Montag, 28. Dezember 2009

Meine „Malakoff-Tuatn“

Tja, wie Suse schon geschrieben hat, Weihnachten ist dann wohl erstmal durch. Nichtsdestotrotz und als würdigen Nachfolger von Suses Stollenparfait, stelle ich hiermit noch mein Weihnachtsdessert vor, das nebenbei erwähnt mein Wissen in Sachen Klassiker der Küchengeschichte bei der Recherche nach dem Original um ein unterhaltsames Detail erweitert hat.

Im Rahmen der Vordiskussionen zum diesjährigen Weihnachtsmenü wurde der Wunsch geäußert, als Dessert doch eine Malakofftorte zu reichen. Diese Torte hatte ich als äußerst üppig in Erinnerung, sowohl was Kalorien- als auch Alkoholgehalt angeht. Das war’s dann aber auch schon.

Bevor frau also zur Tat schreitet, wird erstmal genauestens recherchiert. Die Auswertung diverser Internetquellen ergab, dass es sich um eine ältere Verwandte des Tiramisus handelt. Kreiert zu Ehren eines gewissen Jean J. Pélissier, der im Krim-Krieg erfolgreich die gleichnamige Bastion erstürmte und daraufhin den Titel „Herzog von Malakoff“ erhielt.

Besonders gefallen hat mir der Artikel einer Online-Enzyklopädie, der erscheint, wenn man in der allbekannten Suchmaschine den Begriff „Malakoff-Tuatn“ eingibt (unbedingt lesen!!!). Bei Verständnisschwierigkeiten kann evtl. Eline dolmetschen, auch wenn sie nicht aus Wien kommt ;-).
Jetzt aber zu meiner Variante:

Da mir die meisten Rezepte zu üppig waren, hab ich als Basis eine Crème pâtissière genommen. Außerdem habe ich für eine herbe Note den Biskuit mit etwas Kaffee beträufelt. Und so fällt das ganze jetzt wahrscheinlich auch nicht mehr unter das Malakofftortenreinheitsgebot. 
Ich entspreche aber immerhin im weitesten Sinne noch der Definition des Großen Larousse, die beginnt mit "Bezeichnung verschiedener Torten der klassischen Küche..." und endet mit "...eine Scheibe Brot, die mit einer Käsemasse überzogen und ausgebacken wird" :o).

Menge für 6 Personen und eine halbrunde Terrinenform mit 750 ml Inhalt

Biskuitboden und Löffelbiskuit
4 Eigelb
3 EL Puderzucker
1 TL Vanillezucker
4 Eiweiß
2 EL Puderzucker
40g Mehl
40g Speisestärke
je 2EL Puderzucker und Mandelmehl gemischt

Ofen auf 180° Ober-/Unterhitze vorheizen.
Eigelb mit Puder- und Vanillezucker schaumig rühren, Eiweiß mit einer Prise Salz und Puderzucker zu Schnee schlagen, unter die Eigelbmasse mischen und Mehl und Speisestärke (gesiebt) unterheben.

Die eine Hälfte des Teiges ca. 8mm dick auf Backpapier streichen und 10-14 Minuten goldbraun backen. 
Die andere Hälfte in eine Spritztülle füllen und 4 cm lange Löffelbiskuits spritzen. Mit der Mischung aus Puderzucker und Mandelmehl bestäuben. In 8-10 Minuten ebenfalls goldbraun backen. 

Creme 
25g Zucker (davon die Hälfte Vanillezucker)
10g Speisestärke
1/8 l Milch
1 Eigelb

50g Butter
1 EL Puderzucker

1 Blatt Gelatine
8cl Rum

100ml Sahne, geschlagen

Zucker mit der Speisestärke vermischen und mit der Milch glatt rühren. Das Eigelb untermischen und die Flüssigkeit langsam aufkochen bis sie bindet. Abgedeckt (so dass sich keine Haut bildet) auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

Die Butter mit dem Puderzucker schaumig schlagen und mit der Creme mischen. Hierbei ist es wichtig, dass beide Massen die gleiche Temperatur haben, damit sie sich homogen verbinden. Gelatine in kaltem Wasser einweichen und im erwärmten Rum auflösen, mit der Creme vermischen. Dafür erst einen Teil der Creme mit der Rum-Gelatine vermischen, diese Mischung dann mit der Creme. Anschließend die geschlagene Sahne unterheben.

Schichten 
einen doppelten kräftigen Espresso

Die Terrinenform (eingeölt oder mit Wasser gespült, dann geht das Auslegen einfacher) mit Frischhaltefolie auskleiden.

Aus dem Biskuit zwei Streifen in Länge der Terrinenform ausschneiden. Biskuit mit etwas Espresso beträufeln. Nicht ganz die Hälfte der Creme in die Form füllen, ersten Biskuitboden auflegen, dann die restliche Creme einfüllen und mit dem zweiten Biskuit abschließen. Am besten über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Anrichten 
Die Löffelbiskuits mit Puderzucker bestäuben. Die Terrine stürzen, Folie abziehen und mit einem (am besten elektrischen) Messer in 4 cm breite Stücke schneiden. Diese rundum mit je 5 Löffelbiskuits belegen.

Serviert habe ich die Törtchen mit karamellisierten Orangen.


