Dienstag, 11. Oktober 2011

Von Jahreszeiten und Textilien


Das ist genau meine Jahreszeit, mein Wetter, meine Temperatur. Wenn der Sommer sich dem Ende neigt und die heißen, schweißtreibenden Celsiusgrade einer frischen, leicht kühlen, wunderbar aromatischen Luft Platz machen, dann starte ich so richtig durch, denn ich bin der helle Wahnsinn Herbsttyp.

Dieses wurde mir sogar vor einigen Jahren diagnostiziert und hat sich bis heute gehalten. Muss es auch, denn weder habe ich mir fremde Haut ins Gesicht transplantieren lassen, noch die Haare umgefärbt bzw. nussbraunes Permanent-Make-up auf die Iris tätowieren lassen. Nein, ich bin immer noch an blondlichem Haar, blasser, sonnenempfindlicher Haut und bunt schillernde Rehaugen zu erkennen. Eindeutig!

Genau aus diesem Grund soll ich mich jedenfalls, wenn ich ohne zentimeterdicke, sündhaft teure Farbe im Gesicht trotzdem frisch und gesund aussehen möchte, in die hellen Farben des Herbstes kleiden. Jaha, da staunt der Unwissende (hier habe ich bewusst die männliche Form gewählt), aber es stimmt. In hellen Naturtönen erstrahlt mein Gesicht in vollem Glanz... zu dick aufgetragen? Nö, oder? Wie auch immer, dieser farbliche Umstand ist mir wie bereits erwähnt, schon seit einigen Jahren gut vertraut.

Aber darum soll es hauptsächlich hier nicht (mehr) gehen, denn während ich nun schon einige Minuten etwas unbeholfen nach Worten ringe, um den Bereich zwischen Überschrift und Rezept zu überbrücken, hab ich die Bäume vor lauter Wald doch noch entdeckt, greife meine ersten Zeilen auf und wiederhole die Behauptung,  dass ich nicht nur in Sachen textiler Farbpalette der HHT (helle Herbsttyp) bin.

Während ich nämlich ab 25°C aufwärts in der Sonne einzugehen drohe und sämtliche Kapazitäten aufgrund einer Energiekonzentration zum Zwecke der Eigenklimatisierung deutlich reduziert werden, blühe ich im sonnigen Herbst wieder so richtig auf. Die Sonne steht lange nicht mehr so hoch wie im Juli, sie blendet zwar furchtbar beim Autofahren, und das zu jeder Tageszeit, aber sie taucht alles in ein wunderschön kräftiges Licht, und bringt die Farben der Natur zum Strahlen anstatt sie erblassen zu lassen. Einfach traumhaft!

Dass der helle, sonnige Herbst auch kulinarisch eine riesige Auswahl zu bieten hat, brauch ich eigentlich nicht gesondert zu erwähnen, ich tu es aber trotzdem ;o) Das ist für den Fluss dieses Beitrages unumgänglich, denn ansonsten würde ich die Brücke zum Gericht und letzendlich zum Rezept, dem eigentlichen Protagonisten eines Foodblogbeitrages, nicht hinbekommen.

Also, wo war ich...ach ja, kulinarische Herbstauswahl...ja genau. Der helle Herbst ist ein großzügiger Geselle mit üppiger Auswahl, denn er beschert uns die letzten reifen Tomaten, Gurken und Auberginen, den ersten zarten Kohl, und das saisonale Intermezzo der Waldpilze, nee watt schön.

Von diesem Angebot habe ich mich kürzlich locken lassen und vom Biohof einen Kohlrabi Marke "Superschmelz" mitgenommen, welcher seinem Namen trotz mehreren Kilo Gesamtgewicht alle Ehre macht. Von diesem kapitalen Prachtstück kann man eine vierköpfige Familie mehr als einmal satt bekommen und das, wo er überhaupt nicht hart bzw. holzig ist. Hier mal ein Größenvergleich zu einer Standardstabtomate:

Die Tomate ist das kleine rote Ding auf ein Uhr
  Zum Kohl passen Waldpilze ganz hervorragend und so habe ich (gekauften) Pfifferlingen die Chance gegeben, mit dem Superschmelz zum Zwecke einer Vorspeise oder auch Beilage eine Liaison einzugehen.

