Freitag, 8. April 2011

susa am Freitag ..... 2003 Château Pavie, St. Emilion




Deutschlands bekanntester Weinblogger, Dirk Würtz, schrieb vor ein paar Tagen, dass kein ernstzunehmendes Weinblog um das Thema "Bordeaux 2010" herumkommt. Dann genügen wir also hier der Informations- und Chronistenpflicht und geben eine kurze Erläuterung des "Systems Bordeaux" für Weineinsteiger. Aber Achtung, das lässt sich nicht in drei Sätzen erklären, man könnte es in zwei Worten versuchen: "Cosa nostra", aber es geht da nicht ungesetzlich zu, nein, wirklich nicht.

Wer meint, alles wäre doch ganz einfach, die Winzer würden halt Rebflächen unterhalten und bewirtschaften, Trauben ernten, daraus Wein erzeugen, diesen auf die Flasche ziehen, etikettieren, in handelsübliche Verpackungseinheiten geben und dann an Groß- und Einzel
händler, Gastronomie und im Zweifel auch direkt an den Endkunden verkaufen, der irrt. So machen das Millionen Winzer in der ganzen Welt, aber doch nicht in Bordeaux, jedenfalls nicht überall dort. Bis zu dem Punkt "….. Wein erzeugen und auf die Flasche ziehen" ist noch alles wie gehabt, aber dann geht es los:

Gute Bordeaux werden so um 18 Monate in Holzfässern gelagert, bevor sie gefüllt und verkauft werden (was jetzt auch nicht einzigartig in der Wein-/Welt ist). Betriebswirtschaftlich gesehen ist das totes Kapital, denn eigentlich will der Winzer ja mit dem Geld, das er für den aktuellen Jahrgang erlöst, die Kosten zur Erzeugung des Folgejahrganges erwirtschaften (und natürlich noch ein bisschen Pro
fit obendrauf). Der aktuelle Jahrgang kommt aber frühestens nach zwei Jahren auf den Markt. Also hat der Winzer eine Liquiditätslücke von ungefähr einem Jahr.

Nun sag keiner, es ist doch egal ob er den Vorjahrgang oder den Vorvorjahrgang verkauft, in jedem Fall kommt doch je
des Jahr frisches Geld in die Kasse. Aber vielleicht war der verkaufsfertige Jahrgang nicht ganz so gut und der Folgejahrgang wird besser, dann kauft den ja keiner mehr und es droht eine Liquiditätslücke. Und überhaupt ….. Um die Liquidität ihrer Toplieferanten zu gewährleisten, begannen die Großhändler nun, den Wein bereits zu kaufen, bevor der überhaupt fertig war, also als er noch ruhig im Fass lag, als Option auf die Zukunft sozusagen, en primeur, wie man in Frankreich sagt. Damit war das Liquiditätsproblem vom Erzeuger auf den Zwischenhandel übergegangen. Der war natürlich auch nicht dumm, sondern begann seinerseits mittels ausgefeilter Marketinginstrumente ("Sichern Sie sich bereits heute den 19xxer Bordeaux; ein ganz außergewöhnlicher Jahrgang! Jetzt noch zum Subskriptionspreis von …..!") elegant das Liquiditätsproblem auf den Einzelhandel abzuwälzen und der wiederum gab es an den Verbraucher weiter …..

Und vor allen Dingen meine keiner, jeder x-beliebige G
roßhändler könne, entsprechende Kaufkraft vorausgesetzt, da einfach hingehen und sich so bei Château ABC eine Menge x zum Preis von y sichern. Na, der hat sich in den Finger geschnitten, der kommt am Telefon, wenn es hoch kommt, bis zur Praktikantin und sollte er einen persönlichen Besuch wagen, wird er wahrscheinlich am Châteauportal von der Putzfrau abgewimmelt. An dieses System angeschlossen sind erzeugerseitig alle klassifizierten Häuser und eine nicht unerhebliche Menge der bürgerlichen Gewächse, so insgesamt ein paar hundert Güter und die vermitteln ihre Weine an Courtiers (Makler), davon gibt es so um die fünf oder sechs. Diese Courtiers wiederum verteilen die Weine an die akkreditierten Négociants (Handelshäuser/Großhändler), davon gibt es schon mehr, ein paar Hundert, und diese erst verkaufen an die übliche Vermarktungsschiene von internationalem Groß- und Einzelhandel. Die Courtiers sind keine Aufkäufer im klassischen Sinne, sondern eben Makler, die eine Geschäftsbeziehung vermitteln.

