Mittwoch, 27. April 2011

Lieblingsplatz 2



Ich stell noch schnell ein paar Stühle dazu und geb noch eine Decke aus, gegen Abend kann es doch noch reichlich kühl werden. Und schön, dass ihr alle gekommen seid.

Zur Begrüßung gibt es ganz provenzalisch einen Vin d'Orange (für unsere bayerischen LeserInnen "Wähdohrasch"), den die gute Hausfrau natürlich selber ansetzt, dabei ohne Aufforderung assistiert von besten Ehemann von allen, der zu diesem Zwecke gerne alle etwaigen Rosévorräte des Hauses anschleppt (siehe auch Matthiassens Kommentar von gestern).

Artischocken gelten ja traditionell als Problemfall, wir haben hier allerdings Zitrone und Salziges in Form von Sardellen und Kapern im Spiel, in diesem Fall wird immer gerne ein kräftiger aber säurearmer Wein empfohlen. Aber besorgt das mal, das ist kurz vor der Quadratur des Kreises, kräftige Weine sind meistens auch deswegen kräftig, weil sie ein kräftiges Säuregerüst haben. Also begeben wir uns in die Mitten, in der laut Mörike ja holdes Bescheiden liegt.

2008 Franz Anton Grauburgunder
Franz Keller, Baden °°°

ein harmonischer, kräftiger, schmelziger Grauburgunder, vielleicht ein wenig zu komplex als Opener, aber so besteht er gut neben den Aromen und Texturen der Häppchen. Der Wein ist von goldgelber Farbe, duftet zart nach exotischen Früchten und etwas nussig, am Gaumen leicht buttrig, vor allem aber saftig und weich, zurückhaltende Säure und feines Mineral, guter Abgang. Für einen Gartenwein gehört es sich, erst mal kühl serviert zu werden und so ist es fein, zu beobachten, wie der Wein langsam seine Aromen freigibt, wenn er sich erwärmt.

Das Sülzchen von den gegrillten Gemüsen kommt so mediterran daher, da muss auch der Wein aus südlicheren Gefilden kommen. Auch wenn die Trauben das Meer nicht gesehen haben, sie kommen von der nördlichen Rhône, so passt dieser Wein hervorragend zum Zusammenspiel der verschiedenen Gemüse und den Tomaten, die ja die nächste Herausforderung an die Sommelierskunst bedeuten (hätte Toni noch Spinat verarbeitet, dann hätten wir fast alle Sommeliersfallen fein beisammen gehabt).

2009 La Source
Ferraton Père & Fils, St. Joseph °°°

aus der lokalen Rebsorte Marsanne, klares Gelb mit grünlichen Reflexen, in der Nase ein intensives Pfirsicharoma, am Gaumen seidig und klar, leichter Schmelz, mediterrane Kräuter, Waldgeißblatt!, exotische Früchte, leicht sandiges Mineral, wunderbarer etwas verspielter Abgang.
 
Den Mittelmeerwein hab ich mir natürlich für den Fisch aufgespart

2009 Blanc
Jean-Pierre Gaussen, Bandol°°

ein Wein, der geradezu dafür gemacht ist, den zarten Fisch mit seinen Röstaromen und die Frische und die orientalischen Anklänge der Beilage zu begleiten. Man spürt die mediterrane Sonne auf der Haut, man schmeckt die salzige Luft und die leichte aromatische Küche auf der Zunge. Der Wein hat eine zartgelbe Farbe und duftet nach Zitrusfrüchten, Kräutern und Blüten am Gaumen straff, angenehm trocken, Anklänge von Honig und Steinobst, gute Mineralik und recht komplexer Abgang.

Zum Reh sollte dann ein Rotwein serviert werden, gut dass der Spargel gegrillt ist, so bringt er  mit seinen Röstaromen auch noch ein wenig Kraft ins Spiel und fällt nicht gegen die anderen Aromen ab. Nun muss man als Sommelier natürlich nicht nur bedacht sein, den bestmöglichen Wein für die Gerichte auszuwählen, man ist auch bestrebt, eine gewisse Abwechslung in die Weinfolge einzubauen und so gibt es nun keinen französischen Wein mehr, wiewohl mir ein Chinon mit seinem würzigen Cabernet franc sehr gut gefallen hätte.

2008 Pinotage
Laibach, Stellenbosch °°°

Der Pinotage, eine Kreuzung aus Pinot Noir und Cinsault, ist inzwischen zur roten Hauptrebsorte Südafrikas geworden und seine Mischung aus Kraft, Würze und Frucht ohne dabei zu wuchtig oder fett zu werden, ist genau das, was das Hauptgericht unseres Menüs braucht. Hier haben wir einen fast eleganten sehr würzig duftenden dunkelroten Wein, besonders auffallend die feinen Beerenaromen, am Gaumen klare samtige Textur, nicht zu dominante Holznote, etwas Moccawürze, Mineral, komplexer recht langer Abgang.

