Teil 1
kann
hier nachgelesen werden.
Es ist einer dieser schönen Frühlingstage, susa und Herr
susa sitzen voller Urlaubsfreude bei einem kleinen Abendessen, träumen sich
schon an die blaue Küste bei so ein bisschen Entenlebermousse mit etwas
Salätchen und danach vielleicht ein paar Raviölchen, man stimmt sich auf den
Urlaub ein. Und was wäre dazu besser geeignet, als eine Flasche Wein aus dem
Urlaubsort, da haben wir doch letztes Jahr eine ganze Menge mitgebracht. Der
muss ja auch weg, provenzalische Rotweine halten ja nicht für die Ewigkeit.
2008 Château de Pampelonne rouge
Provence AOC
Tief dunkelkirschrot liegt er im Glas. Vorfreudig Glas
geschwenkt und gerochen und … eigentlich eher nichts.
Herr susa: Ich weiß nicht, ich hab ja auch noch ne kleine
Erkältung, aber ich riech irgendwie nicht viel.
susa: Nee, irgendwie … nix.
Verkostungsdreikampf: Riechen, schwenken, schlucken.
Riechen, schwenken, schlucken.
Herr susa: Was ist DAS denn, das hat aber mit dem
Pampelonne, den ich kenne, überhaupt nichts zu tun.
susa: Hart, ein bisschen bitter, ich weiß auch nicht, gib
ihm mal ein bisschen Luft, vielleicht kommt er noch.
Herr susa: Ach Quatsch, ein 2008er aus der Provence, wenn
der jetzt nicht trinkreif ist, wann dann.
susa: Echt ruppig und garstig und ein bisschen bitter. Ob
der vielleicht korkt?
Herr susa: Wer weiß was die mal wieder gemacht haben, ich
trau denen ja alles zu, irgendwo irgendwas aufgekauft, Hauptsache die Menge
stimmt und das Etikett ist nett. (Anmerkung: Das Etikett von Château de
Pampelonne ist seit Jahren mein absolutes Lieblingsetikett. Leider erlauben es
meine überschaubaren fotografischen Talente nicht, dieses wunderbare
Hammerschlagpapier abzubilden.)
susa: Jetzt wird er ein bisschen süß, aber immer noch ein ruppig und diese
dumpfe Bitternote.
Herr susa: Nee, davon trink ich nix mehr.
susa: Kork! Bestimmt!
Herr susa: Kein Kork! Bestimmt! Wie war 2008 denn so
insgesamt?
susa: Weiß nicht genau, so mittel, 2007 war groß.
Herr susa: Das nützt uns aber jetzt nichts.
susa: Probier noch mal, ist Kork, bestimmt!
Herr susa: Kein Kork!
susa: doch Kork! Warte ich hol was anderes.
Hätte so ein netter Abend werden können und jetzt sitzt man
nur da und hält sich an einem schrecklichen Wein auf. Kork oder nicht Kork? Das
kann einem wirklich den ganzen Abend verderben. Und eigentlich ist es auch
egal, der Wein schmeckt grauslich! Basta!
Herr susa: Ja, hast Recht! Kork!
Wer es jetzt nicht riecht und schmeckt, dem ist wirklich
nicht mehr zu helfen. Kratzig, pappig, schimmelig mit etwas Brombeeraromen.
Liebe Korkindustrie, habt Ihr Euch schon mal überlegt, dass Ihr Ehen auf dem Gewissen
haben könnt? (Wenn ICH sage, das ist Kork, dann IST das Kork! Ist aber keiner!
Doch! Nein! Doch! Nein! Meine Mutter hat damals schon gesagt …! Jetzt kommt DIE
Leier wieder! Deine Nase möchte ich haben …! Scheidung! … Türenknallen links,
Türenknallen rechts… Aufschluchzen…)
susa: OK, dann hol ich jetzt mal was anderes.
Bordeaux ist immer ne Bank. Wenn irgendwas die angeknackste
Stimmung retten kann, dann ist das jetzt ein Bordeaux. Natürlich muss das nun einer
sein, der nicht mehr lange lüften muss, sondern der gleich ins Glas kann, right
out of the cellar, wie der gute alte James sagte.