Kommentare:

  1. Da sieht man doch mal, wie schöööön sich ein Tiramisu anrichten lässt, wenn man sich nur ausreichend Mühe gibt :o))))

    Nein wirklich, sehr hübsch präsentiert und den weanarischen Artikel hab sogar selbst ich verstanden, meine ich zumindest...

    Gabs denn bei Tisch noch eine entsprechend ausführliche Diskussion, ob das denn nun wie DIE original Malakoff-Tuatn gmundt hot?

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  2. Ihr bloggt noch nicht so lange, gell. Oder kennt Ihr schon meine ureigenste Theorie, dass ich beständig beim Lesen solcher Köstlichkeiten in den Blogs zunehme?
    Also, die neuesten 500 g gehen auf Euer Konto! ;)
    Sieht unglaublich verführerisch aus!

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  3. @Suse: nein, keine Diskussion. Es herrschte andächtiges Schweigen, das beste Lob für ein Dessert. Es wurde nur angemerkt, das es fast wie Tiramisu geschmeckt hat :o). Aber den Kaffee konnte ich nicht weglassen, sonst wäre das ganze etwas fad geworden.

    @AT: NEIN! Jetzt wo ich Theorie kenne, geht mir das bestimmt genauso :o(.

    Suse, die nächsten Tage wird nur Diätkost gepostet. Das können wir nicht verantworten!

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  4. Ist gebongt! Ich bastele gerade am Rezept für "Ein Glas Wasser", konnte es bislang aber leider noch nicht zufriedenstellend ablichten ;o)

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  5. oh! oh! oh! Das wird schwierig. Es sind oft die einfachen Dinge, die uns völligst herausfordern. Ich habe in meinem Blog auch mal ein nur scheinbar einfaches Gericht in seiner ganzen Kompliziertheit beschrieben, daher weiß ich, wovon ich spreche. Wasser, tssss, also wirklich. Als wenn das so einfach wäre!

    Guckt mal hier!

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  6. @ Suse: okay, dann über nehm ich die "Scheibe trockenes Brot".

    @ AT: :o), das ist ja nett! Kannte ich noch nicht. Ich seh schon, wir müssen noch viel lernen...

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  7. Wahnsinn - schöne Tuatn...

    Suse das mit dem L'eau kannst Du noch schaffen mit der richtigen farbigen Beleuchtung und historischem Werdegang und der unverwechselbaren Lage und Inhaltsstoffen kann so ein Wässerchen ein unglaublich spannender Beitrag werden der auch Kalorienmäßieg auf ganz schlankem aber elegantem Fuße geht... uach gerne mal geeist... Ihr zwei kriegt das hin auch in Kombinaiton mit dem Brot... ;-))

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  8. Die Tuatn schaut aber schön aus, auch wenn sie ka echte Tuatn is. ;-)
    Eine Malakoff habe ich schon ewig lange nicht mehr gemacht, mit eigenen Biskotten sowieso nicht, daher schöne Anregung!

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  9. Na so klappts mit dem Abnehmen über Weihnachten natürlich nicht. Super, die Tuatn.

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  10. @Alissa: ich bin auch schon sehr gespannt auf Suses Wasser Rezept, und noch gespannter ob ATs Theorie auch in die andere Richtung funktioniert :o)

    @entegutallesgut: Danke :-)! Lässt Du "glane Tuatn" gelten? Oder wie wäre der korrekte Fachausdruck? ;-)

    @Isi: wieso, da war doch Obst dabei?!

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  11. Wollt ihr mich etwas herausfordern?
    Neben dem kulinarischen Aspekt eines gefüllten Glases mit Wasser könnte ich euch stundenlang mit ingenieursmäßigem Restwissen in Bezug auf Wasser(-bau, -wirtschaft, -aufbereitung) langweilen. Das wollt Ihr doch nicht wirklich, oder? ;o)

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  12. Wow, das sieht ja toll aus. Hunger!!!!!!

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  13. Mei, die Malakofftortn - in meiner Kindheit gab es in jedem Gasthof am Sonntag eine Malakoff. Je nach Können der Köche mal mit Margarinecreme mit viel Vanillinzucker und Rumaroma aus dem Miniflascherl sowie dem billigsten "Pischgottnbruch" aus der Grossbäckerei oder einer himmlisch-flaumigen Buttercreme, goldgelben Biskotten (Löffelbisquits) und geriebenen Haselnüssen als Dekor.
    Hergestellt wurde sie am Freitag, angeschnitten durfte sie erst am Sonntag mittag werden. Nur so konnten sich die Aromen richtig vermengen.
    Meine Mutter, eine begnadete Mehlspeisköchin, kreierte eine "figurbewusste" Variante der Makaloff, eine Art Charlotte Russe mit Bayrischer Creme (ähnlich deiner Variante).Die bekam ich jährlich als Geburtstagstorte, bis zum Tod meiner Mutter. ich brachte es nie übers Herz ihr zu sagen, dass ich lieber eine klassische Malakoff mit Buttercreme gehabt hätte.

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  14. Eline ist wieder da :-)!
    Dachte ich mir's doch, dass Du was schönes zur Malakofftorte erzählen kannst. Nur mit Buttercreme wär mir das zu heftig gewesen. Die Portionen waren auch so schon gerade richtig, obwohl recht klein. Wobei, so Malakoff-Petit-Fours ;-)...

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