Damit wäre der reine Vermarktungsweg klar, nun kommen wir zur Preisfindung. Nach allem, was wir bisher
wissen, käme ja niemand auf die Idee, der Chefkalkulator des Weingutes setzt sich einfach eines Tages zuerst mit dem Chef zusammen und dann an seinen PC, schaut sich die Gestehungs- und Gemeinkosten an, rechnet die Abschreibungen und den kalkulatorischen Gewinn ein und ermittelt, welcher Preis sich am Markt mit Blick auf angebotene Menge, Qualität, Wettbewerbssituation etc. durchsetzen lässt.

Nein, z
uerst muss nach sorgfältig organisierter Choreographie die Qualität des Jahrganges festgestellt werden. Das könnten natürlich die Winzer oder Kellermeister gut selber machen, aber es ist doch eine ganz andere Hausnummer, wenn sozusagen unbestechliche Zungen die Weine verkosten und ihre Empfehl
ung abgeben. Und so reist Ende März/Anfang April eines jeden Jahres ein handverlesener Tross von Weinjournalisten, Weinhändlern (die bei der Gelegenheit auch die Beziehungen zu den Négociants ihres Vertrauens vertiefen), Sommeliers und sonstiger maßgeblicher Weinpersönlichkeiten durch das Bordelais, der so genannte "Blauzungenmarathon". Das sind die happy few, denen (ebenso handverlesene?) Fassmuster des entsprechenden Jahrgangs präsentiert werden, flankiert von exzellenten Diners und sonstigen Lustbarkeiten. Und die geben dann die ersten Wasser- oder besser Weinstandsmeldungen ab. Ich erspare mir an dieser Stelle den Exkurs auf Herrn Suckling, der sich mit schöner Regelmäßigkeit den Zorn der ganzen Bande zuzieht, weil er mit seinen Bewertungen immer schon rauskommt, wenn die anderen noch gar nicht probiert haben.

Wer jetzt noch glaubt, das alles ist ei
tel Vergnügen, der irrt gewaltig, obwohl sich wahrscheinlich jeder einzelne der Damen und Herren eher zumindest den kleinen Finger (den braucht man ja nicht zum Schmecken) abhacken würde, eher er/sie diesem Ereignis fernbliebe. Dieser Tross wird also in Bussen, mit Taxis und die ganz großen Stars sogar per Helikopter von Verkostung zu Verkostung transportiert und da stehen sie nun und schnüffeln und schlucken und spucken, simpeln fach, machen sich ihre Notizen und geben – inzwischen auch mittels modernster Kommunikationseinrichtungen wie Twitter oder facebook – ihre Eindrücke wieder. Hundert Weine pro Tag sind da eher Standard.

Und dann ist zu allenthalben zu lesen: Ein ganz außergewöhnlicher Jahrgang, ja so einer wie xxxx
. Tausende Afficionados in aller Welt hängen dann gebannt vor den Geräten und lesen was sie sowieso schon ahnten, nämlich dass deswegen der Jahrgang allerhöchstens zum gleichen exorbitant hohen Preis herausgebracht werden könne wie der Vorgänger eher höher ….. Die exakten Verkostungsbeschreibungen der bekannten Weinjournalisten sind da schon hilfreicher.

Aber das ist alles nur das Vorspiel. Wenn dieser Tross Bordeaux wieder verlassen hat und im Sud-Ouest wieder die Berichterstattung über die Girondins mehr Platz einnimmt, die sich unter Tigana so langsam wieder berappeln, dann betritt ER die Szene, er, DER, Weinkritiker, er, dessen Votum Stars schafft oder Existenzen ernsthaft in Gefahr bringen kann – Robert Parker, der amerikanische Weinkritiker. Und solange ER keine Wertung abgibt, wird niemand wagen, seinen Preis zu machen. Den Châteauxbesitzern mag es recht sein, sie haben ihre Margen an die Courtiers vereinbart und warten nun ab, das Spiel heißt: "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren!" und irgendwann endlich, wenn man sich von den Parkerurteilen erholt hat, geht der Wein zu einem Preis x ab Château, der sich aus einer imaginären Formel berechnet, die da heißt "Wertung Parker x Reputation des Châteaux x Menge x Faktor aus Vorjahrespreis-Index und allgemeiner Tendenz", vielleicht noch erweitert um die Telefonnummer der Sekretärin und den Geburtstag des Kellermeisters. Was es heißt, mit spitzem Griffel zu kalkulieren, das müssen die Winzer aus sagen wir mal der Touraine dem Bordelaiser inner circle erklären, dass die Preise mal die Kosten nicht decken - unvorstellbar.