Kohlrabi-Pfifferling-Türmchen
(4 Portionen)

1 sehr großer Kohlrabi (wegen der Scheibengröße, die vielen Abschnitte werden anderweitig verwurstet)
400 g Pfifferlinge
1/2 Zwiebeln, fein gewürfelt
3 EL Petersilie, fein gehackt
1 Schuss Noilly Prat
150 g Frischkäse
1 Eigelb
Salz, Pfeffer ,Zitronensaft

Den Kohlrabi mit der Aufschnittmaschine in 2-3 mm dicke Scheiben schneiden und 12 oder 16 große, Kreise (etwas größer als vorhandene Dessertringe) ausstechen. Die Scheiben im Dampfeinsatz garen, leicht salzen und mit wenig Zucker berieseln
.
Pfifferlinge putzen. Ich bevorzuge hier die umstrittene Methode mit Wasser und Mehl und trockne die Pilze nach rascher Reinigung an der hellen Herbstluft, damit das wenige aufgesogene Wasser wieder austrocknen kann. Wer Zeit und Muße hat, der beginne mit den Vorbereitungen zu diesem Gericht zwei bis drei Tage vorher und befreie jeden Pfifferling mit Hilfe einer Pilzbürste von Sand und Waldresten.

Die Pfifferlinge werden schön klein geschnitten und mit den Zwiebeln in heißem Butterschmalz angebraten. Nun wird mit Noilly Prat abgelöscht, eingeköchelt und anschließen mit Frischkäse und Petersilie verrührt und abgeschmeckt. Die abgekühlte Pilzfarce wird mit einem Eigelb verrührt.

Unter Zuhilfenahme von Dessertringen wird geschichtet, unten und oben jeweils eine Scheibe Kohlrabi und dazwischen Farce und Kohlrabi im Wechsel (max. 4 Schichten Kohlrabi).Die Türmchen wandern in den auf 140°C vorgeheizten Backofen, in dem sie 10-15 Minuten verharren und werden anschließend heiß serviert.

Die Türmchen sind saftig und benötigen für meinen Geschmack nicht unbedingt ein Sößchen.

Kommentare:

  1. Auf diesem Fundament lass uns bauen ! Anstelle von "Superschmelz" werden wir leider auf "Gärtnerstolz" zurückgreifen müssen.

    AntwortenLöschen
  2. was für eine schöne Idee! Very nice! Ich habe bei den großen Kohlrabis immer Angst, sie könnten holzig sein, daher greife ich gerne zu denen in der Größe der gezeigten Tomate. Aber wenn er "Superschmelz" heißen würde...

    Des Weiteren kann ich bestätigen, dass Du ein ganz wunderbar strahlender Typ bist. Ganzjährig! :)

    AntwortenLöschen
  3. Gut, dass du dich dieser Pilzputzlegende auch nicht beugst.
    Müssten wir doch all die schönen, wuchernden Pilze nach einem Frühherbstregen der Legende zufolge im Wald einfach stehen lassen....

    AntwortenLöschen
  4. sieht fast wie eine kaffekränzchen-torte aus, würde mir aber eindeutig besser schmecken, denn kohlrabi + schwammerl sind einfach genial.
    ich pinsle und wische steinpilze und selbstgesammelte eierschwammerl, die daher sehr sau´ber geerntet wurden. Aber gekaufte Eierschwammerl wasche ich unter fleissendem Wasser, ohne Mehl, und trockne sie dann wie du. braten ohne fett in einer eisenpfanne (a la Claus) macht sie dann ganz trocken.

    bin auch ein herbsttyp ohne mich farbstylistisch daran zu halten.

    AntwortenLöschen
  5. Ich bin ja ein Sommer :).

    Das Törtchen ist klasse. Könnte ich mir auch als feine Beilage zu nem Rinderfilet vorstellen.

    AntwortenLöschen
  6. So, so Herbsttyp also. Wobei ich finde, dass Du auch in den anderen Jahreszeiten toll aussiehst.

    Könnte sich die Susa jetzt vielleicht noch als Frühlingstyp outen? Weil ich bin ja, außer „Typ Eule“ auch eher der Wintertyp. Eine Schneeeule sozusagen.

    Die Türmchen sind Klasse! Und stimmt, man kann sich echt die vielseitigsten Verwendungs- und Variationsmöglichkeiten vorstellen!

