Freitag, 18. Mai 2012

Und die Goldene Palme geht an ...


Cannes ist derzeit ja der Nabel der cineastischen Welt. Vor allem "tout Hollywood" (sprich gut französisch: Tuu'olliwuhde) gibt sich an der Croisette die Klinke in die Hand. In Cannes wollen sie zeigen, dass die große Filmmaschine nicht nur Kommerzkino kann. Cannes, ebenso wie Berlin, ist ihr kleines kulturelles Feigenblatt, und Cannes hat vor Berlin den entscheidenden Vorteil, dass das Wetter, das Essen und die Aussicht besser sind.

Touristen sei geraten, drei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem Festival die Stadt großräumig zu meiden. Vor und nach dem Festival ist tout Cannes eine Baustelle. Jedes Jahr fällt den Stadtverantwortlichen auf den letzten Drücker ein, dass man am Hafen beispielsweise noch schnell ein paar Bürgersteige reparieren oder Pflanzarrangements anbringen könne, wenn man sowieso schon die halbe Stadt umkrempeln muss.

Die Cannois nehmen es mit der Mittelmeeranrainern eigenen Gelassenheit. Und das Hotel- und Gaststättengewerbe freut sich auf die ersten fetten Umsätze der noch jungen Saison.

Die 180°-Palme geht natürlich an Toni, unsere unangefochtene Menükönigin. Wenn wir alle paar Tage mal in die Statistiken schauen, wegen der Zugriffe und Links und noch solcher Sachen, die einen ja eigentlich gar nicht interessieren und darüber hinaus ja auch vollkommen unwichtig sind, sind die Suchanfragen nach Menüs stark vertreten. Unsere Weihnachtsmenüs sind sogar im tiefsten Sommer gefragt, hier ist übrigens Tonis Rote Bete Terrine der absolute Spitzenreiter. Und ich bin sicher, Tonis Menü für Eline wird auch so ein Dauerbrenner, ein echter Toni halt, kann mit ein paar Tricks auf jede Jahreszeit und jede Gelegenheit abgewandelt werden.

Ein besonderer Quell der Heiterkeit ist auch immer die Auflistung der Suchbegriffe. Nein, nach was Leute alles suchen. "schlechtes Bild einer Blockflöte" wurde bei uns letztens gesucht, und führte nach zwei Klicks zu einem Praktikantenpost, heute war es schlicht "Regen" (???)  . Wenn ich allein die Suchbegriffe zum Themenkreis "Tomatenhaus" alle zusammenzähle und weiter annähme, dass diese in konkrete Bauvorhaben münden, dann wäre unsere Republik bald flächendeckend mit Tomatenhäusern bebaut. Irgendjemand scheint sich auch in meinen weiland Beitrag zum englischen Hosenbandorden verguckt zu haben, monatelang wurde regelmäßig nach "Honni soit" gesucht und mir kam dann immer der letzte Staatsratsvorsitzende in den Sinn. Auch unsere "Oberschiene" erfreut sich in der Suche konstanter Beliebtheit.

Zurück zum Menü. Die Eline ist ja sicher mehr fürs Reelle und statt güldener Palmenskulpturen, die Oma vwG bestimmt auch als "noch so'n Stehrümchen" (mit Betonung auf Steh) bezeichnet hätte, zieht sie lieber ein paar feine Weine zum Essen vor.

So sei's denn, das Menü macht ja mit einem ordentlichen Glas Wein dazu erst richtig Spaß. Also hab ich den Praktikanten in den Keller geschickt und hier ist das Ergebnis seiner Lerneinheit:


Bevor zu Tisch gebeten wird, gibt es neben etwas Knabberzeugs, das man mit Fug und Recht als 180°-Küchentanz-Gemeinschaftswerk bezeichnen kann, nämlich das, also "das" Olivenölgebäck, einen Aperitif und zwar selbst gemachten

Vin de noix (Nusslikör)

8-10 grüne Walnüsse (vor dem Johannitag geerntet)
5 Haselnusskerne
1 Bioorange
500 g Zucker
3 Liter Rotwein (Côtes de Provence, Côtes du Rhône), nicht unter 12.5 vol% Alkohol
1 Liter Birnenschnaps
100 ml Orangen- oder Kräuterlikör

Die Walnüsse zwei Tage wässern, dann das Wasser wegschütten. Die Nüsse abtrocknen und leicht zerstoßen. Die Haselnüsse grob mörsern, die Haut der Orange dünn abschälen, die Orange auspressen. Nüsse, Orangenzesten, Orangensaft und alle weiteren Zutaten in ein Gefäß geben und etwa 6-8 Wochen an einem dunklen kühlen Ort ruhen lassen, alle zwei bis drei Tage kurz umrühren. Nach der Ruhezeit den Wein durch ein Tuch filtern und in sterilisierte Flaschen füllen.

Gut gekühlt als Aperitif servieren oder zum Aromatisieren von Desserts verwenden.