So, nun meint ihr, das Spiel sei zu Ende, der Wein würde nun endlich verkauft. Tja, mein
e Lieben, wir sind in Bordeaux, einen haben wir natürlich. Die Courtiers haben wie beschrieben ihre Mengen mit den Négociants klar gemacht, die haben bereits mit ihren Kunden verhandelt, und nun ist auch der ab-Château-Preis klar. Wie in jedem guten Theaterstück hat jeder Akteur seinen großen Auftritt und jetzt schlägt die Stunde der Négociants und des Handels. Der bietet nämlich erst mal eine kleine Menge, sozusagen den Testballon an, die so genannte erste Tranche, vielleicht 10% seiner Gesamtmenge, vielleicht mehr, vielleicht weniger, zum Preis von x. Die Größe der ersten Tranche sagt meistens mehr als 1000 Kritiken.

Die Länge der Schrecksekunde, die der bisher gebannt an seinen Empfangsgeräten sitzende Endverbraucher braucht, um den Preis zu schlucken, entscheidet darüber, ob er beim Händler seines Vertrauens noch zum Preis der ersten Tranche etwas ergattert, dann ist die Menge auch schon weg und nach ein paar Tagen kommt die zweite Tranche, etwas teurer, dafür etwas mehr, usw. das Spie
l geht bis zu fünf Mal. In dieser Zeit ist beim auf Bordeauxhandel spezialisierten Weinhandel Urlaubssperre, die Stimmung ist wie bei einem überhitzten Börsenhoch, es gibt Weinfans, die nehmen dann Urlaub, weil wer kann im Büro schon seiner Tätigkeit nachgehen, wenn gerade da draußen in der Welt die tollsten Weine verkauft werden, da heißt es, am Ball bleiben.

Über dieses System wird geschimpft und gejammert, es wird als elitär, ungerecht, überhypt etc. etc. bezeichnet. Und das ist es, ohne jede Frage. Aber es nützt nix, das System funktioniert; alle, die daran beteiligt sind, profitieren und die Marke Bordeaux findet weltweit immer ihre Käufer, wenn nicht in Europa, dann eben in den USA oder in China, und das zu jedem Preis, ja wirklich jedem. Für alle anderen Winzer gelten nach wie vor die Gesetze der Marktwirtschaft.
Und ich schwöre mir jedes Jahr, dass ich nicht mehr mitmache, und dann erwischt es mich doch wieder. Auch dieses Jahr gibt es jeden Abend die gleichen mäandernden Diskussionen mit Herrn susa "Also dieses Jahr höchstens noch Secon
ds, vielleicht Montrose, einen Léo sicher, wie das mit der rechten Seite aussieht, was Genaues weiß man noch nicht, bei den Preisen wahrscheinlich nur 3 Kisten, pro Kiste 2x6 ….. oder weißt Du was, vielleicht warten wir bis zur Arrivage!"

Was man derzeit über den 2010er liest, ist an Euphorie nicht mehr zu überbieten, phänomenal, gigantisch, nur mit den absoluten Spitzenjahrgängen wie 1945 vergleichbar, wenn nicht noch besser. Dachte man bereits letztes Jahr, bigger, better, faster, more ginge nicht, so wird man dieses Jahr eines Besseren belehrt. Als Spitzenwerte werden genannt Ducru-Beaucaillou, Ausone, Margaux ..... alles Weine, die selbst in durchschnittlichen Jahren überdurchschnittliche Preise erzielen. Und Parker war noch nicht mal da!
Die erste richtig heiße Subskriptionsphase, die ich mitgemacht habe, war, als es um den 2003er Jahrgang ging, der wurde sehr unterschiedlich aufgenommen, vom Jahrhundertwein bis zum Muskelmonster, alle Meinungen waren vertreten. Das Jahr war außergewöhnlich heiß gewesen, also reifes Lesegut, viel Zucker, der sich in Alkohol umwandeln wollte. Eine besondere Diskussion nahm damals die Beurteilung von Château Pavie im St. Emilion ein, der von der englischen Kritikerin Jancis Robinsom vernichtend bewertet wurde, als überzeichnetes Frucht- und Wuchtmonster, weswegen sie viel Prügel einstecken musste. Wir haben den Wein damals trotz (und ich glaub Herr susa auch ein wenig wegen) dieser Diskussion subskribiert. Ich glaube, das war auch der erste Jahrgang, bei dem wir uns daran gewöhnen mussten, dass nicht nur die Premiers mit Flaschenpreisen im dreistelligen Eurobereich verkauft wurden und zwa
r wie geschnitten Brot, man musste sich ranhalten, um noch was zu bekommen.

