Mittwoch, 25. Mai 2011

Feinrib "Hundertachtziggrad"


Mode ist ja so eine Sache. Eigentlich sollte man meinen, dass Mode eine reine Geschmackssache ist, sie gefällt oder sie gefällt eben nicht. Weit gefehlt muss ich da allerdings schlaumeiern.
Ich beobachte das Phänomen Mode geburtsjahrbedingt mittlerweile schon eine gefühlte Ewigkeit. Denn mal im Ernst, kann man seinen Geschmack wirklich so schnell ändern? Nehmen wir nur mal die Klamotten: Eben empfand man sich in Marlenehosen mit kontinuierlicher Beinerweiterung ab der Hüfte abwärts todschick und kaum sind die Geschäfte mit knackengen Beinkleidern gefüllt, wandern die weiten Dinger in die Altkleidersammlung um Platz für die Röhren zu schaffen, die erstaunlicherweise trotz Verwendung der Hälfte an Material mindestens genauso viele Euros aus dem Portemonnaie ziehen wie die weiten Teile, die man gerade in einem Sack an die Kirche übergeben hat.

Was haben wir uns Mitte der 90er noch über die bunt gemusterten Herrenhemden mit ach so breitem Kragen beömmelt, die Dieter Thomas Heck in der 543sten Wiederholung der Hitparade im Zett De Eff trug. Wir wussten ganz sicher beim Betrachten unserer Abtanzballfotos, dass 2 cm schmale Lederkrawatten oder sowas wie Leggins nienienieeeeeee wieder jemand tragen würde.

Und? Die Wiederholung der Schlaghosenphase mit hautengen, großkragigen Oberhemden haben wir in 2011 schon wieder lange hinter uns gelassen und in der Lederschlips-Röhrenjeans-Arabertuch-Phase stecken wir gerade mittendrin. Wer hätte das vor ein paar Jahren noch erwartet? Mir graust schon davor, dass die modische Entgleisung schlechthin, die Reiterhose, jemals wieder kommen könnte: unbequeme, meistens viel zu enge Bundanordnung in der Taille, unvorteilhaft geschnitten im Oberschenkelbereich, unpraktische Seitenschnürung unterhalb des Knies. Brrrrrr, ich krieg schon wieder Alpträume (und nun kommt mir nicht und behauptete, Ihr hättet sowas im Leben nicht getragen!!!)

Bei dieser Schnelllebigkeit blickt doch niemand mehr durch. Beständigkeit, Verlässlichkeit, Kontinuität, das wär doch mal was. Wie bitte? Dann kauft ja keiner mehr was Neues? Ha, wer's glaubt. In der Modebranche gibt es genug Beispiele für Klassiker, die immer gehen. Ich denk da spontan an schwarze Socken, quasi ein textiler Evergreen, oder aber aus dem Bereich der Herrendessousmode. Die deutsche Firma Schiesser produziert seit Jahrzehnten eine Serie, die den FachveräukerInnen noch immer unter den Händen weggerissen wird...

Und dann ist da noch was Geripptes, das für mich Beständigkeit in Anklang und Gefallen hat. Ich mochte die Dinger schon immer (gabs die in den 70ern bei uns schon?), naja zumindest seitdem ich sie das erste mal aß. Wichtig bei diesen Dingern ist die Konsistenz. Ich hab schon viele gegessen, viele gute und viele schlechte und ich hab schon einige Rezepte ausprobiert, um sie perfekt hin zu bekommen. Bei einem Besuch beim Edekaner hab ich dann die für mich perfekte Methode entdeckt. Zusammen mit "meiner" Würzung waren es die perfekten Doppelripps äh...


Spare Ribs "Hundertachtziggrad"

pro Person ca 400-500g Schälrippen vom Schwein

Würze für gut 1 kg Rippchen:
1/2 EL Salz
1/2 EL feines Rauchsalz
5 EL brauenr Zucker
1 TL Piment d'Espelette
1 TL schwarze Pfefferkörner, gemörsert
1 TL Kreuzkümmel, gemörsert
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1/2 TL Pimenton de la vera doux
1/2 TL Paprikapulver edelsüß
Olivenöl

Glasur
400 ml Hühnerfond
3 EL Ahornsirup
2 EL Honig
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
1/4 TL Piment d'Espelette
4 EL Weißweinessig
4 EL Worcestershire Sauce
1 TL Rauchsalz



Die Gewürze zusammen mit Olivenöl im Mörser zu einer Paste verarbeiten. Die Rippen damit einreiben, protionsweise vakuumieren und über Nacht im Kühlschrank marinieren. Am nächsten Tag ca. eine Stunde bei Zimmertemperatur akklimatisieren lassen und anschließend 2 Stunden bei 80°C im Wasserbad garen.

