Freitag, 12. August 2011

Brot und Wein

Neben Wein ist Brot das Lebensmittel, das in allen Kulturen und Religionen immer auch eine religiöse oder kultische Bedeutung hat. Brotbrechen, Brot teilen, ungesäuertes Brot am Sabbat, Brot als Sinnbild für einen lebendigen Leib, Brot und Wein, Leib und Blut, "unser täglich Brot gib uns heute".

Früher als erstens das Wünschen noch geholfen hat und sowieso alles besser war, vor allem das Wetter, da war ein Sommer noch ein Sommer und ein Winter noch ein Winter, da gab es beim Dorfbäcker fünf oder sechs Sorten Brot. Teebrot, süßer Stuten wahlweise mit oder ohne Rosinen, Schwarzbrot, das war noch gutes kerniges Vollkornbrot und nicht dieser weiche feuchte Papps, den man heute bekommt, kräftiges Roggenbrot, das erst nach zwei Tagen richtig gut schmeckte, wenn es durchgezogen war und Weißbrot, das man nur mit ganz weicher Butter bestreichen konnte, sonst riss man große Löcher in die Krume. Und dann gab es noch Brötchen, manchmal mit Mohn bestreut, und Röggelchen. Und das war's.

Heute wird einem in den meisten Bäckereien eine schier unendliche Vielfalt vorgegaukelt und die ist doch eigentlich nichts anderes als zwei oder drei (Industrie)Grundmassen mit wechselnden Zutaten, mal Körner, mal Kräuter, mal Saaten, Sommers Oliven und Winters Mandeln und Zimt, und die Sachen schmecken auch alle irgendwie gleich.


Kein Wunder, dass sich immer mehr Leute aufs selber backen verlegen, Sauerteige gezüchtet und getauscht werden und gute Rezepte, wie z.B. die von ketex oder dem alten Klassiker Onkel Heinz wie Schätze gehütet.

Bei einer einigermaßen seriösen und sinnvollen Weinprobe ist Brot fast so wichtig wie der Wein und zwar am besten ein rösches Weißbrot oder ein richtiges Baguette, das ist sowieso köstlich und schmeckt sogar noch am zweiten Tag.

Das Brot hat bei einer Weinprobe zusammen mit dem Wasser eine wichtige Funktion, nämlich die Zunge zu putzen und so den Mund von den Aromen des gerade probierten Weines soweit zu befreien, dass der nächste wieder unbeeinflusst von den Einflüssen seines Vorgängers probiert werden kann. Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt ist, dass so auch einer Magenübersäuerung durch Weine mit viel Säure zumindest ein Stück weit entgegengewirkt wird.

Aus diesem Grunde muss sich niemand scheuen, bei einem Winzer um ein wenig Brot zu bitten, wenn er zum Probieren einkehrt und es wider Erwarten nicht gleich angeboten wird. Ich hab bei solchen Gelegenheiten oft ein Notfallbaguette im Auto liegen, gerade wenn man auf Weinreisen ist und am Tag seine drei oder vier Winzer "macht", ist es ganz gut, zwischendurch ein wenig Brot griffbereit zu haben oder sich zu behelfen, falls der Wunsch nach Brot zu viele Umstände macht.
 
Eine alte Freundin, deren Tante in Leiwen ein kleines Weingut besaß, berichtete, dass es sie als Kinder gegraust habe, jedes Mal nach einer größeren Weinprobe gab es am nächsten Tag Brotpudding mit Weinschaumcreme, da die Tante als sparsame Hausfrau die Reste der Probe (natürlich nicht die aus den Spucknäpfen) weiter verwertete.

Die meisten Rezepte mit Brot als Zutat sind in der Tat als Resteverwertung entstanden, was man heutzutage kaum noch merkt, wie z.B. Tonis pfiffiger Brotsalat, der durch dieses geniale Basilikumeis geadelt wird, dafür lohnt sich gleich das frisch Backen, obwohl hier ein etwas älteres Brot durchaus passt. 

So ein Brotsalat kann schon ein kleines Abendessen sein, nicht zu schwer, sommerlich (ja gestern war bei uns Sommer, den ganzen Nachmittag lang, ich konnte es selber kaum glauben) und so ein Abendessen ist ja erst perfekt mit dem richtigen Wein.


2009 Roero Arneis
Vietti, Piemont°°

und ich weiß gar nicht, was mich fröhlicher stimmt, die zauberhafte Zeichnung auf dem Etikett, die wohl einen Weingott oder so etwas darstellt mit Weinlaub umkränztem wehendem Haar oder der frische, fruchtige, schmelzige Wein.