Und vor e
in paar Monaten haben wir zum ersten Mal probiert, was es denn mit dem Baby auf sich hatte, dem so heiß diskutierten:

2003 Château Pavie
St. Emilion °°°°°

und der Eindruck war wirklich überwältigend, ein Ausbund an Aromen, Kraft, Körper, Finesse. Man kann die ganz unterschiedliche Wertung des Weines durchaus nachvollziehen, das hier ist kein schlanker, filigraner Wein von zurückhaltender Eleganz und seidiger Geschmeidigkeit, das ist ein fast wolllüstiger Wein, der alles beinahe im Überfluss bietet und doch harmonisch und abgerundet wirkt. In der Nase Beerenfrüchte, Schokolade, Gewürze, Raucharomen, Kaffee, am Gaumen von fast wilder ich kann mich nicht entscheiden will ich Exotik oder Erotik schreiben, bei allem Schmelz und Samt auch kräftiges Tannin, dass den Aromen ein Gerüst verleiht und ein wahnsinnig langer komplexer Abgang. Das Pokern und Zocken hat sich gelohnt, hier liegt ein Schatz im Keller. Kein Wein, den man jeden Tag genießen will und kann, kein klassischer St. Emilion, aber ein Erlebnis.

Prost!

Kommentare:

  1. Auch wenn man das alles weiß, ist es doch immer wieder schön, es so amüsant aufbereitet nachzulesen. :)

    Irgendwo habe ich doch vor 2 Tagen noch von den Herstellungskosten einer Flasche Wein aus dem Bordelais gelesen? War´s beim Dirk? *grübel
    Auf jeden Fall sind mir die € 10,00 noch gut in Erinnerung geblieben.
    Und seit die Chinesen nicht nur die Weine und das Wissen kaufen, sondern ganze Chateaus ist in der Preisspirale nach oben wohl noch kein Ende in Sicht. Ich bin nach kleineren Ausflügen in die Subskription und das Thema Bordeaux vor 3 Jahren wieder ausgestiegen. Natürlich trinke ich diese Weine immer noch gerne, aber der Genuß rechtfertigt für mich den Preis schon lange nicht mehr. Es gibt für mich noch so viele andere wunderbare Weine auf der Welt zu entdecken, dass ich mich für diese Preise nicht kummlegen möchte.
    Mein nächstes Thema wird Türkei. Nach dem Bericht im Falstaff bin ich ganz heiß drauf. Und so trinke ich mich langsam mit größtem Vergnügen um die Welt und den Verstand. ;)

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  2. Die Gestehungskosten kommen durchaus hin, wenn man auch noch bedenkt, dass die Châteaux durch dieses System auch noch Verwaltungsaufwand sparen; die müssen nicht Palette für Palette abrechnen,und denen lagern auch weniger interessante Jahrgänge nicht im Keller rum und nehmen Platz weg.

    Für Volks- und Betriebswirte ist das bestimmt ein interessantes Anschauungsobjekt, Thema: geschlossener Markt oder so was *gg

    Mich amüsieren aber auch durchaus die Stimmen, die die Weine mit aller Gewalt schlecht reden, weil sie für sie einfach nicht mehr erreichbar sind. Das ist zwar sicher emotional verständlich, aber Quatsch.

    Dass dieses System nur bei exzellenter Qualität funktioniert, sollte jedem klar sein.

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  3. Ich subskribier derzeit keine Bordeaux, geniesse aber ab und zu ein Fläschchen aus vorherigen Subskriptionen und freue mich, dass ich dabei auch "Schnäppchen" erbeutete. Ich rege mich aber nicht auf über das System. Es gibt so viele gute und erstklassige Weine zu entdecken. Wenn Bordeaux (und Burgunder) günstiger wären, hätte ich die alle nicht entdeckt!

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  4. Das ist doch prima, Bordeaux als indirekter Promoter der anderen (französischen) Weingebiete ;o)).