    AntwortenLöschen
  7. Vorbehalte gegen diesen Riesenkohlrabi Superschmelz sind nicht nötig, er ist wirklich absolut zart.

    Ansonsten muss ich enttäuschen, ich bin laut Typisierung der Sommertyp, aber nach Gottfrieds Definition gehöre ich wohl auch eher der Eulen-Winterfraktion an. ;-)

    AntwortenLöschen
  8. @Robert,
    Gärtnerstolz klingt nicht minder gut :o)

    @AT
    Das geht ja runter wie... :o)))

    @Heike
    wie wahr

    @Eline
    selbst gesammelte Pfifferlinge gabs in Ermangelung eines Fundortes leider noch nie bei mir

    @Toni
    Naütlich bist Sommer! Was anderes ginge auch gar nicht :o))))

    @Gottfried
    Typ Eule passt, wenn ich da so an dein nächtliches Durchhaltevermögen und die Schwierigkeiten am nächsten Morgen denke :o))

    @susa
    wir sollten mal an die Typisierungskommission herantreten und die Ergänzung "Eulentyp" beantragen, wo wir in unserem Team jetzt schon zwei davon haben ;o)

    AntwortenLöschen
  9. Weil ich so ungern süße Kuchen backe, freue ich mich immer über herzhafte Varianten. Und nachdem ich mich endlich, endlich für Rote Bete begeistern kann, werde ich mich jetzt auch mal dem Kolrabi widmen. vielleicht kann ich die Aversion ja mit Hilfe Deines Rezepts überwinden ;-)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Dieses Blog durchsuchen

