Dienstag, 25. Januar 2011

Wein und Reisen (Fortsetzung)

Was das für ein Wein sei, wollen wir vom Wirt wissen. Nun, der sei von seinem besten Freund, dem Winzer, und er könne uns ein paar Flaschen zum Vorzugspreis verkaufen. Wir kaufen ein Dutzend.

Wieder zu Hause, nach einem stressigen Arbeitstag und bei unwirtlichem Wetter öffnen wir zum Abendbrot eine Flasche und wollen uns ein wenig vom Urlaubszauber zurückholen, noch einmal die Wärme, die Sonne schmecken und unsere Seele auf Reisen schicken. Und dann das: Der Wein schmeckt ziemlich langweilig, hat sogar einen Fehlton und lässt uns erschaudern. Was ist passiert?

Hier handelt es sich um das noch weitgehend unerforschte Phänomen des Grenzweins. Es gibt Weine, die ihren Zauber, ihre Magie nur in der besonderen Umgebung des Orts ihrer Entstehung zeigen können. Haben sie einmal die Landes- oder auch nur die Kreisgrenze überschritten, verlieren sie schlagartig an Wohlgeschmack und Qualität. Dieses Phänomen ist weitestgehend unbekannt Das ist so wie die Sache mit der Urlaubsbekanntschaft, die im kalten November unangemeldet vor der Türe steht (Typ langweiliger Schnorrer, klammernd). Und man hat so gar keine Lust, die Freundseligkeiten wieder aufzunehmen, und sieht zu, wie man diese eher peinliche Begegnung so schnell und so elegant wie möglich beendet.

Natürlich gibt es nicht wenige Ausnahmen von dieser Regel. Natürlich gibt es Urlaubsbekanntschaften, die in einer glücklichen Ehe enden und das Leben in zwei verschiedenen Ländern und Kulturen genießen. Und es gibt Weine, im Urlaub genossen und gekauft, die sind zu Hause genau so komplex, so aromatisch und zauberhaft wie im Urlaub.


Urlaub in Portugal, in Albufeira, wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, nach dem Strandbesuch in einer kleinen Weinbar einzukehren und ein Glas zu trinken. Unseren Wein haben wir schnell gefunden:

2008 Vila Santa Aragonez
João Portugal Ramos, Alentejo

ein einfacher aber nicht belangloser Jedentagswein aus der Aragonez, auch unter dem Namen Tinto del País bekannt, der portugiesischen Bezeichnung für den Tempranillo.  Portugal ist übrigens neben Griechenland das Weinbauland mit den meisten authochtonen Rebsorten, man findet viele spannende Weine mit ganz unerwarteten Aromen.

João Portugal Ramos muss man sicher nicht mehr vorstellen, er ist einer der führenden Winzer in Portugal, seine Weine sind international anerkannt, sein Betrieb in Estremoz arbeitet hochprofessionell nach den internationalen Standards (Handlese für die gehobenen Qualitäten, Barriqueausbau etc.), der Schwerpunkt liegt auf den klassischen authochtonen Rebsorten (Aragonez, Trincadera, Touriga Nacional, Periquita/Castelão Francês etc.) teilweise mit Cabernet Sauvignon oder Syrah verschnitten. Ihm ist es zu verdanken, dass die eher unbekannte Region Alentejo (im Landesinneren gelegen) sowohl in Portugal als auch weltweit Ansehen genießt.

Unser Urlaubswein ist von dunklem fast schwarzem Rot und wurde uns immer recht kühl serviert und so konnten wir erst nach einiger Zeit die feinen Aromen von Kirsche und Pflaume erkennen, in die sich nach und nach auch Gewürze mischten. Am Gaumen präsentierte sich der Wein kraftvoll, fleischig mit kräftigem Tannin, Räucheraromen, Lakritz, Bitterschokolade, Mineral, dezente Holznote und ein langer recht wuchtiger Abgang. Sehr schön war die Ausgewogenheit zwischen fruchtigen und eher rauchig-mineralischen Aromen.

Und er hat sich auf der Heimreise kein bisschen verändert!

Dazu haben wir oft eine gegrillte Sardine gegessen, eine Kombination, die wir zu Hause nie gewagt hätten, aber auch das ist Urlaub, Ferne, da passen die Dinge auf einmal perfekt zusammen.

Nur, was machen wir mit dem angebrochenen Dutzend unseres Grenzweins? Ich empfehle (und das gilt auch für ungeliebte Weingeschenke)




Glühweingelee (4 Port.)


0,75  l Wein (rot, rosé oder weiß, egal, auch gemischt)
500 g Gelierzucker 2:1
1 Orange (Bio)
1 Zitrone (Bio)
½ Vanilleschote
1 Zimtstange
1 Kardamomkapsel
2 Nelken
½ Sternanis
1 Prise geriebene Muskatnuss
2 cl Tresterschnaps

Von der Orange und der Zitrone ein paar feine Zesten abschälen und den Saft der Früchte auspressen. Die Vanilleschote aufschlitzen und das Mark herauskratzen, die Kardamomkapsel zerstoßen und die Kerne anmörsern.  Saft, Wein, Schnaps, Gelierzucker, Vanillemark, Zesten und die Gewürze zusammen sprudelnd aufkochen und ca. 15 Minuten köcheln lassen, die Nelken, Zimt, Anisstern mit einem Löffel entfernen. Noch heiß in sterilisierte Gläser füllen und erkalten lassen.

Guten Appetit!


.....  zurück zum Anfang des Artikels (falls man einen Kommentar hinterlassen oder den ganzen Artikel noch einmal von vorne lesen möchte)
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