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  5. Kann mich dem nur anschließen! Es gibt so viele schöne Weine, es muss nicht Bordeaux sein. Die Preise mag zahlen wer es kann, deshalb habe ich doch auch mit Weinen um 10 bis 20 € viel Genuss. Es ist eben nur die Nachfrage nach großen Namen und nicht die 100 mal bessere Qualität, die die Preise in die Höhe treibt.

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  6. Sehr interessant und informativ, susa, auch wenn ich in meinem Leben kaum mal einen Bordeaux getrunken habe, und das Thema wohl auch in Zukunft aus monetären Gründen wohl eher Theorie bleiben wird.
    Nachdem ich in den letzten Jahren soviel von dir über Bordeaux gelesen habe interessiert mich der Wein schon. Aber wenn, dann würde ich einen guten Bordeaux trinken wollen, und daher bin ich beim Weinhändler bisher immer an den 10 - 20 € -Flaschen standhaft vorüber gegangen. Ich weiß einfach nicht, wie ein guter Bordeaux schmecken muss, um einen schlechten zu erkennen.
    Btw. war nicht auch das Jahr 2005 so ein Besonderes?

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  7. Das war es Christel. Aber geh mal zu unserem gemeinsamen Bekannten, Stichwort Château Pankow. Ich hab ihn letztens auf der ProWein getroffen und wir kamen auch auf das Thema "bezahlbare Bordeaux". Er hat mir erzählt, dass er einiges Gute auch im durchaus leistbaren Bereich ins Sortiment aufgenommen hat. Das sind dann eben nicht die großen Namen und die große Hype, aber vernünftige Weine und mit großem Vergnügen zu trinken. Auf der ProWein hielt er u.a. auch danach sehr gezielt Ausschau.

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  8. Danke für Deine Einführung ins System Bdx, bei manchen Punkten vertrete ich aber abweichende Meinungen:
    - Es gibt mit Sicherheit keine Bdx-Knappheit, auch wenn von Seiten des Kartells gerne mit derartigen Drohkulissen gearbeitet wird. Vergleich doch mal die Betriebsgrössen und den jährlichen output im Bdx mit denen zB im Burgund, wos von bestimmten Weinen oftmals nur ein paar 1000 Flaschen gibt. Natürlich wird der neue Jahrgang zunächst vorsichtig am Markt platziert, spätenstens aber bei der arrivage müssen die Flaschen doch raus. Und das dann oft zu Preisen , die auf dem Niveau der Sub oder sogar drunter liegen.
    -Ausserdem gibt es nach der arrivage einen steten Rückfluss auf den Markt zurück, sei es via Auktionen aber auch durch Abverkaufsaktionen großer Händler. Ich erinnere mich noch an die Millesima-Aktion, wo man eine Kiste des vorherigen Jahrganges geschenkt bekam, wenn man von einem anderen subste. Auch hier sind günstige Käufe möglich, weil die Notwendigkeit, die Keller leer zu kriegen da ist und die neuen Jahrgänge schon wieder anstehen.
    -Mit Vorsicht zu geniessen sind mE auch die ständig und immer öfter eintretenden "Jahrhundertjahrgänge", allein in der letzten Dekade gabs mindestens 4 davon. Da gehen dann gute, aber etwas weniger euphorisch bejubelte Jahrgänge unter. Mir gefallen zB momentan die 01 sehr gut. Habe nach einem extrem positiven Erlebnis mit einem Pape Clement erst wieder nachgekauft und einen vorzüglichen Wein erworben, der jetzt trinkreif ist und preislich deutlich unter den aktuellen Subkursen liegt.
    -Natürlich muss es nicht immer Bdx sein, aber auch da gibts noch Weine jenseits der Märchenpreise: Was zB Neipperg an der Cotes de Castillon macht ist mehr als respektabel; der 07 Seigneurs d Áiguilhe wird bei den Ungers für 9,90€ verkauft, da gibts keine Grund, sich mit dem Einkaufen zurückzuhalten.
    -manchmal siegt aber trotzdem die Unvernuft, wenn man bestimmte Chateaus oder Weine ins Herz geschlossen hat, zahlt man, ewnn auch mit Tränen in den Augen...

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  9. Hallo duni

    wir sind doch gar nicht auseinander. Von verknappten Mengen habe ich nicht geschrieben und da glaube ich auch nicht dran. Vielleicht von den Premiers, den Super Seconds und ein paar Garagen abgesehen, von denen wird man auch niemals Sonderangebote bekommen, deren Preise bleiben ständig auf hohem (und steigenden) Niveau. Da hilft der Verein schon zusammen, dass die Großsammler nicht eines Tages Abschreibungen auf ihre Kellerbestände vornehmen müssen.

