Freitag, 21. Oktober 2011

Pendeln (II)


Beschwert Euch bei Tonichefin-Süd; die ist schuld, mit Ihrem letzten Beitrag über das Pendlerleben, dass ich heute auch mit einer Geschichte aus dieser Ecke um selbige komme. Bin animiert sozusagen.

Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, dass man als Praktikant auch mal längere Anreisen hinnehmen muss. So ging es mir vor ein paar Jahren, also als der Stau nur morgens die Regel und Abends die Ausnahme war, da musste auch ich ein wenig Kilometer (ca. 60 einfach) schrubben.

Und in den paar Jahren ist es einmal vorgekommen, dass ich nicht spät dran war. Ein tolles Gefühl, Arbeit erledigt; Büro ordentlich abgeschlossen, die Alarmanlage vorschriftsmäßig scharf geschaltet und keinen akuten Termin. Also ins Auto und völlig entspannt der untergehenden Sonne entgegen surfen.



„I´m a poor lonesome Cowboy...“ Rechte Fahrspur im LKW-Windschattenmodus.

Also theoretisch; praktisch war ich kaum auf der Autobahn, als ein rotes Etwas aus Maranello an mir vorbei geflogen kam. Keine Ahnung wie das Teil aussah, aber einen Sound hatte das! Doppelauspuff rechts und links. Und das Wort „Doppel“ kommt nicht etwa von der Bauart, sondern von der Wirkung!

Die ist nämlich zweifach; erstens wird der Körper in Sekundenbruchteilen mit Adrenalin und Testosteron überschwemmt und zweitens jegliche Vernunft in den Gasfuß gelenkt. Funktioniert aber nur bei Männern.

Bei mir jedenfalls punktgenau. Also, es ist auch nicht wichtig, dass man Zeit hat; wird eh überschätzt und wer fährt schon rechts und wenn man ein wenig mehr drückt, dann wird das Bodenblech schon nachgeben. Und nein, ich lass niemand raus. Kann ich gar nicht; Praktikantendienstwagen sind notorisch untermotorisiert; „liaber dod als Schwung verliera“.


Aber auch untermotorisierte Schraubenhaufen kommen irgendwann ins Rollen, so dass ich den Ferrari zumindest nicht allzu viele Kilometer wegziehen lassen musste. Es muss ja immer das voraus fahrende Fahrzeug die Fahrbahn säubern.

Deshalb und weil es so eine gaaanz lange, bodenwellige Linkskurve gab, Flundersportwagen hassen Bodenwellen in langen Kurven, kam ich ran. Was heißt ran, ich kam mit Geschwindigkeitsüberschuss angeflogen.

„Gottfried“ dachte ich, „die Chance hast Du nie wieder!“ und gab die Lichthupe, man möge mich überholen lassen.



Hierzu passt wahrscheinlich der Nachtisch zum „Hundert-Tage-Rot-Grün-Menü“;  die Idee ist beim Steinheuer geklaut.


Weinbergpfirsichcannelloni, Créme-brulée-Eis und Gedöns: 


Hippen:
Am Vortag von einer Orange Schale abreiben, 60ml Saft auspressen und zusammen mit der Schale,140g Zucker und 40g Mehl glatt rühren,80ml flüssige abgekühlte Butter einrühren, 12h kühl stellen. Zum Backen auf eine Silikonmatte streichen (8-9x Quadrate) und bei 180°C bei Ober- Unterhitze ca. 5 Minuten farblos backen, rausnehmen, abkühlen lassen.

Fürs Anrichten, Hippen bei 180°C Ober- Unterhitze ca. 3-4 Minuten goldgelb ausbacken.

Chantilly-Crème:
Am Vortag 60ml Sahne, 6g Glucose und 6g Invertzucker aufkochen, 1 Blatt Gelatine auflösen, 40g Ivoire Kuvertüre darin auflösen, 200ml Sahne und 40ml Himbeergeist zugeben und 24h kalt stellen.

Zum Anrichten kleine Kugeln ausstechen.

Metilmasse:
200g Wasser mit 7g Metil mindestens 2 Minuten mit dem Mixer aufschlagen, 12 Stunden kalt stellen, abschäumen.

Crème brûlée Eis:
100ml Milch mit 1 Vanillemark + Schote aufkochen, Schote entfernen und 6 Eigelb mit 60g Zucker schaumig schlagen, Milch wieder kurz köcheln lassen, Zuckerei unterrühren, vom Herd ziehen, bei 60°C 340ml Sahne zugeben und 2 Stunden ruhen lassen. Masse in Souffléförmchen füllen und bei 90°C dämpfen (20-25 Minuten?), abkühlen und mit braunem Zucker bestreuen und abflämmen.

Alles in Pacojet-Dose einfüllen und durchfrieren; zum Anrichten Pacoisieren. Geht natürlich auch mit normaler Eismaschine, aber wenn wir schon mal einen Paco hatten ;-)

Eingelegter Weinbergpfirsich:
500ml Port- und 500ml Rotwein mischen, auf die Hälfte einkochen, mit Weinbergpfirsichlikör abschmecken. 2-3 Weinbergpfirsich in 4-5mm Scheiben schneiden, rund ausstechen, in Vakuumbeutel mit einem Schuss Port/Rotwein geben, kalt stellen. Reste der WBP davon in Reduktion weich kochen, mixen, passieren und mit 1 gestrichene TL Xantan binden und in Quetschflasche füllen. Zum garen den Vakuumbeutel bei 60°C 10-12 Minuten garen, entnehmen und kalt stellen. 

