Freitag, 3. Februar 2012

susa am Freitag ..... 2009 Pétalos de Bierzo

Wisst Ihr, was sich heute vor 375 Jahren abgespielt hat? Dramatische Szenen! Existenzen sind zerbrochen, Vermögen haben sich mit einem Schlag in Nichts aufgelöst, eine – ach was schreib ich – die reichste und mächtigste Volkswirtschaft ihrer Zeit wurde in ihren Grundfesten erschüttert.

Und das nur wegen ein paar Blümchen. Also eigentlich noch nicht mal Blümchen, die hätten es noch werden sollen, wenn …. ja wenn...



Aber mal ganz von vorne.

Vor gut 400 Jahren galt es in Europa, vor allem in den Niederlanden, als schick, in seinem Garten oder in eigens dafür gebauten Vitrinen oder Gewächshäusern eine Tulpenzucht zu haben, Tulpen waren DIE Beschäftigung der Aristokratie und der besseren Gesellschaft, Arbeit, vor allem körperliche, galt als eher unfein und wurde den niederen Klassen überlassen.

Die gemeine Tulpe, die man heute im 10er-Bund für 1.99 oder in besserer Qualität für 80 ct/Stück beim Blumenhändler dV ersteht und die in der Vase immer noch weiter wächst, war die Boom-Pflanze des 16. und 17. Jahrhunderts, Tulpenzwiebeln wurden in Diamanten aufgewogen, Tulpenzwiebeln waren ein solideres Zahlungsmittel als Geld, der höchste aufgerufene Preis lag bei 10.000 Gulden für eine Zwiebel; Tulpenzwiebelhandel war die New Economy ihrer Zeit und was heute die Jobs (†), Gates und Zuckerbergs sind, das waren früher die Tulpenhändler. Mit Tulpenzwiebeln wurde spekuliert wie heute mit Weizen, Schweinehälften oder Staatsanleihen.

Und wie das so ist mit einer sich immer schneller steigernden Spekulationsblase, eines Tages platzt sie und das ist dann, wie mit dem Mädel, das seine Milch zum Markt trägt und sich schon mal überlegt, was es sich alles für das Milchgeld kaufen wird, ein Huhn, und dann die Eier verkaufen, und vom Eiergeld, ein Schwein, und vom Schweinegeld (sic!) eine Kuh, und von dem Geld, das die Kuh bringen wird …. *patsch – und da fällt dann der Milchtopf auf den Boden…

Und am 3. Februar 1637 bei der Tulpenzwiebelauktion in Harlem, da platzte die Blase, keiner bot, die Preise rutschen in den Keller … der Rest ist Geschichte; aus der natürlich keiner was lernt.

Wir kleinen Bordeauxliebhaber können gerade ein Liedchen davon singen, die Entwicklung, die sich derzeit abzeichnet hat große Ähnlichkeit mit dem Tulpenfieber, oder Tulpenwoede, wie die Niederländer dieses Phänomen getauft haben. Jeder will sein Stückchen vom Kuchen abhaben und solide-aber-mehr-auch-nicht Weine, die wir noch vor ein paar Jahren für ehrliche und angemessene 18,50€ erstanden haben, sind jetzt nicht unter 300€ zu haben und die blue Chips, die ersten Gewächse, die erzielen Flaschenpreise in einer Höhe, über die sich manch jemand freuen würde, wenn das sein Monatsgehalt wäre.

Und nun munkelt man, die Blase stünde kurz vorm Platzen. Das munkelt man schon seit geraumer Zeit und es ist nicht ganz klar, ob das Munkeln die Entwicklung beschleunigen soll oder das Ende der Fahnenstange wirklich bald erreicht ist.

Beruhigend ist nur, dass es sich sowohl im Falle der Tulpen als auch im Falle der Weine, um Güter handelt, die man jetzt nicht unbedingt zum Leben braucht. Allerdings sind beide dazu geeignet, einem das Leben zu verschönen.

So ein feines Glas Wein nach einem stressigen Arbeitstag, ein fröhlicher Blumenstrauß vor allem wenn unverhofft überreicht, wenn es draußen mal wieder alles grau in grau ist, hebt die Stimmung, macht fröhlich, warm ums Herz, entspannt und manchmal hilft beides beim Denken.



Gerade richtig für dieses Wetter ist der

2009 Pétalos de Bierzo
J. Palacios, Bierzo DDO °°°


ein dunkelroter kräftiger und doch samtiger Wein aus dem Norden Spaniens in idealer Lage (800 m hoch gelegen, gute Abkühlung über Nacht so dass eine langsame Reifung der Trauben gewährleistet ist). Die Rebsorte ist die Mencia, eine alte spanische Rebsorte, die bei richtiger Behandlung feine aber doch intensive Weine hervorbringt. Am Gaumen zeigen sich Aromen von Beeren, vor allem Kirsche, auch karamellig-malzige Aromen, Holz und eine feine Mineralität.

Bei diesem Wetter eine gute Wahl, auch als Begleiter zu dunklem Schmorfleisch, zu Chorizo oder Merguez oder zu einer assiette de charcuterie.

Die weitere gute Nachricht ist, hier besteht im Augenblick keine Gefahr einer Preishype, und das obwohl der renommierte spanische Winzer Alvaro Palacios mit seinem Neffen Ricardo für das Gut verantwortlich zeichnet.

Kommentare:

  1. Irgendwie steht alles auf der Welt in einem großen Vergleich, warum also nicht Tulpen und Wein :o)
    Der börsenneutrale Spanier klingt genau nach unserem Geschmack und da wir uns noch mitten im Winter befinden, mach ich mich direkt mal auf der Suche ncah einem Kistchen.

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  2. Nun die Entwicklung speziell der Bordeauxpreise ist im letzten Jahr genauso spekulativ und irrational gewesen wie damals die bei den Tulpenzwiebeln.

    Vielleicht noch ein Schmankerl am Rande: Pétalos heißt Blütenblätter, ein etwas irreführender Name, denn der Wein ist eher von der warm kraftvollen Spezies und weniger von der zarten floralen.

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  3. Das ist ein wahrlich trefflicher Vergleich; wobei “Bordeaux” ja auch in platzhaltender Funktion stehen darf.

    Den Pétalos hatte ich glaube ich mal in der Zweitausendsiebenerfassung und fragte mich, ob ein paar Jahre warten nicht eine gute Idee gewesen wäre.

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  4. Hat doch der gute alte Kostolany schon gesagt: Die ganze Börse hängt nur davon ab, ob es mehr Aktien gibt als Idioten - oder umgekehrt. Das gilt offensichtlich auch für Wein- oder Tulpenbörsen :-)

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  5. @Matthias, Kostolany ist fast wie de La Rochefoucauld, für jede Gelegenheit den passenden Spruch "Avant que de désirer fortement une chose, il faut examiner quel est le bonheur de celui qui la possède." Bevor man eine Sache so stark begeht, sollte man sich das Glück desjenigen ansehen, der sie bereits besitzt. ;o))
    @Gottfried, ich glaube für ein sehr langes Leben ist der Pétalos nicht ausgelegt, drei, vier Jahre sicher, aber dann sollte er schon getrunken werden.

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