Sonntag, 10. April 2011

Keine halben Sachen


Sagt man doch so, oder? Ich kenn das zumindest. Immer dann, wenn man sich z.B. mit Dingen beschäftig, die so blöd, langweilig oder einfach nur unnütz erscheinen und man am liebsten ne Abkürzung nehmen möchte, um doppelt so schnell am Ziel zu sein, erscheint irgend jemand (und wenn es am Ende das schlechte Gewissen ist) mit erhobener Stimme und ebensolchem Zeigefinger und mahnt: "Nee, nee, Frolleinchen! Keine halben Sachen hier! Das soll doch was Vernünftiges werden!"
Einem selbst bleibt dann nur noch übrig, kleinlaut den Kopf einzuziehen und mit einem trotzigen: "Ja doch! ist ja gut!" das Gefühl des Ertapptseins zu ertragen.

Aber...Momentchen mal, Herrschaften! Heißt es denn nicht auch oft genug geteilte Freude ist doppelte Freude?
Ach schau an. Nur mal so angenommen, ich teilte also mit einer Person etwas richtig Tolles, dann bekommt jeder? Na? Mathematikgenies vor! Genau. Die Hälfte. Und die Hälfte ist jawohl ne halbe Sache. Und wenn sich jeder drüber freut, dann ist das doppelte also zweifache Freude, und die ist besser als einfache Freude, ist doch ganz logisch.

OK, sicher, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein klitzekleiner Gegenbeweis noch keine grundsätzliche Widerlegung.
Weiter also: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Sagt man auch. Fein. Wenn man also mal etwas ganz Blödes oder gar Schlimmes zu bewerkstelligen hat und es gibt jemanden, der einem die Hälfte abnimmt, dann ...BINGO...ist es doch viel besser, nur noch die Hälfte aufm Buckel zu haben, oder?

Also, Leute, Entwarnung! Ich finde, das reicht doch wirklich, um endgültig mal mit dem Ammenmärchen aufzuräumen, dass halbe Sachen nichts Dolles wären.

Und wem das immer noch nicht reicht, der sollte sich doch letztendlich von diesen nackten, halben Tatsachen hier überzeugen lassen:


Halbiert-gegarte Poulard, Kartoffeln und Gemüse - alles aus dem Ofen)

1 schöne große Poularde, es dürfen ruhig so um die 2 kg sein
3 Biozitronen
6-8 frische Lorbeerblätter
3 EL Olivenöl
2 Knoblauchzehen, fein gewürfelt
2-3 TL Salz
ca. 1TL Muskatnuss, frisch gemahlen
1 TL Paprikapulver

600 g festkochende Kartoffeln
1 Biozitrone
3 Knoblauchzehen, in Scheiben geschnitten
Lorbeerblätter
Salz
Olivenöl

2 nicht zu große Zucchini
2 Hände voll Kirschtomaten
Olivenöl
Salz, Pfeffer
Lorbeerblätter nach Belieben


Die Poularde am Rücken und am Brustbein mit der Geflügelschere auftrennen, den Bürzel entfernen und die beiden Hälften waschen und abtupfen. (Normalerweise wasche ich kein Fleisch, sondern tupfe es lediglich mit Küchenkrepp ab, bei ganzem Geflügel mach ich eine Ausnahme).
1 Zitronen auspressen, die anderen beiden heiß abwaschen und in Scheiben schneiden.
Die Lorbeerblätter an der Brust und an den Schenkeln unter die Haut schieben. Zitronensaft mit Knoblauch, den Gewürzen und dem Olivenöl vermischen. Die Geflügelhälften damit gründliche einreiben. Ein Backblech mit Olivenöl bestreichen, mit Zitronenscheiben auslegen und die Geflügelhälften (mit der Haut nach oben versteht sich) darauf legen. Im vorgeheizten Ofen bei 210° C 45-60 Minuten garen, ggf. zum Schluss den Grill zuschalten.
Kartoffeln schälen, im Stifte schneiden. Zitrone heiß abwaschen, längs halbieren und in Scheiben schneiden. Kartoffeln mit allen zutaten vermengen, in eine Auflaufform geben und zu der Poularde in de Ofen geben, ab und zu wenden, Garzeit ca. 35 bis 45 Minuten.

Zucchini längs halbieren, in nicht zu dünne Scheiben schneiden, mit den Tomaten mischen, ein bisschen Olivenöl, ein paar kleine, frische Lorbeerblätter unterheben und ein wenig mit Pfeffer und Salz würzen. Ebenfalls in den Ofen schieben. Das fertige Gemüse mit ein wenig Kräuteröl (Baslilikum, Petersile oderoderoder) beträufeln.

