihrauch (6) Wein (26) weinfreak (1) Weinmärchen (2) Weinrallye (56) Weißburgunder (2) Weißwein (5) wermut (1) Westerhever (1) Wichteln (3) Wien (2) Wiesn (4) winepunk (1) Winter (46) Winterküche (95) Winzer (2) Wuppertal (1) Würrtemberg (5) Württemberg (9) Zinfandel (2) Zitrone (5) Zukunft (1) zwischen Küste und Alpen (206)