Montag, 1. August 2011

Sommerwetter, Sommerfest, Sommerwein ..... endlich Sommer!

So ein 180°-Sommerfest ist für die Blogsommelière eine ganz entspannte Angelegenheit, es gibt nicht viel zu tun. Nicht dieses akribische Rumprobieren in der Küche "könntet Ihr vielleicht weniger Fenchel und dafür so in Richtung Estragon bei der Sauce und ein Spritzer Bitterorange, dann hätte ich den ge_ni_a_len Chardonnay …." worauf der Praktikant naseweis wie er ist IMMER kontert "ABC – anything but Chardonnay" (weswegen er jetzt eine Sonderaufgabe zum Thema Burgund bekommen hat); oder die Hammerkreationen, die über Spinat, Artischocken, Tomaten UND Oliven aber auch alles in einem Gericht enthalten, was einem Sommelier bei seiner Prüfung den Schweiß auf die Stirne treibt.

Bei einem großen Sommerfest mit einem solch überwältigenden Büffet, wie es die Toni einfach mal so aus dem Handgelenk zaubert, besteht ja nicht die Hauptaufgabe darin, Weine zu finden, die sich mit dem ein oder anderen Gericht aufs Perfekteste vermählen, das machen wir bei den großen 180°-Menüs wie z.B. hier auf dem fliegenden Teppich .

Fêtenweine müssen anderen Gesetzmäßigkeiten gehorchen, die da wären:

Der Wein ist auf dem lustigen Fest nicht der Hauptdarsteller, er muss sich in die Reihe aller anderen Getränke einreihen und sich seinen Platz mit Sekt, Bier, Sprudel, Saft und auch dem kleinen Schnäpschen teilen. Deswegen sollten vor allem Attribute wie Frische und Frucht dominieren, auch weniger Alkohol ist hier in jedem Fall mehr.

Es sollte sowohl Rot- als auch Weißwein und sogar Rosé angeboten werden und am besten Weine, die gut gekühlt am besten schmecken. Dann teilen sich alle Getränke gleichberechtigt den Platz im Kühlschrank oder dem Eiswürfelbad und warm werden sie im Glas sowieso ganz von alleine.

Der Wein muss in anderen Mengen kalkuliert werden als bei einem Menü, insofern legt man andere Preisobergrenzen an, schon aus diesem Grunde sucht man im Basissegment der Winzer und Händler seines Vertrauens nach dem geeigneten Stoff.

Vor noch nicht allzu langer Zeit hörte man von Sommelier-Kollegen, die der Einführung alternativer Flaschenverschlüsse insbesondere des Schraubers mit großer Skepsis entgegentraten ("Ja wollt Ihr uns etwa überflüssig machen, wenn wir dem Gast die Flasche nicht mehr aufmachen können…" – als ob der Job eines Sommeliers nur im Flasche öffnen und einschenken bestünde, das kann bei uns ja schon der Praktikant ). Ich sehe das ganz entspannt, erstens ist mir ein Schraubverschluss lieber als ein Korkschmecker und zweitens sind mit Schrauber verschlossene Weine für zwanglose Fêten perfekt. Gut und einfach wiederzuverschließen, ohne Korkgebrösele können sie zurück in den Kühlschrank bzw. das Eiswürfelbad gegeben werden und bekommen so weder zu viel Luft noch Fliegen, Bienen, Wespen oder gar - alles schon vorgekommen - Brotbrösel ab. Bei Tonis Festen ist natürlich alles perfekt, alles andere würde sie sich auch heftig verbitten, da gibt es ebenso wenig Fliegen, Wespen oder Ameisen wie schlechtes Wetter oder einstürzende Gartenpavillons.

Ich schweife mal wieder ab, altes Leiden. Also kurz und gut, Korken muss nicht.

Eine sehr gute Idee sind die so genannten BIB- (Bag in Box)-Weine, also Weine die luftdicht abgeschlossen in einen Folienschlauch gefüllt und in einem Karton verpackt sind. Früher als Billigweine ohne jeden Geschmack verschrien mausern sich die BIBs langsam, seitdem immer mehr Winzer auch diese Gebinde anbieten. Für Fêten ideal, die Kartons sind mit einer kleinen Zapfvorrichtung versehen, jeder zapft sich seinen Wein und was nicht ausgetrunken wird hält noch bis zu drei Monate lang ohne nennenswerte Verluste.

In jeder Hinsicht empfehlenswert ist hier die BIB MEIN WEIN vom rheinhessischen Winzer, Blogger und Urgestein Dirk Würtz, zuallererst natürlich weil der Wein, Riesling, genau das ist, was man für eine solche Gelegenheit braucht: unkompliziert, macht Spaß, fruchtig (vor allem Zitrusaromen), auch ein wenig Säure, damit es nicht langweilig wird, und gut gekühlt sollte er sowieso sein.

Aber auch die Box an sich ist einfach sehenswert, Dirk Würtz ist bar jeglicher Ober- ja noch nicht mal Unterbekleidung mit bloßen Händen Hühner jagend abgebildet. Über eine eventuelle Symbolik und tiefere Bedeutung lässt sich da doch vor allem bei fortgeschrittenem Genuss wunderbar philosophieren.

Bild mit freundlicher Genehmigung des Direttore von La Gazzetta del Vino , ganz herzlichen Dank dafür!