    Ich vergleich das immer gerne mit dem Kunstmarkt, marktwirtschaftliche Bewertung von flüchtigen Illusionen (Zitat meiner Oma-verwettetes-Gebiss: "Kunz (ersetz hier mal durch "Wein") iss wert, watt enne Jeck daför jitt!")

    Aber ich erwähnt es ja, der ganze Zirkus wird von und für ein paar hundert Akteuren veranstaltet, die zusammengenommen noch nicht mal 1% des gesamten bordelaiser Weinbaus ausmachen.

    Allen anderen geht es genauso wie vielen anderen Weinbaubetrieben in dieser Welt. Keine Négoc, einflussreiche Weinkritik, klingenden Namen und Riesenkonzern im Rücken, dafür aber Überproduktion, falsche Produktion, Folge: Viele Betriebe müssen mangels Wirtschaftlichkeit aufgeben.

    Dirk Würtz hat letztes Jahr ausgerechnet, dass die Fasspreise für einen Liter rheinhessischen Dornfelder höher lagen als für einen Liter bordelaiser Cabernet Sauvignon (unter einem Euro lagen beide).

    Und was die Unvernunft angeht, da bin ich auch Meister drin - alles nur für einen flüchtigen aber wunderschönen Augenblick.

    (so und jetzt kopier ich mir das erst mal in den Zwischenspeicher, bevor es schon wieder weg ist, *seufz* - meine erste Version war viel eloquenter *gg).

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  10. ja, bei dir ist es figeac, bei mir rayas , wo sich das hirn deaktiviert.,

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  11. Gelesen hab ich deinen Beitrag im Zug und mich super unterhalten und informiert gefühlt. Kommentieren ging irgendwie vom Telefon aus nicht...
    Ich dusselige Weinniete kannte bislang die Gebaren um den Verkauf der Bordeauxweine nicht und und nun wieder etwas schlauer. Danke :o)

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  12. Eigentlich hätte man bei der Erläuterung des Systems noch den historischen Exkurs voranstellen sollen, aber es wurd ja schon ohne das so lang.

    Also hier schnell nachgeschoben.

    Die grundlegenden Strukturen des Systems gibt es schon so ungefähr seit dem 17./18. Jahrhundert. Damals war es nicht üblich, dass die Erzeuger ihre Weine selber auf die Flasche füllten. Das hat erst der selige Baron Rothschild (Mouton-Linie) erfunden.

    Grundsätzlich kauften die großen Händler die Weine im Fass und füllten sie selber ab so wie es der Markt gerade verlangte (also nicht unbedingt den ganzen Jahrgang auf einmal), was auch erklärt, weshalb es von diesen alten Weinen ganz unterschiedliche Flaschen gibt. Die Händler haben nämlich noch nicht mal immer sortenrein nach Château abgefüllt. Wenn am sagen wir mal Lafite noch was fehlte, dann hat man halt vom Lynch Bages noch was dazugeben oder auch vom Margaux. Hauptsache Wein, rot, Bordeaux.

    Insofern besteht hier eine über Generationen gewachsene Beziehung zwischen den Erzeugern und den großen Handelshäusern und die zu Nutz und Frommen wie gesagt aller Beteiligten.

    Zaghafte Versuche anderer Anbaugebiete, sich auch so eine "Lizenz zum Gelddrucken" aufzubauen wirken allerdings nicht sehr viel versprechend.

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  13. Also beinahe hätte ich ja ein schlechtes Gewissen bekommen. Ich vergnüge mich, reizend begleitet von Toni und Suse in Bad Honnef, und Du machst Dir richtig Arbeit und knallst hier einen Spitzenbeitrag raus.

    Aber mit dem Wein hast Du Dich ja dann doch einigermaßen selbst belohnt. Bei einem „fast wolllüstigen Wein“ würde ich mich dann allerdings mit Sicherheit für die „wilde Erotik“ entscheiden; selbst wenn die Exotik dabei eine Rolle spielt.

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  14. ..... übrigens, wer des Französischen mächtig ist, kann sich die Sache hier auch mal durchlesen

    http://www.hachette-vins.com/vins-primeurs/chateau-negociant-et-courtier-la-trilogie-bordelaise-1/1.html

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