Im Glas funkelt er zart gelb (der Wein, nicht der Gott) und er duftet fein nach grünen Äpfeln, Birnen, Zitronenmelisse und sehr blumig. Im Mund angenehm weich, hier dominieren Pfirsich und wiederum florale Noten, zarte Süße und ein feiner Abgang. Da er nicht allzu viel Säure aufweist, gerät  er auch mit den Tomaten nicht in den Clinch, sondern begleitet die fruchtigen Aromen und die angenehme herzhafte Note vom Basilikumeis sehr dienlich.

Ein solcher Wein ist nicht für lange Lagerung ausgelegt, am besten (wie ja die meisten seiner Kollegen) schmeckt er ein bis zwei Jahre nach der Ernte, insofern sollten die 2009er, die sich derzeit noch sehr schön präsentieren, den kommenden Winter nicht unbedingt mehr erleben.

So kann man sich wenigstens ein bisschen Sommer ins Haus holen, mit dem feinen Brotsalat und einem frischen, fruchtigen Wein. Dabei fällt mir ein, dieses Jahr gibt es überhaupt noch keinen Sommerhit, oder etwa doch? Muss  Kid Rock etwa im dritten Jahr in Folge herhalten mit seiner zugegeben sehr genialen Mischung aus Sweet Home Alabama und Werwolves of London.

Aber jetzt harren wieder anspruchsvollere Aufgaben und der Praktikant muss ordentlich aufpassen, dass er was lernt. Demnächst gibt es für mich mal wieder für ein Menü, ach was schreib ich, für das Menü, das 180°-Sommermenü die passenden Weine aus dem Keller zu holen. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie ich mich da drauf freue.

Prost!


Kommentare:

  1. Der Roero Arneis ist einer meiner Lieblings-Sommerweine, der sich wunderbar an mediterrane sommerliche Gerichte anpasst. Ich gehe beim Jahrgang allerdings noch einen Schritt weiter und bevorzuge den 2010 (wobei sich das Problem bei uns ohnehin nicht stellt, der 2009 ist schon längst weg ;-)

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  2. Hm, sollte hier in subtiler Weise auf das 180° Sommerereignis vorbereitet werden? Man platziert ja für solche Großproduktionen heutzutage ja immer schon wochenlang die Trailer…

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  3. Daneben. Also mein Weintipp.

    Brot backe ich bis auf Ausnahmen selber und da würde mich Wegschmeißen noch mehr ärgern.

    Und Sommer ist ja dann nächsten Freitag :D

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  4. Am Wagen von "Original Eifeler Landbrot" habe ich heute noch Schwarzbrot gekauft. Bei uns sind die nämlich auch auf dem Wochenmarkt und für mich gehört ein Päckchen Schwarzbrot unbedingt zum Wochenende dazu.

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  5. @Ti saluto Ticino, ich hab den 2009er noch mit sehr großem Vergnügen getrunken und empfand ihn noch als durchaus frisch - aber im Prinzip hast Du vollkommen recht, mit diesen Weinen muss man nicht lange warten - wachsen jedes Jahr wieder neue ;o))

    @lieber Praktikant - die Tatsache, dass Du bis auf weiteres Urlaubssperre hast und Dich ab dem nächsten Wochenende zur Verfügung halten sollst, sagt ja wohl genug, oder?

    @Toni, aber Du warst ja schon ziemlich nah dran, das gilt es auch.

    @nata, das Eifelschwarzbrot ist wirklich superplus, kalte Butter drauf, Rübenkraut und Milchkaffee, so schmeckte es bei Oma vwG, Kinderseligkeit

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  6. Ich habe im letzten Jahr zum ersten mal Brotsalat gegessen. Irgendwie grauste mir immer vor den durchweichten Brotklumpen und ich war total überrascht - probiert wird alles - wie super toll der Salat schmeckte. Irgendwo habe ich das Rezept... muss ich mal suchen.

    Ohne Schwarzbrot (das müssen wir uns aus Köln mitbringen oder schicken lassen) geht hier auch nix - zu Mittag gab es zwei Scheiben mit Butter und Plockwurst.

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  7. @Schnuppschnüss: Das Schwarzbrot, das Ihr aus Köln importiert, ist gröber, dunkler und salziger. Das Eifelschwarzbrot schmeckt tatsächlich so wie ich es aus meiner Kindheit kenne. Wir haben es allerdings damals schon in der Eifel gekauft.

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  8. Also, wenn man in Bayern zuhause ist, braucht man wirklich kein Brot selber backen!

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