Cannelloni:
8 Blatt Gelatine einweichen, in 60ml warmen Weinbergpfirsichlikör Gelatine auflösen
und 1000ml Pfirsichmark mit 340g Metilmasse und 30ml Likör verrühren, in Spritzbeutel füllen und kalt stellen. 700g Kuvertüre,140ml Sahne, 30g Butter und 120g Glucose aufkochen, 1 Blatt Gelatine auflösen und mit 300g Metilmasse, 1 TL Xantan, 20ml Bacardi mixen und kalt stellen. Zum Anrichten aus Frischhaltefolie 9 Rechtecke 8x6cm mit Spritzbeutel auftragen, die weiße Schokoladencanache mit Handrührgerät aufschlagen und in Spritzbeutel füllen und auf dem kurzen Ende die Canache auftragen. Mit Hilfe der Frischhaltefolie einrollen (besser zu zweit!), fest zudrehen und im Wasserbad bei 70°C garen, warm halten!

Weinbergpfirsichgelee:
9 Blatt Gelatine einweichen, 100ml Läuterzucker herstellen und 300ml Weinbergpfirsichmark aufkochen, Gelatine darin auflösen, 100ml Portwein zugeben, das ganze über Eiswasser mit Handrührgerät auf höchster Stufe aufschlagen und kurz bevor es fest wird in Form gießen und kalt stellen.

Karamellspiralen:
100g Zucker, 30g Glucosesirup und 40ml Wasser auf 165°C aufkochen, auskühlen lassen und mit den Fingern um einen Wetzstahl zu spiralen formen. Deko: Weiße Pfirsich in Fächer schneiden (9 Stück) und in klarem Pfirsichlikör (Peach Tree) marinieren.


Kommentare:

  1. Ja und was war jetzt mit dem Ferrari?

    Und bevor jetzt hier jemand meint, bei uns bekämen Praktikanten Dienstwägen: das wäre ja noch schöner!

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  2. Was der Ferrari für den Pendler ist der Paco-Jet für den Koch!

    So, so.. Duuu warst das also hinter uns mit der Lichthupe, Gottfried!

    @Toni: Was soll gewesen sein, wir haben in den zweiten Gang geschaltet und dann waren wir wieder weg :-))

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  3. @Toni: Matthias hat ja schon geschrieben, was dann war; und ich bin ausgestiegen, weil ich dachte ich steh. Aber der Umstand, dass sich Matthias noch dran erinnert, spricht zumindest dafür, dass sich das noch so viele nicht getraut haben.

    @Matthias: Hast Du dich wenigstens ein bisschen verschluckt? Und wollen wir das Spiel mal auf Serpentinen meiner Wahl wiederholen?

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  4. Wenn ich das so sehe, sollte ich beim nächsten Mal mit Vincent zu Dir kommen :-)

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  5. Naja, scheinbar hast du es dank Adrenalin und Testosteron glatt überlebt - um uns mit herrlichen Nachspeisen zu quälen.

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  6. Ilse hats gar trefflich auf den Punkt gebracht :o)

    Was ich mich allerdings gerade quälend frage: Ist die Vergütungsvereinbarung von 12 Cent je Dienstkilometer zu hoch, wenn sich der Herr Praktikant so eine spritverbrauchende Fahrweise leisten kann?

    Und natürlich ist in diesem Zusammenhang auch die Pacojetfrage zu beantworten: Wo hatter die monetäre Grundvoraussetzung für den Pacojet her?
    Und wie zufrieden war er mit dem Metil, ich hab da nämlich auch schon meine Erfahrungen mit gemacht...

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  7. Auf die Antwort der Metilfrage warte ich auch ungeduldig. Herr susa hatte bei der Namensnennung Assoziationen zu Tapenkleister.

    Und unter so vielen Dessertspezialisten bekomm ich noch Komplexe (aber Vanillepudding ist auch lecker, sagt der Leo).

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  8. Buschi: Guter Plan; ausgesprochen guter Plan!

    Ilse: na ja, ich übersteh so einiges; bin zäh! Aber besser ich zäh als mein Essen!

    Susechefin: die Kilometergeldpauschale... Also wenn man ordentlich Dienstkilometer erfindet, dann kann man noch einigermaßen die Puppen tanzen lassen. Aber natürlich nicht mehr wie früher; da war ja alles... (und leise surrte im Keller die Bartwickelmaschine)

    Die Erfahrung übrigens, die Du mit dem Metilkleister gemacht hast, erahne ich. Wer nicht?!

    Schätze, der Vorsatz sollte lauten, alles aber auch alles mit Metil irgendwie zu finishen. So lange bis man das Gefühl für den Umgang mit diesem Zeugs bekommen hat.

    Susa, der Herr Susa hat Recht; Metil ist Kleister, also wirklich. Und es geht nichts über Pudding; wobei ich sehr gerne Schokoladenpudding mit Vanillesauce mache. Was mit dem Unausprechlichen ja wirklich kein Akt ist!

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  9. Sogar die Rechtschreibfehler mitkopiert ;-)

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