Was fêtentaugliche Rotweine angeht, bin ich bei den deutschen Weinen noch nicht so recht fündig geworden (Regel bestätigende Ausnahme weiter unten in diesem Text), aber ich suche weiter. Hier biete ich immer noch am liebsten Weine aus Südfrankreich, der Provence, dem Languedoc oder auch der südlichen Rhône an. Es finden sich wunderbare Basisqualitäten, die mit unkompliziertem kräftigen Essen oder auch einfach so bestens harmonieren, die für Sommer, Unbeschwertheit und das stehen, was man in Frankreich convivialité nennt, das zwanglose Zusammensein mit Freunden bei Essen und Wein. Hier greife ich oft und gerne zu den Weinen von Pierre Clavel, vor allem zu seinen Basisqualitäten Le Mas (von dem Clavel selber sagt, er schmeckt am besten zu allem, was man mit den Fingern isst)  und Les Garrigues. Für diejenigen, die es ein wenig wuchtiger mögen ist der einfache AOC der Domaine de Courbissac  aus dem Minervois eine gute Wahl.


Mein Sommerfêtenwein 2010 kommt allerdings aus Deutschland und zwar aus dem Württembergischen. Die Weine von Rainer Schnaitmann habe ich ja schon häufiger vorgestellt.

Die Weißweincuvée (70% Müller-Thurgau, 30% Kerner)

2010 Evoé!
Weingut Schnaitmann, Württemberg °°

(fast hätte er preislich das ° noch hinbekommen)

ist der perfekte Sommer-, Fête-, Gute-Laune-Wein, saftig, frisch, fruchtig, knackig, spritzig auch ein wenig Mineral und Pfeffer. Hier zeigt Rainer Schnaitmann, dass Basisweine nicht unbedingt langweilige everybody's darlings sein müssen, sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner, sondern individuelle, aromatische Weine, die zu mediterranen Buffets passen, zu Steckerlfisch, zu Grillwürstchen mit Salat, ja sogar Gerichte mit Tomate steckt der weg.

Evoé! gibt es auch in rot mit fast den gleichen Eigenschaften und ist eine Cuvée, deren Teilnehmer ich Herrn susa lieber nicht laut vorlese, der hat zu so einigen Rebsorten seine Meinung und der Herr erhalte ihm seine Vorurteile (als da also wären: Cabernet Dorsa, Cabernet Cubin, Cabernet Dorio, Lemberger und Dornfelder, wobei ich gestehe, dass ich Cabernet Cubin bei Schnaitmanns zum allerersten Mal gehört habe). In Rot ist Evoé ein perfekter Begleiter zu allem kräftig Gegrillten sogar zu den Lammbratwürstchen unseres Praktikanten sowie zu Pizza und Pasta.

Also wenn man nicht in die Ferne schweifen will, kann man ein ganzes Sommerfest mit Evoé!s bestücken, denn es gibt sogar einen Evoé!-Sekt, einen blanc de noir, der ist ein kleines bisschen rosa.

Aber natürlich muss auch in aller Kürze die Geschichte des Namens Evoé! erzählt werden und die geht so: Der Weingott Dionysos war von Berufs wegen ein eher gemütlicher Bursche, was ihn allerdings nicht daran hinderte, einen Feldzug nach Indien anzuzetteln. Weiß der Himmel resp. der Olymp was er da wollte. Fürs Grobe hatte er eine Armee kampferprobter Damen zusammengestellt, die Mänaden, die es mit jedem Landsknecht im Dreißigjährigen Krieg hätten aufnehmen können was Raufen, Saufen und der armeeüblichen unabdingbaren Charaktereigenschaften mehr sind. Der Schlachtruf dieser Damen nun war Evoé!, was soviel heißt wie "auf sie mit Gebrüll!"

Evoé! heißt aber auch "Jubel", "Freude" und Rainer Schnaitmann, der ein recht hintersinniger und sehr humorvoller Mensch ist, hat das alles in seine Evoé!s gepackt, die Wucht, die Kraft, die Freude und den Jubel!

Prost!

Kommentare:

  1. Das mit den Mänaden finde ich ja hoch interessant! Für unser 180° Treffen würde ich mir diesen Schlachtruf gut einprägen, wenn ich Praktikant wäre. Schnell laufen kann er ja :))))

    Unser Partyweißwein war übrigens der St. Veit von Wirsching. Der ist auch sehr nett für so ne Gelegenheit. Für nächstes Jahr merk ich dann den Herrn Schneitmann und die Mänaden mal vor.

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  2. Mänaden also; „kampferprobter Damen, die es mit jedem Landsknecht im Dreißigjährigen Krieg hätten aufnehmen können, was Raufen, Saufen und die armeeüblichen unabdingbaren Charaktereigenschaften“ angeht.

    Bei welcher Gelegenheit liebe Chefin Süd, meintest Du, müsste ich mit einem Zusammentreffen rechnen?

    Von all dem abgesehen, habe ich das Gefühl, dass dieser Susasche Beitrag jetzt den Sommer, auch wettertechnisch, eröffnet.

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  3. Mooooment - ah ja! Kalender sagt 19. August in der NL Nord :)

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  4. Ich muss dem Praktikanten beipflichten. Auf diesen sommerlichen Weinbeitrag hat die Nation von München bis Lüneburg gewartet. Jetzt kann...nein muss es endlich kommen: beständiges, herrliches Sommerwetter.
    BIB-Wein muss ich mir merken. Bei mir hieß der bislang immer ganz ordinär "Weinschlauch"

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