Ich habe die Komponenten nacheinander in der oben beschriebenen Reihenfolge vorbereitet und in den Ofen verfrachtet. Die Kartoffeln brauchten noch ein paar Minütchen, als die Poularde aus dem Ofen kam, in Harmonie vereint sah dann alles so aus:


 Und weil eines der Exemplare für uns zwei ausreichte, konnte die doppelte Freude wiederholt also quasi verdoppelt werden...

Kommentare:

  1. Die Fotomontage ist so täuschend echt, da wäre ich doch fast doppelt drauf reingefallen :-)

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  2. Die halben Teller sind genial. Und auch keine halbe Poularde, sondern eine ganze.
    Ich beende den Tag mit einem kleinen Grinsen, wie so oft beim Lesen eures Blogs.

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  3. Ich bin ja generell lieber für viele Teller mit kleinen Portionen, sodass man sich überall mal durchprobieren kann. So ne satte Poularde hat aber auch was für sich.

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  4. @Andreas
    du bist so gehässig! Ich hab die gestern Abend noch schnell zusammen gestrickt und musste dabei leider ein paar Abstriche machen...

    @Ilse
    Oh vielen Dank, das freut mich.

    @Schnick Schnack Schnuck
    manche Dinge mag ich einfach lieber leiden, wenn sie unzerstört auf einer großen Platte angerichtet sind, aber generell kann ich dir auch zustimmen.

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  5. Leider muss ich zugeben, dass mich die mathematische Logik heute intellektuell etwas überfordert.

    Dafür wäre das Rezept jetzt genau richtig! Übrigens scheint mir das auch ein sehr Backhaustaugliches Gericht zu sein.

    Und was die Weinbegleitung angeht, habe ich wieder eine Privatwette mit mir abgeschlossen.

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  6. Ich wette, die verlierst Du ;o)).

    Aber schau mal, ist doch ganz einfach, da oben siehst Du einen Halbkreis und der hat wieviel? - genau 180° und von dem anderen halben Teller siehst Du zwei Ecken, die haben wieviel - genau auch 180°!

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  7. Das Schöne an diesen halben Sachen,ist doch, dass Federvieh halbiert besonders schön brät und alles knusprig wird. Wer keine halben Sachen mag, muss, um das gleiche Resultat zu erreichen, entweder eine Drehspiessgrill haben, oder das arme Tier plattdrücken für ein "Pollo alla Diavolo".

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  8. sehr schönes Gericht. Aber ein bißle zu viel Photoshop! Also ehrlich, da bekommt man ja Sonnebrand von den Pommes, die glühen ja sowas von gelb :-)

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  9. Susa, türlich verliere ich die Wette; aber macht mir trotzdem Spaß. Weil am „Wer hat gepostet-Spiel“ kann ich ja nicht teilnehmen.

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  10. Liebe geschätzte Blogkollegin Suse,

    bei aller Begeisterung für das Gericht muss ich unsere Pläne einer 180° Geschirrkollektion angesichts des Titelbildes doch noch mal überdenken :o).

    Beim Weinraten hab ich auch eine Idee. Mit der ich vermutlich ebenso die Wette nicht gewinnen würde.


    Und liebe schnpasnase: hattest Du nicht beim letzten Bad Honnef was von nem Fotokurs bei Dir erwähnt? ;)

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  11. Photoshop??? Ich mach sowas immer mit Kurkuma.

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  12. @susa
    stimmt, als ich das mal bei meiner Oma Lore in die Spätzle getan habe kam ganz verächtlich: "du bscheisch ja!"

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  13. @Gottfried
    Hast du etwa noch Nachwehen von gestern oder woher kommt die Überforderung?

    @Susa
    Geeeeenau! Doppeltes 180°, da ist ja die Freude fast gar nicht mehr auszuhalten

    @Eline
    genau so ist es :o)

    @schnpasnase und susa
    Nix Photoshop, nix Kurkuma. Hast wohl noch nie Cilena aus der Heide aufm Teller gehabt, wa?


    @Toni
    Was hast du denn gegen den Teller? Also das versteh ich jetzt nicht...
    Und was das Weinraten angeht, da halte ich mich sowieso zurück, obwohl...ein Ideechen hätte ich auch schon.

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  14. *flüster* Ich hab bei der Form so ein bisschen Klodeckelassoziationen

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