Mittwoch, 24. Februar 2010

Nachtbus nach Hampi

Wenn es im Hause Toni was Vegetarisches gibt, dann ist das meistens ein einheimisch deftiges oder ein indisches Gericht. Zu letzterem zählt das heutige Urlaubsmitbringsel, diesmal nicht aus Thailand, sondern aus Indien. Um genau zu sein aus Hampi, das im Bundesstaat Karnataka liegt und mit seinen Ruinen und Tempeln der ehemaligen Königsstadt aus dem 13ten Jahrhundert seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Heute ist Hampi ein Dorf, während es zur Blütezeit etwa 200.000 bis sogar 500.000 Einwohnern zählte.

Nach Hampi sind wir von Goa aus gereist und haben als Reisemittel *Idee: da kann man ja schlafen* einen Nachtbus gewählt, um die Strecke von ca. 500km in 10 Stunden zu bewältigen. Mittlerweile wissen wir: Zug tagsüber wäre besser gewesen. 
Unser Bus sammelte uns pünktlich mit anderthalb Stunden Verspätung auf -von einer kleinen Gruppe mitreisender junger Inder wurden wir freudig mit den Worten „welcome to terrible bus“ begrüßt- um nach einer Stunde erstmal eine Pause für’s Abendessen einzulegen. Bis heute habe ich den leisen Verdacht, dass wir einen ziemlichen Umweg gefahren sind, um dem Restaurant des Busfahrer-Schwagers einen Besuch abzustatten ;).

Von meiner Illusion einer geruhsamen Nacht im Sleeper-Bus musste ich mich schnell verabschieden. Einen Großteil der Fahrtzeit habe ich mit Kopfrechnen verbracht, das sich u.a. damit auseinander gesetzt hat, durch wie viele Schlaglöcher man auf einer Strecke von 500 km holpert, wenn man alle zwei Sekunden mit mindestens einem Reifen durch ein Schlagloch fährt. Aber alles ist relativ, wir hatten noch Glück, unser Bus trug über der Fahrerkanzel das stolze Schild „Queen of Queens“, die meisten Busse denen wir begegnet sind waren nur eine schnöde „Queen of the Road“ ;). Den Komfortunterschied zwischen diesen Klassen zu erforschen haben wir uns gespart.

Hampi war diese Anfahrt aber in jedem Fall wert. Wir haben eine hübsch gemütliche Unterkunft bei einer netten Familie gefunden, die bizarre Landschaft entdeckt, die aussieht als ob ein Riesenbaby mit großen Steinmurmeln gespielt hätte, die beeindruckenden Tempel besichtigt (nur knapp getoppt von Ankgor Wat) und unser tägliches Abendessen genossen.


Beinahe jeden Abend gegessen, ist es unser kulinarisches Souvenir dieser Reise: Masala Dosa.
Dosa ist eine Art Crepes aus einem Reis-Linsen Teig. Unsere bevorzugte Füllung ist ein leicht scharfes Kartoffelcurry, dazu eine Joghurt-Sauce. Schon einige Zeit experimentiere ich an meinem „perfekten“ Masala Dosa, bis ich es aber zu solcher Routine schaffe muss ich noch üben.


Für 4 hungrige Personen (8 Stück), die Dosas sind sehr sättigend
1 Tasse Reis
½ Tasse geschälte Linsen
¼ TL Bockshornkleesamen
Salz

Reis und Linsen getrennt von einander über Nacht einweichen, den Bockshornklee zu den Linsen geben. Am nächsten Tag, abgießen und in einer Küchenmaschine mit etwas Wasser feinst pürieren (die Konsistenz sollte wie Crepesteig sein), salzen und wieder über Nacht bei Zimmertemperatur stehen lassen.





Gewürzmischung, frisch gemahlen aus:
2TL Koriandersamen
1/8 TL Senfsamen
1/8 TL Bockshormkleesamen
1/4 TL Kreuzkümmel
5 Pfefferkörnern
2cm Zimtstange
2 Nelken
¼ TL Kurkuma
1 TL Chilipulver

Kartoffelcurry
600g Kartoffeln, geschält und grob gewürfelt
1 kleine Zwiebel, fein gewürfelt
1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
Ingwer 1x1 cm, fein gewürfelt
100 ml Kokosmilch

Joghurt, abgeschmeckt mit Salz, Pfeffer, einer Prise Zucker und fein gehackter Petersilie oder Minze.

Zum Braten der Dosas
Ghee

Kartoffelcurry
Zwiebel, Knoblauch, Ingwer in Ghee/Butterschmalz glasig anschwitzen, die Gewürzmischung dazugeben, kurz mit anschwitzen. Salzen und knapp mit Wasser bedecken, zugedeckt ca. 10 min. garen. Dann die Kokosmilch dazugeben und bei mittlerer Hitze weich garen, bis die Flüssigkeit zum Großteil verdampft ist.