In der Zwischenzeit die Zutaten für die Glasur in einem Topf mischen, erwärmen und dicklich einköcheln lassen. Dabei allerdings aufpassen, dass die Masse nicht bitter wird.

Rippchen auspacken, abtupfen, mit der Glasur bestreichen und auf Buchenholzkohle bei mittlerer Hitze grillen. Zwischendurch noch ein bis zwei Mal mit der Glasur bepinseln. Achtung, die Glasur verbrennt sehr schnell!

Die Rippchen sind haargenau so wie Rippchen sein müssen, Das Fleisch ist butterzart, hat aber noch ausreichend Biss. Es hält sich am Knochen, löst sich aber beim Abbeißen leicht und widerstandslos davon. Wirklich Perfekt!!!

Kommentare:

  1. Die sehen gut aus, die Rippchen! Wenn Honig in der Glasur ist, passe ich immer auf wie ein Luchs, sonst fackelt mir alles ab. Und zum Thema Mode: Schiesser hat einmal eine superspecialretrosonstwas-Edition in Anlehnung an die 20er rausgebracht, für die ich getötet hätte! War innerhalb von Stunden ausverkauft und rate wer zu spät dran war. ;-)

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  2. Boah die sehen so schlecht aus, ich würde mich opfern und sie essen...abber nich im Jogginganzuch odda so...

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  3. Leider bin ich jetzt nicht so der Rippchenfan, viel zu kompliziert in der Handhabe. Aber ablecken würde ich's allemal :D .

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  4. Für diese Rippchen würde ich sogar wirklich in Feinripp erscheinen! Darf ich kommen? :D

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  5. Das mit dem Rippchen vorgaren hab ich jetzt auch schon probiert. Das ist wirklich klasse.

    Übrigens finde ich das Engagement von Herrn Suse vorbildlich. Der öffnet sogar seinen Kleiderschrank für den Blog :o). Ich bin ja mal gespannt, ob unser Praktikant da noch einen drauf setzt B-)

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  6. Fast schlimmer als die Klamotten fand ich teilweise die Haare. Anfang der 80er hatte ich eine Frisur, mit der sah ich damals schon älter aus, als ich heute bin!

    Ich habe noch nie Schälrippchen gegessen, sehen aber verdammt lecker aus.

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  7. Die Rippchen sind Klasse! Die Zubereitungsmethode sagt mir ausgesprochen zu und der Rest sowieso. Bin mir zwar nicht sicher, ob es unbedingt Tsatsiki (ist es doch auf dem Teller, oder?) dazu geben muss, aber das gegrillte Gemüse will ja auch begleitet sein.

    Dieser geniale Post beweist wieder mal, dass ich in Sachen Mode nicht sonderlich bewandert bin.

    Die Erkenntnis, dass die praktischen Feinripperzeugnisse auch in der Prêt-à-porter von Relevanz sind, würde ich mal als echten Mehrwert bezeichnen. Man kann dem Herrn Suse nur immer wieder aufs Neue für seinen ausgewählten Geschmack gratulieren.

    @Chefin Süd: ich habe nicht die geringste Idee, wie ich das Toppen könnte!

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  8. Die Feinripps sind doch nicht etwa gebügelt????? Hoffentlich guckt Herr susa hier nicht rein, sonst kommt der noch auf Ideen? Ich mach ihn lieber die Rippchen, die sehen zu lecker aus. Ich bin auch ein Rippchenvorgarer, anders bekomme ich sie nie so weich und zart.

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  9. Wurde von Freunden am WE nachgemacht: erstmals wurden die Ripperl (im Dampfgarer) vorgegart. Ausgezeichnet. Die Glasur wird das nächste mal etwas schärfer gestaltet.

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