Dienstag, 29. Mai 2012

Erster Arbeitstag...

6:00, der Radiowecker kräht unbarmherzig fröhlich Gutelaunemusik. „Zefix!“ fluche ich und denke das erste mal seit zwei Wochen wieder „heute geh ich aber früher ins Bett“. „Kurze Woche“ murmelt Herr Toni und kuschelt sich tiefer in seine Decke. Soll das jetzt irgendwie besänftigend wirken!?!

Im Bad schaue ich mir missmutig aus dem Spiegel beim Zähneputzen zu und male mir beunruhigende Szenarien aus, welche Art Chaos mich in der Arbeit erwarten könnte. Ich muss mich überraschen lassen. Nachdem ich gestern Abend nach langem schwierigen Entscheidungsprozess die Variante „schon mal Emails vorsortieren“ gewählt habe, hat die Home Office Verbindung nicht funktioniert.

Ich starte den Motor. Die Urlaubsvertretung des unerträglich gut gelaunten Frühstücksradioonkels teilt mir mit, dass die Bademodenstudie 2012 bei Frauen ergeben hat, dass je besser die Bildung, desto öfter Bikini. Aha! Die Akademikerin von heute steht also auf den Zweiteiler, ihre weniger gebildeten Geschlechtsgenossinnen auf Badeanzüge. „Siehst Du, schon Sommerloch!“ erkläre ich dem Auto und erwische mich selbst dabei wie ich nicht unzufrieden feststelle, dass ich nach dieser Definition als gebildet zähle. Um einen weiteren Zwischenfall dieser Art zu vermeiden, lege ich lieber selber Musik auf, launig laut und singe mit. Und verpasse dabei beinah die Autobahnausfahrt. Ich werte das als Zeichen echt gelungener Urlaubserholung.

Das Büro ist angenehm leer, sind ja Pfingstferien. Aber vorher haben alle noch fleißig Emails geschrieben. Ich hole mir einen Kaffee, sortiere nach Absender und lese nach Beliebtheitsgrad. Der Lieblingskollege möchte heute mit mir Mittagessen gehen. Das ist doch mal ein Lichtblick. Apropos Lichtblick! Der Praktikant, der Blödmann hat mich für heute zum Bloggen eingetragen. An meinem ersten Arbeitstag nach dem Urlaub! Wie kann man einem Praktikanten so eine wichtige Aufgabe wie Dienstpläne schreiben übertragen?! Und überhaupt, wo ist der eigentlich? Außer einer Nachricht in Facebook, in dem er uns seine Meinung zur Mindesthöhe von Frauenschuhabsätzen kund getan hat, hat man schon länger nichts mehr von ihm gehört.

Mein Handy tschilpt, das muss Gedankenübertragung sein: eine MMS von Praktikanten! See und Schiffchen. Der Herr ist beim Segeln. Na wie ich ihm das grad gönne!
Und was verdammt noch mal soll ich heute bloggen? Schließlich muss ich auch noch die Rezepte von meinem letzten Menü hinterlegen. Ich studiere den Kantinenspeiseplan dieser Woche und weiß, was ich auch nicht vermisst habe.
Erst mal eine Runde durch die Produktion, mit Sicherheitsschuhen, die die Praktikantenanforderung an Absatzhöhe nicht auch nur im Ansatz erfüllen. Die Jungs freuen sich trotzdem, da geht’s mir doch gleich viel besser. Nach dem Mittagessen sortiere ich noch ein bisschen Emails, entscheide, dass nichts so dramatisch ist, dass ich es heute am ersten Arbeitstag übertreiben müsste und fahre früh heim. Aber ein schönes Abendessen hab ich mir verdient, find ich. So eins, wie man sich normal nur zum Wochenende gönnt. 3erlei vom Kalb…


Sautiertes Bries, gratiniertes Schmorfleisch vom Kalbschwanz und rosa gebratenes Filet, mit jungen Gemüsen und Kalbsjus

Sautiertes Bries 
Pro Person ein Stück küchenfertiges Briesstück
2 EL Butter
50ml Kalbsfond

Das Bries in der Butter hellbraun anschwenken und mit dem Kalbsfond ablöschen. In ca. 3 min. je nach Größe bei mittlerer Hitze garen.

