Freitag, 14. September 2012

Die 180° Hauptversammlung 2012 - Protokoll, Menü, Weine



Herrjessas, der Praktikant sollte doch ein ordentliches Protokoll der 180°-Hauptversammlung erstellen. Das war ja wohl nix, stattdessen erzählt er was von fehlgeleiteter Erziehung (Freud lässt grüßen). Gut dass der Leo ein bisschen mitgeschrieben hat. Der wiederum hat allerdings eine äußerst kreative Orthographie in Verbindung mit einer ziemlichen Pranke. Das heißt's jetzt raten, raten, raten.

Also hier die wesentlichen Informationen zu den Beschlüssen und Diskussionspunkten im Einzelnen, sowie ein kleines Bildchen zur optischen Orientierung:


Tagesordnungspunkte

Nachbetrachtung der Oster- und Sommeraktion. Fazit: Super gelaufen, so viel steht mal fest. Vor allem auch wegen der hervorragenden Organisation.

Planung der nächsten Aktionen. Gut, dass die natürlich noch geheim zu halten sind und der geneigten Leserschaft erst in absehbarer Zeit präsentiert werden, bis dahin hab ich die Sachen dann dechiffriert.

Aus- und Weiterbildung. Fotokurs, Weinproben - auch Ausland -, Anschaffung Kochbücher  - alles einstimmig genehmigt und entsprechende Budgetpositionen reserviert.

Allgemeine Punkte Praktikant: Berichtsheft, Aufstieg zum Seniorpraktikanten, Weinkellerschlüssel, Inventurergebnisse – es offenbart sich ein enormes Optimierungspotenzial, im Budgetjahr 2012/2013 wird keine Seniorpraktikantenstelle eingeplant. Ggf. unter "Unvorhergesehenes" nach dem Jahresabschluss noch einmal zu beantragen.

Lerneinheiten für den Praktikanten

1. Vermählung eines gesetzten Menüs mit passenden Weinen aus dem 180°-Keller mit gleichzeitiger Durchführung der erforderlichen Lagerbuchungen und Niederschrift der Verkostungsnotizen
2. Vertiefung der Kenntnisse im Bereich Bordeaux in Form einer Blindverkostung.



Also zu Punkt 1, die Weine zum Menü

Zum Brot mit dreierlei Aufstrichen und zur Begrüßung gab es einen Champagner von meiner lieben Freundin Lucette, die ich hier bereits vorgestellt habe, und zwar einen der besten aus ihrem Hause, ihren Jahrgangschampagner

2003 Champagne Millesime
Histoire d'Hommes, Gratiot-Delugny, Champagne AOC

Und der war – das ist ein im Kalender festzuhaltendes Ereignis – der erste Champagner, der Herrn susa ohne Wenn und Aber geschmeckt hat. Lucette hatte ihn mir dieses Jahr zu Weihnachten verehrt und ich fand das war jetzt ein guter Moment, ihn zu probieren.

Der Champagner ist eine Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir, die einige Zeit im Eichenfass gereift sind. Für Lucette ist das der perfekte Champagner für herzhafte Speisen, Fisch- und Fleischterrinen oder auch um ein ganzes Menü zu begleiten. Er duftet sehr fein nach Blüten, Zitrusfrüchten und Brioche, am Gaumen straff, seidig und mit feinem Schmelz, angenehm trocken und mit einer sehr angenehmen Bitternote und Aromen von Haselnüssen, Pflaumen und Pfirsich, schwrze Johannisbeere, sehr feine Perlage und ein langer intensiver Abgang mit einer kleinen Mineralnote.

Danach mussten natürlich ein paar Mitbringsel aus dem Urlaub präsentiert werden.


Zur Ochsenschwanzsülze gab es  einen meiner Lieblingsweine aus der Provence

2011 Cuvée du Prieuré blanc
Château St. Pierre, AOC Provence

Seit ungefähr 20 Jahren besuchen wir das Haus, haben miterlebt, wie aus dem jungen damals noch unerfahrenen und von Vater und Großvater geleiteten jungen Besitzer ein selbstbewusster und engagierter Winzer wurde. Seine Weine sind kraftvoll, komplex und die gehobenen Qualitäten haben durchaus Lagerpotenzial (wenn sie es denn so lange in meinem Keller aushalten), sie eigenen sich halt zu gut als Essensbegleiter.

Die Cuvée du Prieuré blanc besteht aus Rolle, der dort beheimateten Spielart des Vermentino und etw 10% Clairette, der dem Wein diese leichte elegante Süße verleiht. Einige Monate wurde er im großen Holzfass gereift. Klares leicht gold funkelndes Gelbgrün, sehr feiner Duft nach Mandelblüte, Aromen von Hauselnuss, frischen Mandeln, Zitrusfrüchten, reifen Äpfeln, guter Abgang.

Die Suppen blieben unbeweint, bzw. man hatte noch einen Rest von St. Pierre im Glas, der vor allem auch gut zur Fischsuppe mit der scharfen Rouille passte.