Follow by Email

Aus Küche und Keller

#kochtag (2) 180° Adventskalender (89) 180° der Film (2) 180° Fussballwette 14/15 (3) 180° Hauptversammlung (2) 180° Hauptversammlung 2012 (10) 180° reloaded (35) Aachen (3) Advent (3) Alemannia (3) alltagsküche (3) Alter (4) Amuse (6) Apfelsaft (1) Aquitaine (1) Aromen aus 1001 Nacht (16) ATK-Bloggeburtstag (5) auf die Schnelle (49) aus der Hand (47) aus Fluss und Meer (64) Australien (2) Auxerrois (1) Backen (5) Backhaus (3) Backtag (33) Baden (2) Barbarazweig (1) Barbier (2) Barrique (2) Bauanleitung (3) Beiwerk (34) bellet (1) BiB (1) Bierzo (1) Bio (5) Bistroküche (5) Blaufränkisch (2) Blauzungenmarathon (2) Bordeaux (27) Bourgeuil (1) Brot (5) Bruno (2) Buch (2) Buchmesse (1) Bullshitbingo (1) Burgund (4) Butter (1) Cabernet (1) Champagner (6) Chardonnay (14) Châteauneuf (1) Châteauneuf-du-Pâpe (1) Chicorée (1) CocaCola (1) Cote d'Azur (3) Côte d'Azur (2) Cotes du Rhône (1) Crémant (1) Cru Bourgeois (1) Currywurst (1) Cuvée (2) Dessert (38) Dessous (8) Diät (4) Dornfelder (3) Edelzwicker (1) Ei ei (6) Elsass (4) Endlich Frühling (48) Erben Spätlese (1) Erbsensuppe (2) Erdbeeren (1) Erntedank (42) Etikettentheorie (4) Federvieh (31) Ferien (1) Fern(k)östlich (19) Figeac (3) Film (2) Fisch und Krustentiere (2) Flüchtlinge (1) Fotoworkshop (2) Franken (2) Frankreich (13) Frankreich; Bistroküche (2) Freundschaft (2) Frühling (25) Frühstück (1) Fußball (8) Gargantua (1) Garmethode (1) Garnacha (1) Gebäck (8) Geflügel (4) Gemüse (7) Gemüsegarten (8) Geschenke (1) Gesellschaft (14) Getränk (4) Gewürzmischung (1) Gewürztraminer (9) Grauburgunder (2) Graves (1) Grenache (2) Grundrezept (3) Grüner Veltliner (2) Heidschnucke (2) Herbst (43) herzhaft (20) Hipster (1) Hochbeet (1) Holland (2) Hörncheneisen (1) Hühnersuppe (2) Iris (1) Italien (10) Jahresrückblick (1) jetzt wird's Wild (19) JSDEDBDW (1) Jugend (1) Kamptal (1) Karneval (1) Käse (17) Keller (3) Kindheitserinnerung (11) Klimawandel (1) Kobler (3) Kofler (1) Köln (1) Kork (1) korrespondierende Weine (39) Kuchen (1) Küchenklassiker (50) Küchentechnik (14) Kunst (4) Lachs (1) Lafite (1) Lagrein (1) Lambrusco (1) Lamm (9) Landwirtschaft (1) Le Mirazur (1) Lebensmittelproduktion (4) Lemberger (4) Lichine (1) Limonade (1) Löffelweise (48) Loire (1) Loriot (1) Madiran (1) Mais (2) Mallorca (2) Märchen (6) Margaux (1) Marsanne (1) Mencia (1) Menu (15) Menü (104) Mercurey (1) Merlot (2) mindestens haltbar bis... (20) Mittelrhein (1) Mosel (4) Mourvèdre (2) moussierend (4) Müller-Thurgau (2) Naturwein (1) Neujährchen (3) Neuseeland (2) nichtFischnichtFleisch (95) Niederlande (3) Niederrhein (1) Nikolaus (4) nizza (1) norddeutsch (1) nur so (29) nur so... (74) OBÜP (1) Oma (6) Oper (3) Orange Wine (1) Osterbrunch2012 (9) Ostern (11) Österreich (6) Parker (1) Passito (1) Pasta (46) Pavie (1) Perlhuhn (1) Pfalz (7) Picknick (13) Pinot Grigio (2) Pinot noir (2) Pinotage (2) Plätzchen (3) Playboy (1) Port (2) Portugal (4) Primeur (1) Primitivo (1) Priorat (2) Prosa (1) Prosecco (1) Provence (9) Punk (2) Raclette (1) Rebholz (1) regional (2) Restaurant (5) Reste (6) Retsina (1) Rhabarber (1) Rheingau (5) Rhône (3) Rieslaner (3) Riesling (29) Rind (5) Rindvieh (48) Risotto (2) RoeroArneis (1) rosa (2) Rosé (7) Rotwein (6) Roussanne (1) Roussillon (1) rückwärts garen (1) rund ums Mittelmeer (65) Saar (1) Saft (1) Saison (1) Salat (5) Saucisse de Morteau (1) Sauternes (2) Sauvignon blanc (7) Sauzet (1) scharf (4) Schatz (1) Schuhe (1) Schweinerei (24) Seelentröster (4) Sekt (6) Shiraz (3) Silvaner (2) Silvester (2) Sirup (1) Skrei (1) Sommelier (5) Sommer (57) Sommerküche (86) Sommerpicknick2012 (9) Sommerwein (8) Sonntagsbraten (20) Sorbet (3) Souldfood (1) Spanien (3) Spargel (1) sparkling (2) Spätburgunder (6) St. Emilion (3) St. Estèphe (1) St. Julien (1) St. Peter Ording (1) St.Estèphe (3) Stein (1) Steinlaus (1) Subskription (1) Südfrankreich (1) Südtirol (9) Suppe (7) Süßstoff (84) Süßwein (9) Syrah (5) take 5! (9) Terroir (1) Test (1) Theater (1) Tomate (11) Tomtenhaus (1) Torte (1) Toskana (1) trocken (1) Trollinger (1) Trüffel (3) Tulpen (1) Urlaub (15) vegetarisch (11) vendredisduvin (1) vermouth (1) Vinho Verde (1) Vinocamp (1) Vitamine (2) vom Grill (23) Vorspeise (87) Walch (1) Wanderhühner (1) Weihnachten (10) Weihnachtsmenü (35) Weihnachtsmenü2010 (4) Weihnachtsmenü2011 (7) Weihnachtsmenü2012 (5) Weihnachtsmenü2013 (4) Weihnachtsmenü2014 (5) Weihnachtsmenü2015 (4) Weihnachtsmenü2016 (6) Weihrauch (6) Wein (26) weinfreak (1) Weinmärchen (2) Weinrallye (56) Weißburgunder (2) Weißwein (5) wermut (1) Westerhever (1) Wichteln (3) Wien (2) Wiesn (4) winepunk (1) Winter (46) Winterküche (95) Winzer (2) Wuppertal (1) Würrtemberg (5) Württemberg (9) Zinfandel (2) Zitrone (5) Zukunft (1) zwischen Küste und Alpen (206)