Zum Menü gibt es

Basilikum-Mousse, Gurken-Radieserl-Relish, Avocado-Krabben-Canoli 

2010 Mercurey 1er Cru "Clos du Roy"
Jean-Pierre Charton, Mercurey AOC°°°

Südlich der berühmten Burgunder Lagen mit den so imposanten Namen wie Montrachet oder Meursault liegt der kleine Ort Mercurey mit seinen ungefähr 100 ha Anbaufläche. Die Weine sind ein wenig rustikaler und zeichnen sich nicht durch diese filigrane Eleganz und verführerische Mineralität ihrer nördlichen Kollegen mit den Ehrfurcht einflößenden Namen aus. Dafür haben sie einen unschlagbaren Vorteil, sie sind absolut dienlich zum Essen. Für die Verbindung von Fisch und frischen Kräuteraromen aus Tonis Vorspeise ist dieser Wein, ebenso 100% Chardonnay wie auch im Burgund, eine wunderbare Wahl, angenehme Zitrusaromen, leichtes etwas salziges Mineral, leicht floraler Duft, am Gaumen sanfter Schmelz gepaart mit feiner Säure und ein ordentlicher Abgang.


Kalbstafelspitz, knusprige Kartoffelwürfel, grüne Bohnen, confierte Cocktailtomaten, Schnittlauchschaum 

2010 Crozes-Hermitage
Laurent Combier, Crozes Hermitage°°

Der Hauptgang könnte natürlich einen Weißwein vertragen, einen Viognier, einen Chardonnay oder auch einen kräftigen Grünen Veltliner. Ich serviere heute dazu einen Rotwein, ein eher leichter, fruchtbetonter nicht zu komplexer. Die Beilagen, vor allem die Bohnen (aber auch der eigentlich geplante grüne Spargel) können durchaus einen Rotwein vertragen. Der Wein hat mich beim ersten Schnuppern wirklich verblüfft hat, so ein intensives Aroma nach schwarzen Oliven habe ich noch selten bei einem Wein erlebt. Das intensive Olivenaroma verbindet sich nach einiger Zeit Luft harmonisch mit feinem Kirsch- und Kräuteraromen, einer leichten Textur und einem wunderbaren Abgang. Der Wein wirkt kräftiger als seine 12.5 vol% Alkohol und er kann hervorragend mit Tomate, das kann ja noch lange nicht jeder, und erschlägt das Fleisch keinesfalls. 


Rhabarberstrudel, Limettenmousse, Erdbeersorbet, Erdbeer-Holunderblüten-Schaum

2010 Gros Manseng
Alain Brumont, VdP des Côtes de Gascogne°°

Zum Dessert gibt es einen Süßwein aus der Gascogne, vom Alain Brumont, dessen kraftvolle Madirans überall ihre Freunde haben. Der Wein ist aus der autochthonen Rebsorte Gros Manseng gekeltert, die normalerweise gemeinsam mit ihrer Verwandten der Petit Manseng im Südwesten Frankreichs sowohl in süßen als auch in trocknen Weinen eingesetzt wird. Die Gros Manseng bringt in der Regel ein weniger ausgeprägtes Aromenprofil mit, was uns hier entgegen kommt, der Wein dominiert die verschiedenen Süße- und Säurenoten des Desserts nicht, er begleitet sie unaufdringlich. Der Wein ist nicht von der schweren öligen Sorte sondern leichter und frischer, mit feinem Duft nach Pfirsich, Äpfel, hellen Beeren und vor allem einer faszinierenden Grapefruitnote. Am Gaumen saftig und von einer feinen fruchtigen Süße gepaart mit angenehmer kräftigerSäure, einer zarten Honig- und Mandelnote und feinem Abgang. Er ist auch ein feiner Aperitifwein und sollte eher ein wenig kühler genossen werden.







Kommentare:

  1. Hoffentlich verpass ich den Johannistag nicht wieder, wie letztes und vorletztes Jahr. Schwarze Nüsse stehen ohnehin auf dem Programm. Und den Orangenwein hab' ich dieses Jahr auch vergessen. Dabei mag ich dieses Aperitivgedöns mit den selbstgemachten Kleinigkeiten so sehr. Gerade jetzt im Frühsommer.

    J.-P. Charton kenne ich nicht, aber aus 2010 wird auf jeden Fall einiges aus Burgund (in rot und weiß) in unseren Keller wandern.

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    1. Charton ist der kleinste Betrieb in Mercurey, aber der Wein war genial. Raquillet ist wie immer eine Bank. Wir haben ihn dieses Jahr endlich persönlich kennen gelernt nachdem wir mit Frau und Tochter ja schon das Vergnügen hatten.

      Wegen der Nüsse hast Du ja noch ein wenig Zeit - wir werden Dich beizeiten erinnern.

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  2. susa,
    deine Weinauswahl setzt dem Menü von Toni noch ein Krönchen auf - wunderbar!

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  3. Es ist manchmal schon wirklich erstaunlich, mit welchen Suchbegriffen man bei uns landet. Leider merk ich mir die meistns nicht.

    Die Weine zum Menü sagen mir 180°-Weinlooser leider alle nichts, aber das kann ja sich ja noch ändern :o)

    Dafür hab ich den von Matthias angesprochenen Vin d'orange angesetzt und der ist (wie nicht anders zu erwarten) genial!

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    1. Looser, wo Dein Keller doch immer mehr neue Flaschen dazu gewinnt. Vin d'Orange muss ich auch noch ansetzen. Dieses Jahr hab ich noch ein Rezept für Vin au citron bekommen, das will auch probiert werden.

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    2. ich sach ja, das kann sich noch ändern :o)

      Vin au citron? Au ja!!!!

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  4. Sehr schöne Beweinung, susa. Und bei Beweinung kann ich heute auch schon wieder an Wein denken. Seufz.

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