Gratinierter Kalbsschwanz
1 Kalbschwanz zubereitet nach diesem Rezept für Kalbsbäckchen, einen Tag vorher vorbereitet  Gratiniermasse:
2 EL Butter
2 EL Semmelbrösel
1 TL Thymian
1 EL fein gehackte Petersilie
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer

Das Fleisch vom Kalbsschwanz lösen und in mittlere Stücke zerteilen. Den Schmorfond ggf. einreduzieren, er soll sehr kräftig schmecken. Fleisch mit einem Teil des Fonds mischen, so dass das Fleisch gut bedeckt ist, aber nicht darin schwimmt. In eine mit Klarsichtfolie ausgelegte Terrinenform geben oder in einen Kunststoffschlauch, so dass eine Wurst entsteht. Ich hab mir das aus Gefrierbeuteln und KIebeband selbst gebastelt. Durchmesser ca. 5-6 cm. Alternativ kann man die Masse auch in kleine Silikonformen oder mit Klarsichfolie ausgelegte kleine Tassen füllen. Über Nacht abkühlen lassen. Die feste Sülze in Scheiben schneiden und mit je einem EL der Masse aus Butter, Semmelbrösel, Kräutern und Gewürzen belegen und vor dem Servieren und dem Grill goldbraun werden lassen. Dabei nicht zu nah unter den Grill stellen, das Fleisch soll auch etwas warm werden.

Kalbsfilet 
Kalbsfilet am Stück (ca. 40g pro Person) in Butterschmalz rundrum anbraten und im Ofen bei 100° auf eine Kerntemperatur von 58° garen.  

Gemüse
Junge Gemüse nach Belieben in kleine Würfel und Streifen geschnitten, jeweils bissfest blanchiert, kurz in Butter angeschwenkt, mit etwas Kalbsfond aufgegossen und mit eiskalten Butterwürfeln montiert. Bei mir waren es Zuckerschoten, Karotten und Kohlrabi; gut passt momentan auch grüner oder weißer Spargel.

Kommentare:

  1. Das würde ich gerne probieren wollen

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    1. Ist garnicht so aufwändig, Wolfgang. Und auch gut vorzubereiten.

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  2. Dein Rezept hat mir gerade eine Denkblockade gelöst - dafür besten Dank.

    Und meine persönliche Beobachtung der Bademode (nicht nur) in diesem Sommer ist, dass die Wahl des Badesoutfits eher umgekehrt proortional zur Leibesfülle seiner Trägerin gewählt wird, je größer dieser desto Bikini.

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    1. Welche Denkblokade denn, susa?

      Das mit der Bademode muss ich jetzt mal beobachten, interessantes Forschungsfeld :o)

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    2. Neues 180°-Thema nach den Dessous vom letzten Jahr? ;o))

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    3. Dürfte dem Praktikanten liegen :D!

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  3. Weder Bikini noch Badeanzug...aber so ein Essen am ersten Arbeitstag wäre nach meinem Geschmack.

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    1. Tztztz, Frau Kampi! So ein Essen am ersten Arbeitstag hat man sich einfach verdient. Idealerweise ist dann noch jemand da, der einem das kocht :D.

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  4. Morgens im Auto singen geht bei mir nur freitags oder am letzten Arbeitstag VORM Urlaub.
    Ich versuch das aber auch mal, vll. gibts dann abends auch mal ein vorgezogenens Wochenendessen :o)

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  5. Das kommt doch auch auf den Liedtext an, Suse. "Ein bisschen Spaß muss sein..." würde ich niemals am Montag singen :o)

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    1. ;o)
      Ach so, klar. Allerdings wären mir die Beats trotzdem zu viel am frühen Morgen. ich muss immer erst vorglühen. was an einem Montag schon mal bis 10:00 Uhr dauern kann :o)

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