Die ersten wollen hier doch wohl nicht schlapp machen und zu diesem köstlichen Dessert nur noch einen kleinen Kaffee haben wollen. Mit dem Rhabarber haben wir dann auch die letzte Herausforderung, auch hier wieder abgemildert durch die Süße und den zarten Schmelz vom Eis. Der Wein dazu sollte keine zu komplexe Angelegenheit sein, er muss Süße und Säure perfekt verbinden und seine Aromen müssen sich elegant an diesen wunderbaren Menüabschluss anschmiegen.

2008 Riesling Auslese
Weingut Georg Breuer, Rheingau °°°

die einfache Auslese, in die etwa 60% edelfaule Trauben Eingang gefunden haben, mit 8 vol% angenehm leicht, in der Nase verhaltener Duft nach Pfirsich, Mango und Trockenobst, am Gaumen dominiert die Saftigkeit über den zarten Schmelz, klare lebendige Säure und ein guter leicht mineralischer Abgang.

Und jetzt darf der Praktikant den Kaffee kochen ….

Hier das Rezept für den Vin d'Orange



Vin d'Orange (Orangenwein als Aperitif)


alle Früchte sind unbehandelte Bioware!

1 Bitterorange, ersatzweise 200 g Kumquats
3 Orangen
1 Limette oder Zitrone
1,5 l Rosé de Provence
150 ml Tresterschnaps (Marc de Provence oder Grappa)
150 ml Orangenlikör
250 g Rohrzucker
½ Vanilleschote
½ Zimtstange
1 Sternanis

Die Bitterorangen achteln bzw. die Kumquats halbieren. Die Schale der Orangen und der Limette/Zitrone in Zesten schneiden, so dass nichts von der weißen Fruchthaut anhaftet. Die Früchte anschließend auspressen. In einem ausreichend großen Gefäß (ca. 3,5 l Inhalt) die Fruchtstücke, Zesten, den ausgepressten Fruchtsaft mit dem Wein, Schnaps und Likör mischen. Die Vanilleschoten aufschneiden und zusammen mit dem Rohrzucker und den restlichen Gewürzen zu der Flüssigkeit geben. Alles ca. 8 Wochen an einem kühlen Ort ziehen lassen, danach durchsieben und in Flaschen füllen; gut verschließen. Hält ungefähr ein Jahr.


Kommentare:

  1. Also den Kaffee mach ich gerne; aber servieren kann ich momentan nicht. Muss nämlich so lachen, dass ich alles verschütten würde.

    Und das nur wegen den heute vorgestellten Weinen bzw. mehr eigentlich wegen den im Vorfeld schriftlich (an Gott sei Dank nicht sehr exponierter Stelle) festgehaltenen Tipps. Obwohl ich ja wenigstens mit dem Rieslaner Auslese nicht vollkommen daneben lag.

    Blödes Spiel, aber wenigstens ausgesprochen lustig…

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  2. Danke. http://calogeromirarezepte.wordpress.com

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  3. Ich bin ja wenigstens mit rot zum Reh richtig gelegen. Und mein Rosenmuskateller zum Dessert gefällt mir immer noch.
    Und das Ratespiel auch :)

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  4. Toll! Nach den Beschreibungen würde ich alle so nehmen...bis auf den Dessertwein. Ich vertrag diese süßen Auslesen irgendwie nicht, die steigen mir leider stets ganz unangenehm zu Koppe und in den Magen, leider.
    Wenn es dir nichts ausmacht, liebe susa, dann würde ich ein Glas mehr von dem Roten kosten und mir zum Dessert den Kaffee oder besser nen Espresso vom Herrn Praktikanten servieren lassen.

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  5. Mir ist bei der letzten Herstellung des Veng d'orasch ala mäsong mein schöner 5 l Glasballon gesprungen, jetzt leckt er........lag wahrscheinlich am Rosé! :-(

    Ich bin auch immer auf der Suche nach Einsatzmöglichkeiten für Rosenmuskateller zum Dessert, ich mag besonders den vom Ansitz Waldgries oder von Franz Haas sehr. Aber ich finde es ist gar nicht soooo einfach ein wirklich gut passendes Dessert zu finden.

    Ich hab' mir sogar extra dafür mal ein Rosenkochbuch gekauft (ja, ein Nutellakochbuch haben wir auch) Und Rosenzucker, Rosensalz, gezuckerte Rosenblätter, Rosensirup, Rosenessig... :-))

    Wie? Na klar hätte ich ein Rosendessert zur Gartenfete mitbringen können, aber für Rosen ist 's einfach noch zu früh im Jahr.......

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  6. Hm, Matthias, das halte ich für unwahrscheinlich, dass das am Rosé lag. Weil den müsste ja dann eine in der Nähe des Glasballons weilende Person getrunken haben. Ein Umstand, den ich für praktisch ausgeschlossen halte.

    Für den Rosenmuskateller fällt mir auch kein Dessert ein; mir fällt höchstens ein, dass ich noch nicht mal einen solchen kenne.

    Und dass es gestern einen Rosenaufguss in der Sauna gab; aber das hilft wahrscheinlich auch nicht weiter…

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