Dosas
Den Teig dünn in eine mit Ghee ausgepinselte gusseinserne Pfanne gießen und leicht anbraten lassen. Kartoffelmasse darauf geben, mit Ghee beträufeln. Die Seiten einklappen und rundrum goldbraun braten. Mit der Joghurtsauce servieren.

Kommentare:

  1. Ab wann darf man bei Dir vorbeischauen - also davon hätte ich gerne 2 Stück ... ganz lieb rüberschaut :-)
    Sehr schöne Fotos hast Du... ich lese sehr gerne solche Urlaubserinnerungen...

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  2. Ich liebe solche "Reise-Futter-Berichte". Mehr davon!

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  3. Ok, habe soeben für heute abend beim Inder reserviert .... so sehr hat mir dein schöner Bericht und das Dosa-Rezept Appetit gemacht. Ich mag auch Dosas mit Panir-Spinat-Senfblätter-Füllung, mhhh!

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  4. Ja, so eine Busfahrt hat es in sich :-) Ein sehr schöner Bericht!

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  5. Nee nä! Ihr seid nicht wirklich in diesem "Luxusbus" nach Hampi gefahren? Da könnte ich glatt meine Flugangst gegen Busfahrtangst eintauschen ;o)
    Da ich ja nicht so der Weltenbummler bin (s. einen Satz zuvor), werde ich wohl nicht so schnell in den Genuss von in Indien zubereiteten Dosas kommen. Deine sehen aber so gut aus, dass ich danach bestimmt auch gar keine anderen mehr möchte ;o)

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  6. @Alissa: nach 2 Stück bist Du aber pappsatt ;), ich schaff davon grad mal eins. Die Fotos sind noch aus nicht-digitaler Zeit.

    @Peter: ok, ich sprech mal mit Suse über ein neues Label: Reise-Futter ;)

    @Eline: echt, Du hast einen Inder bei dem es Dosas gibt? Toll, bei uns kenn ich bisher nur welche mit "Standardprogramm".

    @Hannes: Jepp! Das war bisher meine eindruckvollste ;)

    @Suse: Doch, genau mit diesem Bus. Ich bin sogar auf dem Foto drauf und zwar in oben rechts, wo das Fenster etwas auf ist.

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  7. Bockshornklee ist meine Gewürzentdeckung des letzten Jahres. Bekommen hier gelegentlich einen Bockshornkleekäse mit unserer wöchentlichen Gemüsekiste geliefert. Sehr lecker!

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  8. Ich hab sogar einen Super-Inder! Er und seine Frau sind auch ganz liebe Freunde. Allerdings hat er keine Dosas - denn bei ihm gibt es ausschliesslich authentische nordindische Küche. Ich mache Dosas daher öfter mal selbst, aber eben mit gemüsigeren Füllungen, denn die Kartoffelfüllung macht schon sehr satt.

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  9. @Toni,
    na dann brauchen wir uns das nächste Mal,wenn Ihr zu Besuch kommt, nicht merh so um euren Schlafbereich bemühen, wenn Ihr so etwas kenn ;o)
    Könntest du mir bitte mitteilen, welche Linsensorte du verwendet hast? Oder ist das relativ egal?

    @Schnickschnackschnuck
    solchen Käse gibts bei unserem Biohof auch, der ist so richtig schön nussig.

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  10. Wow, das ist aber ein toller Post. So was möchte ich auch mal essen. Das kenne ich bisher nur aus Erzählungen und Berichten. Meine Freundin war im letzten Mai auch in Indien unterwegs und schwärmte sehr. Tolle Geschichte übrigens. Ihr traut euch ja was :-)

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  11. @schnickschnackschnuck: ist aber vorsichtig zu dosieren, Bockshornklee ist sehr dominant.

    @Suse: nenene! Da liegt ein Missverständnis vor. Wir kommen doch nicht vorangig wegen der netten Gesellschaft und der hervoragenden Verköstigung zu Euch. Nein, das wunderbare Gästezimmer hat es uns angetan :))))

    @Isi: wenn wir das vorher gewusst hätten... Indien war bestimmt nicht unser schönster Urlaub, aber der von dem wir am meisten zu erzählen haben

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  12. nochmal @Suse: die Linsen sind gelbe Linsen, rote gehen auch, ich hab sogar mal Puylinsen verwendet weil ich keine anderen da hatte. Der Teig ist halt dann nicht so schön hell.

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  13. Dosas habe ich auch oft und oefters in Indien gegessen, haben immer sehr gut geschmeckt. Queen of Queens, doch erstaunlich welche Steigerungen es noch gibt in Indien.

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  14. @kitchen roach: nachdem das meine erste Indienreise war hat mich so einiges dort erstaunt.

    Sehr nett war der Verkäufer am Strand, der nicht wie seine Kollegen "Coconut" oder "Fruits" o.ä. anpries, sondern laut "anything!" ;)

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