Für die Trüffelkartoffel musste es dann aber schon ein etwas komplexerer und dichterer Wein sein. Das Château macht in letzter Zeit sehr positiv auf sich aufmerksam. Im kleinen Örtchen Pignans gelegen, fast da, wo Fuchs und Has sich Gute Nacht sagen, vermutet man ein solches Gut nicht unbedingt.

Die

2011 Cuvée Vallat sablou
Château Barbeiranne, AOC Provence

reinrebige Rolle, ist im Barrique ausgebaut, ca. 60% Erstbelegung. Der Wein ist von kräftigen Goldgelb und besticht durch einen sehr intensiven Duft nach Ananas, Mango, Aprikose und ein wenig Röstbrot, am Gaumen feiner Schmelz, was wunderbar mit der cremigen Sauce harmonierte, dicht, ein wenig rauchig und ein langer würziger Abgang.


Zum Roastbeef gab es dann einen Wein von der Rhône aus dem wunderbaren Jahrgang

2007 Gigondas Tradition
Domaine Santa Duc , Gigondas AOC


eine Cuvée aus Grenache Syrah, Mourvèdre und  Cinsault. Tief dunkles Granatrot , würzig warm duftend nach reifen Kirschen, Kräuter der Provence und Rauch, am Gaumen dicht, sehr kraftvoll, fleischig und wunderbare Gewürzaromen freigebend, samtiges Tannin, zum Abgang hin ein wenig pfeffrig, 15 vol% Alkohol, also nicht ohne.

Spätestens jetzt merkte man, wer sich seine Weinaufnahmekapazitäten ordentlich eingeteilt hatte und wer nicht.


Zum Käse und zum Dessert wollte ich nicht zweierlei Wein servieren, also musste ich einen finden, der beiden Gängen gerecht wurde.

Auch wenn Sauternes nicht unbedingt die erste Wahl zu schokoladigen Desserts ist,

Sauternes AOC

meisterte diese Aufgabe durchaus elegant.

Allerdings muss ihm zugestanden werden muss, dass er zum Käse entschieden die bessere Figur machte, aber weder neben den Kirscharomen noch neben den schokoladigen Elementen ging er unter, zum Nougat glacé passte er sogar wieder richtig gut.

Goldgelb funkelnd, in der Nase Trocken- und Zitrusfrüchte, am Gaumen sehr exotische Fruchtnoten, Ananas, Mango, Aprikose, sehr angenehmer seidiger Schmelz, feine Säure im Zusammenspiel mit einer honigartigen Süße, mittellanger Abgang.

Ein Damenwein, wie der Leo meinte, der es nicht abwarten konnte, bis man dann noch diese Nebensächlichkeiten wie Espresso etc. erledigt hatte. Gottseidank waren keine Raucher anwesend, die hätten die Zeit, bis es endlich zum Meditationswein ging, ja noch länger werden lassen.


Herr susa ging also noch mal in den Keller, dieses Mal alleine, und kam wieder mit

1999 Château Pavie-Macquin
St. Emilion

Ich würde ja gerne auf die Webseite des Hauses verlinken, aber seit neusten ist die nicht mehr erreichbar.

Der Wein kam genau richtig temperiert aus dem Keller (denn Herr susa hatte in weiser Voraussicht einige Bordeaux in den Temperierschrank verfrachtet, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein).

Tiefes Dunkelrot, eine wunderbare Nase, Johannisbeere, Leder, Rauch, Tabak, am Gaumen samtig, zarte Vanillenote, mittelschwerer Körper, Süßkirsche, Brom- und Johannisbeere, Mineral, kräftiger recht langer Abgang. Nach etwa einer Stunde Luft waren die Aromen perfekt verwoben und der Wein präsentierte sich kraftvoll, stoffig, sehr aromatisch.

Und dann kam auch schon das Taxi, um die Niederlassungsleitungen und den Praktikanten zum Hotel zu bringen, immerhin erwartete uns am Folgetag ein straffes Programm. Aber davon ein anderes Mal.




Kommentare:


  1. Ich warte, bis mir der Smith Haut Lafitte 1999 serviert wird - ein Traum!

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    1. der hat uns in der Tat sehr gut gefallen - jetzt gerade auf dem Höhepunkt

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  2. Die obige Flaschenbatterie gibt natürlich einen besseren Einblick in den Ablauf einer 180° Hauptversammlung als jedes noch so akkurate Protokoll. Wenn mir die Eline den Smith Haut Lfitte wegtrinkt, begnüge ich mich halt mit dem Lynch Bages....der steht ohnehin so verschämt im Hintergrund.

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    1. Der steht da nicht verschämt sondern versteckt, Matthias. Das ist nämlich meiner.

      Für 180° Lieblingskommentatoren gibt's natürlich was besonderes. Für die halten wir immer eine Flasche besten Rosé bereit O:-)

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